Kreuzweh: Neue Methoden gegen Rückenschmerzen

Die Wirbelsäule vergisst niemals

Die Wirbelsäule vergisst niemals. Mit diesen neuen Strategien stärken Sie ihr den Rücken

Sie haben es alle nur gut gemeint. Mutti, die ständig mahnte, aufrecht zu sitzen. Die Rückenschullehrer, die einem beibrachten, das Becken zu kippen und so die Wirbelsäule gerade zu halten. Wenn das auch nichts nützte, versprach schließlich der Chirurg Schmerzfreiheit, wenn man ihn das Skalpell schwingen ließe. Sie haben es alle gut gemeint, lagen aber falsch. Ob bisher beschwerdefrei oder vor Schmerzen gebeugt – lernen Sie die neuen Regeln kennen und retten Sie damit Ihren Rücken.

Nur 20 Prozent schmerzfrei
Nur jeder Fünfte gehört zu den Glücklichen, die Rückenschmerzen lediglich vom Hörensagen kennen. Diese Männer denken beim Wort Bandscheibe an schmerbäuchige Taxifahrer mit klackenden Holzkugel-Sitzmatten und toben selbst völlig beschwerdefrei durch die Welt. Meist sind sie auch noch schlank und durchtrainiert.

Kraft und Ausdauer
Und genau das ist die Erklärung: "Diese Menschen verfügen über ein ausgesprochen gutes Muskelkorsett", sagt Professor Peter Billigmann, Sportmediziner aus Polch bei Koblenz. Und damit das auch so bleibt, hilft nur viel Bewegung. "Aber nicht nur Krafttraining, wie bisher oft empfohlen wurde. Am besten ist ein ausgewogener Mix aus Ausdauer- und Muskeltraining", sagt der Experte, der viele Spitzensportler betreut.

Ausgewogenheit ist Trumpf
Als ideal, so die neuen Erkenntnisse der Sportwissenschaft, hat sich eine Kombination aus Kraft-, Koordinations- und Balance-Training herausgestellt. "Bei dieser im Hochleistungssport entwickelten Form des Muskelaufbau-Trainings werden nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Muskeln des Rückens trainiert, die sonst sträflichst vernachlässigt werden", sagt Andrea Röwekamp, leitende Sporttherapeutin an der Asklepios Burgsee-Klinik in Bad Salzungen. Wer regelmäßig trainiert, für den bleiben Rückenschmerzen bloß eine abstrakte Angelegenheit.

Eine falsche Drehung reicht
Die meisten Menschen haben es zumindest ab und zu im Kreuz. Sie kennen das Gefühl, wenn die Hexe in den Rücken schießt oder der Ischias bis in die Beine ausstrahlt. Mindestens die Hälfte aller Menschen wird regelmäßig von mehr oder weniger starken Schmerzen gequält, manchmal schon nach harmlosen Bewegungen. Eine falsche Drehung, und dann ist es passiert. Grund: Eine stetig wachsende Zahl von Menschen verbringt die meiste Zeit des Tages im Sitzen – das ist eine massive Last für das Kreuz und die Erklärung dafür, dass sich Rückenschmerzen auch unter Jüngeren stark ausbreiten.

Bewegt lümmeln
"Gerade sitzen", haben Ärzte und Physiotherapeuten jahrelang gepredigt. Aber heute weiß man es besser. Mit komplizierten Messungen haben Mainzer Wissenschaftler herausgefunden, dass das "idealisierte Sitzen" zu viel Kraft kostet und dem Rücken eher schadet als nutzt. "Sie sollten eine für Sie möglichst entspannte Sitzhaltung einnehmen", rät Billigmann. Nicht eine bestimmte Haltung ist besonders schädlich, sondern lange Bewegungslosigkeit. Die Bandscheiben zwischen den Wirbeln versorgen sich nämlich wie Schwämme mit Nährstoffen: durch den Wechsel von Zusammenpressen ("Ausdrücken") und Entspannung ("Aufquellen").


Die Industrie trägt dem mittlerweile Rechnung und produziert immer bessere Stühle. Da gibt es High-Tech-Sitze, die selbst bei den kleinsten Bewegungen in Schwingung geraten und so für durchsaftete Bandscheiben sorgen. Auch das 3 Stehpult erlebt eine Renaissance. „Die Sitzposition möglichst häufig wechseln und öfter mal aufstehen, etwa beim Telefonieren“, rät Andrea Röwekamp. "Zeitungen und Akten kann man auch im Stehen lesen."

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