Trendsport Skeleton: Mit Eis-Torpedos durch die Bobbahn

Skeletonfahrer im Eiskanal
Skeletonfahrer beim Training in Park City, USA

Skeleton-Piloten rasen mit Tempo 135 durch die Bobbahn – Kopf voran, nur Zentimeter über der Rennstrecke. Bei keinem anderen Wintersport ist man dem Eis so nahe

Skeleton-Fahrer sind die Jet-Piloten des Eiskanals – bei keiner anderen Sportart ist man den physikalischen Kräften so ausgesetzt wie beim Skeleton. Knapp 5 Zentimeter hängt der Kopf über dem Eis. In den Kurven kommt es zu Belastungen, die locker über dem Sechsfachen des eigenen Körpergewichts liegen, in ganz harten Kompressionen sogar darüber. „Da fühlst du dich, als hätte jemand einen Kleinwagen auf deinem Rücken geparkt“, sagt Florian Grassl,  ehemaliger Skeleton-Vize-Weltmeister. Spezielles Krafttraining für Schulter- und Nackenmuskulatur ist daher Pflicht.

Wie ist ein Skeleton aufgebaut?
Der Skeleton-Schlitten ist ein massives Stahlgerippe, das je nach Fahrergewicht 33 bis 43 Kilo wiegt. Seine Seiten sind hochgezogen und geben extra Halt. Vorn und hinten sind so genannte Prallbügel fixiert: Schutz, falls der Pilot die Eisbande touchiert. Die Kufen sind aus 16-Millimeter-Rundstahl.

Wie gefährlich ist Skeleton?
Für Außenstehende sieht Bob-, Rodel- und vor allem Skeleton-Sport sehr gefährlich aus. Ist er aber nicht! Das Verletzungsrisiko ist eher gering. Bis auf kleinere Blessuren wie blaue Flecken oder Verbrennungen durch das Eis passiert praktisch nichts. Grund: Der Körperschwerpunkt ist zu nah am Boden, als dass man mit dem Schlitten umkippen könnte.

Wie wird eigentlich gelenkt?
Ein Skeleton-Pilot muss sich ständig auf neue Situationen im Eiskanal einstellen, denn der schwere Schlitten ist nur mäßig lenkbar. Das Handling ist schwierig, wer aber Feingefühl besitzt, dem gehorcht der Stahlkoloss bedingungslos. Profis können den Schlitten nicht nur durch Gewichtsverlagerung steuern, sondern auch durch einen Schulterruck. Einsteiger dürfen natürlich auch etwas mit den Füßen lenken. Die wichtigste Voraussetzung für einen Skeleton-Piloten ist aber  eine vorausschauende und vorausdenkende Fahrweise.

Wie schnell lernt man Skeleton?
In der Weltklasse kommt es auf die Qualität der Läufe an – Profis müssen stets im Bereich ihrer Bestleistung trainieren. Bei Einsteigern führt anfangs der wachsende Umfang zu Ni­veau­steigerungen. Wichtig ist aber auch die spezifische Muskulatur im Nackenbereich – die lässt sich am besten beim Abfahren trainieren, denn hier ist man den realen Kräften ausgesetzt. Einsteigern empfiehlt Franz-Josef Hofmann, Leiter der Sportfördergruppe im Olympia-Stützpunkt Berchtesgaden, ruhig und kompakt auf dem Skeleton zu liegen. „Anfänger brauchen keine Ideallinie, sondern eine sichere Spur mit möglichst wenig Bandenkontakt. Wer die Füße zu Hilfe nimmt, kommt gut durch die Bahn. Bei einer Linkskurve setzt einfach der linke Fuß kurz ins Eis.“

Wo lernt man Skeleton?

Am schnellsten sehen Sie Erfolge, wenn Sie eine Skeleton-Schule besuchen. In Deutschland gibt es vier Olympia-Stützpunkte – Berchtesgaden (Bayern), Altenberg (Sachsen), Winterberg (Nordrhein-Westfalen) und Oberhof (Thüringen). Ansprechpartner nennt Ihnen der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (www.bsd-portal.de). Der Einstieg erfolgt über verkürzte Strecken. Dadurch tas­tet man sich an die Fahrtechnik und die Geschwindigkeit heran. Die Ausrüstung wird gestellt.

Wo sind die nächsten Turniere?
Wenn Sie erst mal zuschauen wollen bevor Sie sich selbst in den Eiskanal stürzen, fahren Sie doch zu einem der anstehenden Weltcup-Rennen. Hier die nächsten Termine:

02. bis 08. Januar 2012: 4.Weltcup Altenberg

09. bis 15. Januar 2012: 5. Weltcup Königssee

16. bis 22. Januar 2012: 6. Weltcup St. Moritz/SUI

30. Januar bis 04. Februar 2012: 7. Weltcup Whistler/CAN

06. bis 11. Februar 2012: 8. Weltcup Calgary/CAN

Die aktuelle Weltcup-Meisterschaft läuft seit November. Momentan führt nach 3 Rennen Martin Dukurs aus Lettland vor Alexander Tretiakov aus Russland und Frank Rommel aus Deutschland.

Sponsored SectionAnzeige