Erfahrungsbericht: Mein erster Marathon

Die ersten Gehversuche für den Marathon
Unglaubliche Leistung: 42,195 Kilometer durchhalten

Men's-Health-Leser, die den Ruhr-Marathon von Dortmund nach Essen gelaufen sind, erzählen von ihren Erfahrungen

Einige kauen nervös auf Energie-Riegeln herum, andere laufen sich warm, wieder andere nutzen die Absperrgitter, um sich zu dehnen. Auf der Provinzialstraße in Dortmund fiebern tausende Läufer dem Start des dritte Karstadt-Ruhr-Marathons entgegen. Mittendrin steht Dirk Heinrich, Marathon-Debütant und Starter im Men's-Health-Reebok-Paceteam.

Er nestelt am Hüftgürtel und verstaut seine Energie-Reserven, eine abenteuerliche Mixtur aus Kohlenhydratgel und Schoko-Milch-Riegeln. Sein Puls liegt bei 160. "Die Aufregung", sagt er. Die hat auch Oliver Woll gepackt, der ebenfalls kurz vor seinem ersten Marathon steht und mit Dirk zusammen laufen möchte. "Zum Glück habe ich gestern bereits alles vorbereitet, die Startnummer ans Shirt geheftet und den Zeitmesschip am Schuh befestigt."

Kai Peter Keller steht daneben und lächelt wissend: "Morgens in Ruhe auf den Lauf einstimmen und vom Hefeweizen im Ziel träumen – das ist quasi schon die halbe Miete." Auch er ist einer von 20 Läufern des Paceteams. Der Routinier läuft heute seinen 39. Marathon, an seinem 39. Geburtstag. Kai will die Ziellinie in Essen nach weniger als drei Stunden passieren.

Oliver und Dirk wollen es dagegen langsam angehen lassen. Beim Wettkampf, so haben die beiden gehört, läuft man Gefahr, zu schnell zu starten. Und wer nicht hören will, muss fühlen.

Und jetzt: schleich dich!

Auf einmal ist alles in Aufruhr. Es hat geknallt. Die Läuferherde schiebt sich unaufhaltsam über den Asphalt. Vorn, hinten, links, rechts, alles strebt in eine einzige Richtung. Irgendwo da draußen kreischen die Zuschauer hinter den Absperrungen. Sogwirkung, Kontrollverlust – auch über das Tempo: Oliver und Dirk erreichen den ersten Kilometer bereits nach 4:38 Minuten. Theoretisch entspricht das einer Marathon-Endzeit von rund 3:15 Stunden. Jetzt heißt es runterschalten, die Zeitmessung am Handgelenk hilft dabei.

Derweil ist Kai schon 100 Meter voraus, nach Dutzenden von Marathonläufen hat er das richtige Tempo im Gefühl. Debütant Oliver hingegen ist im Rauschzustand, er nimmt den Trubel am Straßenrand erst nach mehreren Kilometern wahr: "Die Beine laufen wie geschmiert, der Geist aber ist in anderen Sphären unterwegs." Er registriert erleichtert, dass sein Puls nun bei 140 liegt.

Nach einigen Kilometern der erste Entertainment-Bereich an der Strecke. Laute Musik, Würstchenbuden, noch mehr jubelnde Menschen. Gänsehaut. Und immer weiter geht's. Einzige Angst: bloß nicht zu schnell laufen! Nach 45 Minuten liegen die ersten zehn Kilometer hinter Oliver und Dirk. Ein kurzer Blick über die Schulter an einer leichten Steigung: Ein Meer aus tausenden auf- und abtanzenden Köpfen folgt den beiden Läufern. Oliver traut seinen Augen nicht, als Dirk ein klingelndes Handy aus der Tasche zieht. Jemand will ihm noch vor dem Start alles Gute wünschen. Sprachlosigkeit am anderen Ende, als Dirk verkündet, dass er fast 15 Kilometer hinter sich hat. "Ich bin nun mal verflixt schnell", sagt er feixend und steckt das Handy zurück.

Auf die Lauftechnik kommt es an

Wichtigste Zielmarke: den Marathon durchhalten

Langsam, aber gewaltig

So unglaublich wie die Leistung, 42,195 Meter am Stück durchzuhalten, ist auch das Geheimnis der Vorbereitung auf einen Marathon: Sie fordert den Körper, der passt sich an, wird immer belastbarer. Darin unterscheidet sich der Marathon nicht von dem 100-Meter-Lauf. Fürs Marathontraining aber muss man etwas mehr Zeit und Disziplin aufwenden, im Mittelpunkt stehen hier Streckemachen und Langsamlaufen. "Letzteres klingt leider einfacher, als es ist", sagt Oliver. In rund einem Jahr Vorbereitung hat er es gezielt lernen müssen. "Als Mann denkt man ja immer, man muss schnell sein, schneller als die anderen. Davon muss man sich verabschieden."

Schon nach knapp zwei Monaten Training schaffte Oliver 20 Kilometer am Stück. Inzwischen hat er ganz nebenbei 20 Kilo abgenommen, ist so gut trainiert, dass er kurz vorm Marathon seine Zielmarke anpasst: In 3:30 Stunden will er den ersten Marathon beenden – eine Spitzenzeit für jemanden, der für das Schleichtempo wirbt.

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