Wampe-weg-Team: „In den letzten Wochen habe ich erst richtig laufen gelernt“

Matthias fährt dem Übergewicht davon
Nach zwei Monaten hat Matthias vom Wampe-weg-Team 7 Kilo abgenommen

Mit Joggen konnte man Matthias bislang jagen. Nun macht er es regelmäßig. Hier schreibt er, wodurch sich das änderte

Sieben Kilogramm weniger – das ist die magische Zahl, meine persönliche Ausbeute der ersten zwei Monate unseres Best-Bauch-Projekts! Unter 95 Kilo war schon klasse, aber jetzt gehe ich hart auf die 90 zu. Echt irre! Viel habe ich der knallharten Ernährungsumstellung zu verdanken, von der ich im letzten Heft berichtet habe. Dabei habe ich mich so schnell auf den neuen Mampfplan eingestellt, dass mich in der vierten Woche ein falsches Dressing bei meinem Lieblingsitaliener fast aus der Bahn geworfen hätte. An und für sich ist das ja ein gutes Zeichen, denn es beweist, dass man sich tatsächlich sehr schnell an einen gesünderen Lebensstil gewöhnen kann. Besser jetzt als gleich damit beginnen, das sage ich Euch!

Mehr noch als beim Essen musste ich mich ganz woanders durchbeißen – beim zweiten Standbein eines jeden Abspeckprojekts, dem Ausdauertraining. Dort bin ich vielleicht ein bisschen im Vorteil, denn Mountainbiken ist schon immer meine große Liebe gewesen (nur in Sachen Sport, versteht sich – nichts für ungut, Nicole!). Allerdings nicht in dem Maße, wie es zum Abnehmen nötig gewesen wäre. Mein Trainingsplan ist knackig und straff, die ersten Wochen fühlten sich zäh an.

Mein Tipp, wie man Startschwierigkeiten umgeht: Macht das, wozu Ihr Lust habt und was Euch am wenigsten Überwindung kostet. Bei mir ist es das Mountainbiken. Vor einigen Wochen zum Beispiel bin ich mal mit meiner Freundin Nicole raus zum Rössberg, bei uns um die Ecke. Es sind zwar keine 1000 Höhenmeter geworden – schließlich muss ich aufpassen, dass es auch ihr Spaß macht, mit mir zu fahren –, trotzdem war das Ganze ziemlich anstrengend, inklusive der ganzen Tragepassagen und so. Jeder Meter hat sich gelohnt, denn ich war ein halbes Jahr vorher schon mal dort und kann mich noch gut daran erinnern, was das damals für ein Drama gewesen ist: Verzweifelt hatte ich gekämpft – jeder Tritt trieb den Schmerz in die Beine. Die Ausfahrt mit Nicole war also eine riesige Genugtuung.

Matthias fährt dem Übergewicht davon

Mit Rad und Tat: Matthias fährt dem Übergewicht davon

Das Beste am Radfahren ist, dass man die Natur bewusster wahrnimmt. Ich habe Zeit, nach links und rechts zu sehen. Beim Mountainbiken kann man zudem fast jeden Weg nehmen. Ach was, man braucht gar keinen Weg – einfach losfahren und gut! Was Mutter Natur da draußen für einen bereithält, das ist echt der Hammer: Jede Tour ist anders, und jedes Wetter hat seine Vorzüge. Versucht auch Ihr unbedingt einmal, im Dunkeln zu fahren! Dazu braucht Ihr natürlich einen anständigen Strahler am Lenker. Meiner durchflutet die Nacht mit 900 Lumen, da geht schon einiges. Das Coole ist: In der Nacht werden bekannte Wege und Orte in ein ganz neues Licht gerückt. Wahrscheinlich werden in der Dunkelheit die Sinne leicht betrogen, aber auch geschärft. So aufmerksam man auf den Weg schauen muss, so wenig spürt man die Anstrengung. Tipp für alle, die sich wie ich gerne tief in umliegende Wälder schlagen: Nehmt zusätzlich eine Kopflampe mit, die kann im Notfall wichtig sein.

Dann nutze ich mein Bike als rollende Verabredungsmaschine. So bin ich vor ein paar Tagen beim Radfahren am Hof eines Freundes vorbeigekommen. Er war da, ein spontanes Treffen rasch eingeläutet. Ein kurzer Plausch, dann habe ich mich wieder auf den Weg gemacht – man darf das Training ja nicht vergessen. Wäre ich mit dem Auto dort vorbei-gekommen, hätte ich wohl nicht angehalten. So aber habe ich alles gehabt: Kumpel getroffen und trainiert. Ach ja, und ein Kompliment habe ich mir auch noch eingefahren: Als ich mir kurz meine Bike-Jacke abgestreift habe, meinte er zu mir, als er meine Silhouette sah: „Mann, da ist ja unglaublich viel passiert bei dir in letzter Zeit.“ Als ich vom Hof rollte, war meine Brust vor Stolz geschwellt, wie die des Hofhahns, der flatternd aus dem Weg sprang.

Übrigens, ich muss Euch ein Geheimnis anvertrauen: Ich jogge. Ja, ich! Inzwischen laufe ich gar öfter, als ich bike. Was habe ich früher übers Joggen geschimpft. Immer wenn ich es probiert habe, bin ich auf die Nase gefallen, rein symbolisch. Selbst schuld, ich war jedes Mal zu schnell oder zu lange unterwegs. Und hinterher bin ich tagelang keine Treppe mehr raufgekommen. Also war Laufen das Grauen für mich. Woher der Sinneswandel? Ganz einfach: Joggen ist in kürzerer Zeit wesentlich effektiver als Biken. Da mein Terminplan vorher schon recht voll war und ich trotz des Abnehmprojekts nicht auf Freundin und Freunde verzichten wollte, habe ich mich da rangetastet. Bescheiden ging’s los: die ersten Male 3 bis 5 Kilometer, inzwischen sind es pro Lauf schon 6 bis 8 Kilometer. Und das Schöne daran ist: Mir fällt das Joggen jetzt lange nicht mehr so schwer wie früher, und ich kann nun sogar mit Freunden losziehen, die schon viel länger laufen. Zumindest tun die so, als ob mein Tempo okay ist – danke dafür, Jungs!

Sogar meine Freundin Nicole joggt mittlerweile mit mir. Meistens steigen wir Sonntag früh in die Laufschuhe. Im Anschluss gibt es ein leckeres Frühstück, das ist schon so ein kleines Ritual geworden. Der Gedanke an das gemütliche gemeinsame Frühstück nach dem Laufen und an das schöne Gefühl, etwas geschafft zu haben, motiviert uns. Also können uns auch mieses Wetter oder Minusgrade wie zurzeit nicht mehr vom Laufen abhalten.

Für mich steht jetzt schon fest: Auch nach dem Best-Bauch-Projekt werde ich regelmäßig joggen. Natürlich werde ich auch in Zukunft Mountainbiken, keine Frage (die ersten Pläne für eine Alpentour 2011 habe ich auch schon geschmiedet). Schrecken kann mich eine solche Herausforderung nicht mehr. Immerhin schaffe ich jetzt, nach 2 Monaten Training, in 2 Minuten satte 214 Seilsprung-Wiederholungen (zu Beginn waren es nur 175) und 42 statt 28 Liegestütze. Die 1000 Meter laufe ich nun in 4:19 Minuten und damit volle 21 Sekunden schneller als zu Beginn dieses Projekts. Mal sehen, wie sich das alles weiterentwickelt.

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