Muskelkater: Milchsäure macht müde Muskeln munter

Er schaffte es noch nicht mal ins Bett
Das mit der sauren Milch hatte er wohl falsch verstanden

Sie glauben, Muskelkater kommt von zu viel Milchsäure? Einige Forscher entgegnen nun, dass die Muskeln dadurch sogar geschützt werden

Klar, Muskelkater kommt durch zu viel Milchsäure (Laktat). Die produziert der Muskel bei zu harter Arbeit, um zu zeigen, wann er schlapp ist. Davon sind die Forscher zumindest bis jetzt überzeugt gewesen und die Laktatwertbestimmung ist aus der modernen Trainingskontrolle von Profisportlern nicht mehr wegzudenken

Stimmt gar nicht, behaupten jetzt Ole Nielsen und seine Kollegen von der Uni in Aarhus. Sie behaupten vielmehr, dass Milchsäure bei verstärkter Muskelarbeit gebildet wird, um zu verhindern, dass der Muskel ausfällt.

„Wir haben herausgefunden, dass der Muskel einen cleveren Trick ausspielt, um sicher zu stellen, dass er nicht schlapp macht: Indem er übersäuert, stellt er sicher, dass er auch unter Belastung richtig auf Nervensignale reagiert “, so Graham Lamb von der Uni in Melbourne, der auch zur Forschergruppe gehört.

Reizende Reaktion

Muskeln ziehen sich in einem komplexen „Reiz-Reaktions-Schema“ zusammen. Elektrische Reize aus den Nervenzellen an der Oberfläche dringen dabei durch ein Netz von Röhren, das T-System, tief in die einzelnen Fasern ein.

Beim ausgeruhten Muskel sorgen Chlorid-Ionen für eine Reiz-Dämpfung, indem sie verhindern, dass der Muskel sich ohne Nervensignal bewegt. Wenn der Muskel dagegen hart arbeitet, wird Kalium freigesetzt. Das macht die Muskeln reaktionsträge. Außerdem verhindert in diesem Zustand zusätzlich der Reiz-Dämpfer Chlorid eine schnelle Reaktion.

Um diese Trägheit zu kompensieren, steigt innerhalb des Muskels die Milchsäure-Konzentration – der Einfluss des Chlorids wird reduziert, damit der Muskel erregbar bleibt. Sonst würde er sich gar nicht mehr bewegen.

„Das ist nicht nur für Spitzenathleten und Forscher interessant“, so Lamb. „Vielmehr haben wir ein für alle Mal mit der Theorie aufgeräumt, dass Milchsäure den Muskel erschöpft.“

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