Gemeine Kollegen: Werde ich gemobbt?

Mobbing im Büro?
Er war sich immer noch nicht sicher, ob er gemobbt wird

Die häufigsten Unsicherheiten im Berufsleben – und wie Sie erkennen, ob Sie mit Ihren Vermutungen richtig liegen

Fühlen Sie sich nicht sicher? Glauben Sie, dass jedes Lachen der Kollegen Ihnen gilt? Sie befürchten, dass der Chef Sie auf dem Kieker hat? Dann sind Sie nicht allein. Mehr als 60 Prozent aller Angestellten haben manchmal Angst im Job. Wir helfen Ihnen da raus.

Die Kündigungsfrist ist vertraglich oder gesetzlich festgelegt
Klare Ansage vom Chef: Sie sollen bleiben!

Bestimmt werde ich gefeuert

Sie sind ständig krank, und Ihr Hausarzt hat Sie an einen Psychologen überwiesen. Die Diagnose: Sie haben Angst, Ihren Job zu verlieren.

Schlafstörungen, Konzentrationsmangel und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte sind die gängigen Nebenwirkungen. Dabei sind die Anzeichen für eine drohende Entlassung eindeutig. Beurteilungsgespräche verlaufen negativ, Verantwortungsbereiche werden Ihnen plötzlich entzogen, die Arbeit stark kontrolliert. Manchmal aber trügt das Gefühl, auf dem Schleudersitz zu hocken: Probleme werden auf die eigene Leistung bezogen, obwohl sie ganz andere Ursachen haben. Informationen bringen Sicherheit. Prüfen Sie Ihre eigene Vertragssituation und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

Betrachten Sie Ihre Situation mit Abstand. Machen Sie eine Liste: Was belastet mich? Warum fühle ich mich für die Probleme verantwortlich? Ziehen Sie vertrauenswürdige Kollegen zu Rate, um eine Fremdeinschätzung der Situation zu erhalten. Bringt Ihnen dass keine Sicherheit, sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten. Erklären Sie ihm, dass Sie verunsichert sind und mehr Transparenz brauchen.

Wer einen Vertrag kündigen will, kommt mit Sachlichkeit weiter
Ihm fehlt der richtige Antrieb im Büro

Eine gewisse Grundspannung im Job schützt vor Antriebslosigkeit

In der Tageszeitung sind 42 Rechtschreibfehler, auf Ihrer Pinnwand 264 Einstiche. Woher Sie das wissen? Weil Sie nachgezählt haben. Unterforderung ist meist schlimmer als Überforderung. Um effektiv arbeiten zu können, muss man eine gewisse Grundanspannung haben. Wer im Beruf nicht ausgefüllt ist, langweilt sich auf die Dauer.

Antriebslosigkeit und Depressionen können Zeichen sein, aber auch Gereiztheit im Privatleben. Was tun? Die Beschwerde „Chef, ich habe seit Tagen nichts zu tun“ ist nicht ratsam.

Wir haben leider verlernt, uns zu langweilen. Dabei ist die so genannte Phase der kreativen Indifferenz, wie die Langweile fachsprachlich heißt, wichtig. Dann kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen und kreativ sein.

Natürlich können Sie versuchen, sich zusätzlich Arbeit zu beschaffen. Gut, wenn das glückt. Wenn nicht, prüfen Sie, welche Weiterbildungsmaßnahmen in Frage kämen. Suchen Sie sich konkrete Angebote heraus, die Sie für Ihren Beruf zusätzlich qualifizieren, und sprechen Sie dann mit Ihrem Chef über Ihr Vorhaben. Als Begründung geben Sie nicht etwa freie Kapazitäten an, sondern dass Sie noch effektiver einsetzbar sein und mehr Verantwortung übernehmen möchten.

Was tun gegen fiesen Kollegen?
Er hat ihm die Meinung deutlich gepaukt

Die mobben mich doch alle

Sind Sie etwa die Nummer neun? Das Bundesarbeitsministerium hat ermittelt, dass jeder Neunte im Berufsleben mindestens einmal zum Mobbing-Opfer wird. Häufig sind die Anzeichen schwer auszumachen. Während der eine den Umgangston im Büro für kumpelhaft-locker hält, empfindet ihn sein Kollege längst als distanzlos und rotzig. Das deutlichste Signal sind Kollegen, die sich lästernd zusammenrotten und für Sie wichtige Informationen zurückhalten.

„In vielen Fällen ist es für das Opfer besser, das Unternehmen zu verlassen, als langfristig die Gesundheit aufs Spiel zu setzen“, sagt die Management-Beraterin Madeleine Leitner. Vorgesetzte mobben übrigens eher selten. „Sie greifen lieber zu den Mitteln Über- und Unterforderung, damit lässt sich jeder unliebsame Mitarbeiter schnell mürbe machen“, erklärt Leitner.

Werden Sie tatsächlich anders behandelt als andere? Prüfen Sie das. Falls Vorgesetzte oder Kollegen nicht bereit sind, mit Ihnen darüber zu sprechen, sieht es schlecht aus. In diesem Fall ist es besser, möglichst schnell den Job zu wechseln. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt attestieren, dass Sie unter Ihrer Arbeitssituation gesundheitlich leiden. Das kann möglicherweise bewirken, dass Sie vom Arbeitsamt keine Sperrfrist bekommen und sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Bei ihm geht der Weg noch weit

Ich stecke in der Sackgasse

Sie sind beruflich auf dem Höhepunkt. Denn über Ihnen geht es nicht weiter. Überqualifiziert und ausgebremst. „Es ist keine Seltenheit, dass Firmen hochqualifiziertes Personal einstellen, obgleich sie keine entsprechenden Positionen haben“, erklärt Expertin Leitner. Die Unternehmen versprechen sich von diesen so genannten High Potentials Vorteile, obgleich sie ihnen selbst nur Nachteile bieten. Denn diesen Menschen wird schnell bewusst, dass die Firma noch nicht reif für ihren Aufstieg ist.

Sofern Sie schon mitten in dieser Situation stecken, führen Sie Beratungsgespräche. Besprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, welche Entwicklungsmöglichkeiten es für Sie innerhalb der Firma gibt. Oftmals die beste Lösung: Schlagen Sie eine firmeninterne Versetzung an einen anspruchsvolleren Arbeitsplatz vor. Es gibt keinen? Dann sollten Sie sich langfristig neu orientieren.

Vorsicht ist schon bei der Jobauswahl geboten! In Bewerbungsgesprächen wird auf beiden Seiten taktiert. Dort werden Anforderungen gestellt, die im realen Arbeitsalltag kaum oder gar nicht gefordert sind. Erkundigen Sie sich genau, was Sie erwartet. Falls Sie schon einen Mitarbeiter der Firma kennen, nutzen Sie die Insider-Informationen: Wie ist der Umgang mit Mitarbeitern? Gibt es Förderprogramme?

Ziehen Sie von den Anforderungen der Stellenausschreibung grundsätzlich 20 Prozent ab und überlegen Sie sich, ob Ihnen diese Herausforderung genügt. An Ihren Aufgaben können Sie immer noch wachsen, aber der eigene Leistungsanspruch lässt sich nicht herunterschrauben.

Hören Sie auf Ihr Frühwarnsystem. Wird die Sache langweilig? Dann erschließen Sie sich neue Aufgabenfelder, gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz kreativ mit. Entwickeln Sie Konzepte, die die Firma voranbringen und für Sie automatisch ein größeres Aufgabenpotenzial bedeuten.

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