Madeira mit dem Kanu entdecken

Andreas Greve ging beim Kajak-Marathon um Madeira an den Start

Auch eine Blumeninsel kann eine echte Herausforderung sein – wenn man sie mit dem Kanu entdecken und umrunden will. Andreas Greve ging beim Kajak-Marathon um Madeira an den Start. Plus: Mehr Tipps für Madeira

Das Video vom letzten Kanu-Marathon um Madeira soll so furchteinflößend sein, dass ich es mir lieber nicht anschaue. Dennoch zieht es Kajak-Cracks magisch zur "Volta à madeira em canoe", dem 141 Kilometer langen Rennen rund um die zerklüftete Atlantik-Insel, das in diesem Jahr vom 26. bis 31. August stattfinden wird.

Das Kajak im Gepäck

Die meisten der Teilnehmer kennen Madeira, weil es ihre Heimat ist. Andere, wie der durchtrainierte Orlando Silva aus Setubal südlich von Lissabon, weil sie schon mehrere Male diese Volta mitgemacht – und sie natürlich gewonnen haben. Den Rekord hält Jorge Comes aus Porto, der an allen elf bisherigen Umrundungen teilnahm.
Ich habe ein eigenes Kajak mitgebracht (fünf laufende Meter Sportgepäck erregen beim Einchecken am Flughafen erhebliches Aufsehen!). Ich habe diesen Aufwand aus Angst betrieben. Oder aus dem simplen Grund, in einem Boot sitzen zu wollen, von dem ich weiß, dass es meine eingeschränkte Seetauglichkeit geduldig kompensieren wird. Die Vorstellung, 141 Kilometer auch noch unentwegt balancieren zu müssen, hätte mich wohl schon Wochen vorher um den Schlaf gebracht. Mein Ziel ist es, überhaupt anzukommen.

Andreas Greve ging beim Kajak-Marathon um Madeira an den Start
Andreas Greve ging beim Kajak-Marathon um Madeira an den Start

Der Kajak-Marathon: Eine neue Herausforderung

So bleibt nur die ungewisse Vorstellung von der Ostspitze der Insel, die mich in den letzen Tagen vorm Rennen nicht ruhig schlafen lässt. Zwischen ihr und der vorgelagerten Insel Porto Santo ist das Meer plötzlich 3000 Meter tief, und der Golfstrom trifft hier nicht nur auf die Küste, sondern mit einem Kanaren-Strom zusammen – und zwar mit solcher Kraft, dass über Bord gegangene Seeleute entweder zwei Tage später auf den Deserted Islands südlich von Funchal oder zwei Monate später auf einer der Kanarischen Inseln angespült werden. So jedenfalls lautet die Faustregel der begleitenden Seenot-Retter.

Schwierige Wetterbedingungen

Pünktlich zum Start am Steinstrand neben dem Hafen von Funchal beginnt es aus den grauen Wolken zu regnen. Die Athleten rennen mit ihren Glasfieber- oder Karbon-Schalen in der einen und dem Paddel in der anderen Hand von der Startlinie auf der Strandmitte zur Brandungskante, streifen sich die Boote über und nehmen Sekunden später, wie ein Schwarm aufgeregter Insekten, Kurs auf den starken Gegenwind und die schwach erkennbare Landspitze vor Canico. Ich ziehe es vor, das 28 Kilo schwere Seayak bis zum Ufersaum hinter mir herzuziehen, es ist aus Polyäthylen und kann das demzufolge ab. Es kann sowieso mehr ab als ich. Nur das Netz auf dem Vorderdeck ist zu schlaff und liefert die Hälfte meiner Wasserration an die erste hohe Brandungswelle ab. Stichwort: Dehydrierung.

Es geht voran.. langsam

20 Kilometer liegen bis Machico vor uns. Für die Südküste ungewöhnlich hohe Wellen von zwei und drei Metern und bis zu drei Windstärken machen das Vorankommen mühselig.

Meine Marathon-Mitkämpfer haben Machico längst erreicht, während ich mit immer matter werdenden Schlägen die Tücken der Kreuzsee zu parieren versuche und mir die Strategie für die folgenden Wettkampftage zurechtlege. Sie lautet: Nein, danke! Die Vorstellung, bei diesen Witterungsverhältnissen die Ostspitze nicht im Kajak umrunden zu müssen, beflügelt mich ungemein. Die aufmunternden Zurufe der eigens für den Letzten abgestellten Seenot-Rettungsmannschaft im PS-starken Gummiboot im Ohr, kämpfe ich mich bis in die Baja de Zarko von Machico. Ich habe einen negativen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Oder positiv ausgedrückt: Ich repräsentiere mein Land klischeegerecht in Sachen Ausdauer, Sturheit und Zähigkeit. Aber ohne Frage bin ich bei der Umrundung der Ostspitze im Motorboot besser aufgehoben. Ein Sportler muss wissen, wann er abtritt.

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Wo?
Madeira liegt weiter vom Mutterland Portugal (900 Kilometer) als von Afrika (600) entfernt.

Wie kommt man hin?
Per Linie über Lissabon oder mit einem Ferienflieger, zum Beispiel mit Air Berlin, nach Funchal.

Unterkunft
Es lohnt sich, kombinierte Angebote (Flug/Zimmer/Auto) der Veranstalter zu prüfen. OLIMAR beispielsweise hat außer Appartements und Hotels auch restaurierte Landhäuser in seinem Programm. Neben großen Ferienanlagen in Funchal und Canico de Baixo finden sich in den kleineren Küstenorten intimere Unterkünfte – etwa das 4-Sterne-Hotel Baia do Sol in Ponta do Sol www.enotel.com

Die Insel
Madeira ist eine Sonnen-, jedoch keine Strandinsel. Darum gibt es in den großen Ferienorten aufwändig gestaltete Lidos aus alter Lava und neuem Beton. An kleinen Buchten können die Steine faustgroß sein. Die trockene Tochterinsel Porto Santo trumpft dagegen mit 8 Kilometern gelbem Sandstrand auf. Anreise mit der Fähre ab Funchal, zirka 3 Stunden.

Tauchen
kann man sehr gut im naturgeschützten Unterwasserrevier zwischen der Funchal und Canico de Baixo (Tauchschulen im Ort). In Canico findet sich übrigens auch ein Mountainbike-Verleih.

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Zu Fuß an den Levadas entlang

Wandern ist Kernsportart der bis auf 1862 Meter ansteigenden Vulkan-Insel. Besonders reizvoll sind Wander-Touren entlang der alten Wasserkanäle, die Madeira durchziehen. Diese Levadas bieten neben großartigen Aus- und Einblicken den Vorteil, dass sie mehr oder weniger waagerecht verlaufen. Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk sind dennoch angeraten. Wir haben drei Touren-Tipps:

Tour von Fonto do Bispo (800 Meter)
1. Uber die Levada do Galhano durch 8 Tunnels bis zum Wasserbecken von Lamaceiros oberhalb Porto Moniz. 7 Stunden; schwer.

2. Durch den Tunnel des Pico de Gato bis zum Pico Ruivo (1862 Meter). Hin/ zurück 6 Stunden; schwer.

3. Über die Levada do Caniçal und den Küstenweg nach Porto da Cruz. 4,5 Stunden; mittel.

Literatur Wandern + erleben: Madeira; Bruckmann-Verlag, 14,90 Euro. Wandern auf Madeira; Dumont, 12 Euro.

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