Hirnimplantat gegen Depressionen?

Ein künstlicher Schrittmacher soll Depressiven helfen. Durch elektrische Impulse einer Elektrode im Nacken stimuliert das Gerät das Gehirn und hellt die Stimmung der Patienten auf.

Frankenstein lässt grüßen: Durch ein Implantat will eine amerikanische Firma den Gemütszustand von Depressiven aufhellen. Dafür operieren sie einen Schrittmacher an den Vagusnerv, einen der Hauptstränge des Nervensystems. Im Nacken legen sie eine Elektrode um den Nerv, die ein Taktgeber in der Brust speist. Alle 30 Sekunden wird der Nerv damit stimuliert und sendet Signale an das limbische System, die Stelle im Hirn, die Gefühle steuert. Das verbessert die Stimmung der verkabelten Patienten.

Das Verfahren wurde ursprünglich entwickelt, um schwere epileptische Anfälle zu behandeln. Nachdem Wissenschaftler herausfanden, dass die Patienten dadurch auch bessere Laune bekamen, hat die Firma Cyberonics aus Texas den Schrittmacher weiterentwickelt und unter dem Namen "NCP System" vorgestellt. Bei einer Studie mit 60 Patienten konnten fast zwei Drittel geholfen werden, die auf medikamentöse Behandlung nicht ansprachen. Allerdings war das Implantat machtlos, wenn die Patienten keine Reaktion auf die acht häufigsten Antidepressiva zeigten.

Wirkung: bis zu zwei Jahre
Zwei Wissenschaftler überprüften den Schrittmacher, Mark George von der Medizinischen Universität in South Carolina und A. John Rush vom Medizinischen Zentrum der Universität in Texas: Sie fanden heraus, dass bei einigen Testpersonen die Besserung erst nach einer Weile einsetzte und dann zwei Jahre lang anhielt.

Ob allerdings der Schrittmacher neue Welten in der Behandlung von Depressionen erschließen kann, bleibt fraglich: Antony Clear, Neurobiologe vom britischen Institut für Psychiatrie meint nein, weil eine Operation notwendig sei und der Schrittmacher das ganze Leben des Patienten im Körper bleibe. Außerdem klingen die Stimmen der Patienten mit dem Implantat heiser.

Infos über Cyberonics: www.cyberonics.com

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