Survival-Tipps für neue Jobs

Andere Firma – andere Fettnäpfchen. Wer nicht aufpasst, läuft im neuen Job schnell ins offene Messer. Die Survival-Tipps.

Sie kriegen den Job. Sehr gut! Damit haben Sie aber nur die erste Hürde genommen. Die nächste, nicht weniger hohe erwartet Sie, wenn Sie die neue Stellung antreten. Sie wissen: So, wie Sie starten, liegen Sie später im Rennen. Legen Sie einen fulminanten Neustart hin!

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr – Einsteiger müssen ihre Kompetenz unter die Leute bringen. Die berufliche Vergangenheit ist da keineswegs tabu. „Lassen Sie von Ihrer Kompetenz und Ihren Erfahrungen hören, aber protzen Sie nicht“, sagt Dr. Gudrun Fey, Kommunikationstrainerin und Geschäftsführerin von study & train in Stuttgart. Ein Beispiel: „Ich war zuständig für …“ statt „Ich war der Beste im …“. Denn nichts ist überflüssiger als der Ruf, ein Angeber zu sein.

Für Ihr Ausscheiden aus der alten Firma sollten Sie ruhig die Gründe angeben, denn danach wird mit Sicherheit gefragt. Vielleicht hat die Chemie nicht gestimmt. Lassen Sie sich nicht zu Lästereien über den alten Arbeitgeber hinreißen – man trifft sich nämlich (fast) immer zweimal.

Interne Strukturen
Sie leben sich am schnellsten ein, wenn Sie möglichst rasch die internen Strukturen erkennen: Beobachten Sie, wer mit wem zum Essen oder abends weg geht. Wer duzt sich? Gibt es Pärchen? „Halten Sie sich bei der Pflege informeller Beziehungen erst mal zurück“, sagt Gudrun Fey.

Mit folgenden Kollegen-Typen müssen Sie rechnen: Von den Miesepetern erfahren Sie die Missstände jeder Art, sie sind aber darauf aus, Sie zu vereinnahmen. Hören Sie zu, bilden Sie sich aber ein eigenes Urteil. Vorsicht ist bei den Bremsern angezeigt. Sie schieben Dienst nach Vorschrift und betrachten einen engagierten Einsteiger als Unruhestifter. Dann gibt’s noch jene Kollegen, die ihre Messer wetzen, weil sie auf Ihren Job scharf sind. Und Klatschtanten erzählen viel, wollen aber auch viel wissen. Sie sind als Info-Quelle gut geeignet.

In puncto Arbeitszeiten, Pausenregelung und Überstunden sollten Sie sich der Firmenkultur anpassen. Die Grenzen sollten Sie aber mit Ihrem Chef vorher klären: „Ich bin gern bereit, auch mal länger zu bleiben, nur donnerstags möchte ich pünktlich gehen, da habe ich immer einen privaten Termin.“ Apropos Chef: Sorgen Sie für Respekt, indem Sie um ein Gespräch bitten. Sprechen Sie über die Vorstellungen von Ihrer Tätigkeit. Fragen Sie ihn vor allem, was er von Ihnen erwartet.

Der Umgangston
Sie oder Du, das ist die Frage. In einigen Berufen sind alle Mitarbeiter eine große Familie, da ist das distanzierende Sie fehl am Platz. Ansonsten warten Sie ab, bis Ihnen das Du angeboten wird. In der Benimm-Lehre gewährt dies immer noch der Meister dem Lehrling, auf gleicher Ebene die Frau dem Mann, der Ältere dem Jüngeren.

Ein Duz-Angebot darf durchaus auch abgelehnt werden. „Achten Sie jedoch darauf, andere damit nicht zu verletzen“, sagt Elisabeth Bonneau aus Baden-Baden, Expertin in Knigge-Fragen. Vertrösten Sie ihn höflich: „Ich möchte erst einmal beim Sie bleiben, da ich mich damit wohler fühle.“ Wenn Ihnen ein Du einfach so rausrutscht, bitten Sie Ihr Gegenüber um Verzeihung. Das ist wesentlich professioneller als darauf zu bauen, dass es künftig beim Du bleiben könnte.

Die Kunst des Entschuldigens zu beherrschen, ist generell von Vorteil. Wer einen Bock geschossen hat, sollte es nie mit einem genuschelten „Sorry“ bewenden lassen. Signalisieren Sie stets Aufgeschlossenheit und rechnen Sie mit Kritik. Sagen Sie dann nur: „Vielen Dank für Ihren Hinweis.“ Neulinge genießen eine Schonfrist von 100 Tagen.

Chef-Allüren
Wenn Sie eine Führungsposition erreicht haben, denken Sie daran: Sie sind immer nur so erfolgreich wie Ihr Team. Chef-Allüren sind keineswegs Privileg, sondern ein Zeichen von Schwäche. Sie brauchen motivierte Mitarbeiter, keine Untertanen.

Gudrun Fey empfiehlt: „Klären Sie durch ein Drei-Minuten-Statement in einer der ersten Konferenzen, was Sie unter Führung und Zusammenarbeit verstehen.“ Damit legen Sie von Anfang an die Karten auf den Tisch, wozu Sie bereit sind und was Sie von Ihrem Team erwarten.

Laden Sie jeden einzelnen Ihrer Mitarbeiter innerhalb der ersten Wochen nach Ihrem Amtsantritt zu einem etwa20-minütigen Gespräch unter vier Augen ein. So erkennen Sie Qualifikationen, Vorlieben und Netzwerke. Machen Sie sich anschließend gleich ein paar Notizen, auch über Privates wie Kinder und Hobbys.

Wie läuft’s denn?
Gegen Ende Ihrer Probezeit werden die Weichen für Ihre Zukunft gestellt. Warten Sie nicht, bis sich Ihr Boss eine abschließende Meinung über Sie gebildet hat und Ihnen seine Entscheidung mitteilt, sondern bitten Sie ihn selbst um ein Feedback-Gespräch.

Erkundigen Sie sich konkret nach Ihren Perspektiven in der Firma. Eine Gehaltserhöhung sprechen Sie nur dann an, wenn das im Vorstellungsgespräch so vereinbart war.

Wenn’s mies läuft
Der Job sieht ganz anders aus als erwartet? Die meisten Ihrer Erwartungen wurden nicht erfüllt? Wenn Sie auch nach Wochen das bohrende Gefühl der Unzufriedenheit nicht los werden, sollten Sie keine Zeit verlieren. Bevor Sie kündigen, führen Sie jedoch ein offenes Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Vielleicht lässt sich ja noch was retten.

Denn nicht selten gibt es Alternativen innerhalb des Unternehmens, die beide Seiten noch nicht erwogen haben. Wenn sich jedoch keine Lösung abzeichnet, gehen Sie mutig wieder auf Jobsuche. Das wird jeder neue Arbeitgeber verstehen.

Sponsored SectionAnzeige