Behandlung mit Heilkräutern: Naturheilmittel mit Vorsicht genießen

Achtung, Kräuter haben es bisweilen in sich
Achtung, Naturpräparate haben es bisweilen in sich!

In Kombination mit anderen Medikamenten und vor Operationen sind pflanzliche Arzneimittel nur mit Vorsicht zu genießen.

Knoblauch beugt dem Stau in den Gefäßen vor, etwas Ginseng macht immun gegen Stress, und die Magenprobleme kriegen wir mit Ingwer in den Griff. Alles ganz natürlich und deshalb ganz ohne Nebenwirkungen? Von wegen: Bloß weil sich die Kräutermittel mit dem Zusatz "Natur" schmücken, sind sie noch längst nicht harmlos. Mehrere wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass pflanzliche Präparate manchmal ganz schön gefährlich werden können – vor allem dann, wenn man sie gleichzeitig mit anderen Medikamenten einnimmt oder wenn sie im Vorfeld einer Operation angewendet werden.

Problematische Kombinationen
Nach einer Untersuchung der West Virginia Universität in den USA nimmt ungefähr jeder vierte Patient von Schulmedizinern auch Naturpräparate ein. Aber lediglich 70 Prozent von ihnen informieren ihren Arzt auch darüber. Dabei kann es durchaus zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen. Britische Pharmakologen an der University of Exeter haben jetzt eine Liste mit den häufigsten Problem-Kombinationen zusammengestellt:

Baldrian: Die Wirkung von Barbituraten (früher häufig als Schlafmittel angewendet, heute vor allem als Epilepsie-Medikament) verstärkt sich durch Baldrian, und umgekehrt. Der Einnehmende wird völlig ausgeschaltet.

Echinacea: Bei Einnahme über acht Wochen zusammen mit anabolen Steroiden und Folsäure-Antagonisten (Methotrexat) kann es unter Umständen zu einem Leberkoma kommen. Zudem wird durch Echinacea die Wirkung von Immunsupressiva (wie Cyclosporin) gestört.

Fieberkraut, Ginkgo, Ginseng, Ingwer, Knoblauch: Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien wie Warfarin verändern diese Pflanzenwirkstoffe die Blutgerinnung.

Ginseng: Verstärkt die Wirkung von Kortikoiden und Östrogenen (und umgekehrt). Da Ginseng auch die Glucose-Konzentration verändert, ist er für Diabetiker absolut tabu.

Johanniskraut: Verringert die Eisenaufnahme aus den Nahrungsmitteln oder aus Präparaten.

Kava-Kava: Verstärkt die Wirkung von Benzodiazepinen (Schlafmittel, angstlösende Medikamente). Folge: im Extremfall Koma.

Süßholzwurzel, Weißdorn und Wegerich: Erschweren das Einstellen auf die richtige Dosis von Digoxin (das ist ein Medikament gegen chronische Herzschwäche).

Seetang: Hormonbehandlung mit L-Thyroxin bei einer Unterfunktion der Schilddrüse wird durch ihn behindert.

Riskante Operationen
Ganz besonders gefährlich können die unerwünschten Effekte von Naturmitteln bei einem operativen Eingriff werden. Die US-Gesellschaft der Anästhesisten warnte auf ihrer letzten Jahrestagung darum vor insgesamt sieben pflanzlichen Wirkstoffen:

  • Fieberkraut, Ginkgo, Ginseng, Ingwer und Knoblauch verstärken die Blutungsneigung – besonders bei zusätzlicher Einnahme von Antikoagulanzien. Die Folge: gefährlich hoher Blutverlust während der Operation.
  • Johanniskraut und Kava-Kava können die Wirkungen von bestimmten Narkosemitteln verstärken und verlängern, was den Körper übermäßig belastet.

Die amerikanischen Experten empfehlen deswegen, zwei Wochen vor einem Operationstermin sämtliche pflanzlichen Arzneimittel oder Nahrungsergänzungen abzusetzen und außerdem vorsichtshalber den behandelnden Arzt zu informieren.

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