Tour de Bett: Neun Stationen der Lust

Das Leben eines Mannes ist eine lange Reise durch die Betten. Wir führen Sie zu den neun Stationen der Lust

1. Station: Zimmer mit Mehrblick

Mein erstes Mal, also das erste Mal, dass ich mit Sex in Berührung kam oder zumindest das Gefühl hatte, das könnte etwas für mich sein, war mit 10.

Mein Leben war noch ein Fest der Unschuld, verbotene Früchte waren einfach nur Obst, und ich hasste Obst. Aber da war dieses Mädchen, Domenica, die Cousine eines Klassenkameraden, dessen Familie aus Italien kam. Ich war heimlich verliebt in sie, mehr wie ein Junge ein teures Spielzeug liebt, und doch war da mehr. Sie war erst 14, aber für mich eine Frau. Sie hatte schon deutlich erkennbare Brüste und langes, glattes, schwarzes Haar, das sie zum Zopf geflochten trug. Ihre Augenbrauen waren dicht und schwarz, und sie konnte eine davon hochziehen und einen anschauen, dass es im Bauch kribbelte. Ihr Mund war groß und laut, und sie lachte viel. Sie machte sich in einem fort über uns Jungs lustig, konnte jedoch nicht davon lassen, mit uns zu spielen. Als wir einmal alle miteinander am Boden lagen und rauften, hob ihr Cousin, mein Klassenkamerad, ihren Rock hoch und klatschte mit der Hand auf ihren Hintern, der in einer wollenen Strumpfhose steckte. Nichts Aufregendes war da zu sehen, der Moment verging schneller als ein Luftzug. Aber als Domenica die Hand am Hintern spürte, drehte sie sich zu uns um, zog eine Augenbraue hoch und machte mit nur einem Blick klar, dass dies eine No-go-Area war, dass hier die Unschuld und die Kindheit endeten. Mit ihrem erschrockenen, wütenden, aber irgendwie auch mütterlich herablassenden Blick zeigte sie, dass ihr Vetter in einen Bereich vorgestoßen war, in dem er nichts zu suchen hatte. Sie wusste, dass es da etwas anderes gab, was Mädchen und Jungs miteinander tun konnten. Sie wusste wohl auch sehr genau, was es war – aber sie war nicht bereit, dieses Geheimnis mit uns Jungen zu teilen. Domenica sprang auf und jagte ihren Cousin im alten Spiel quer durch den Garten. Aber für mich war nichts mehr wie zuvor – ihr Blick hatte eine Tür geöffnet.
Jetzt wusste ich: Sex beginnt immer mit Blicken.

2. Station: On the road again

Meinen ersten Kuss bekam ich mit 15, und zwar auf der Treppe vor einem Hauseingang. Es war schon Nacht

Wir saßen dort nebeneinander, ich war verliebt, Jana nicht, und sie fragte: „Du hast noch nie geküsst?“ Dann zeigte sie mir, wie es ging. Das war nett von ihr. Es war weich und feucht und schmeckte wie der ewige Anfang von etwas sehr Gutem. Als wir mal für einen kurzen Moment voneinander abließen, konnte ich in ihren Augen diesen seltsamen Glanz sehen. Auch wenn sie nicht verliebt war, konnte sie doch nicht leugnen, dass es ihr gefiel, das mit mir da draußen im Dunkeln auf der Treppe. Busse rauschten vorbei, die Nacht wurde kühler, und wir beide machten weiter, bis es wehtat.
Jetzt wusste ich: Gute Küsse sind besser als Sex.

3. Station: Wochenendtrip

Ein halbes Jahr später sah ich zum ersten Mal ein Mädchen nackt. Also, zum ersten Mal so lange, dass die Zeit ausreichte, sie genau zu betrachten.

Länger als durch den Türspalt einer Umkleidekabine. Ich durfte sie anfassen. Sie ging mit mir auf die Schule, aber in eine andere Klasse, zwei Jahrgänge unter mir. Sie war klein, üppig und frech, und ihr geschwungener Mund ließ mich an Dinge denken, die ich noch gar nicht kannte. Deswegen glichen meine Gedanken eher weißen Flecken im Kopf, aber die sorgten für eine Menge Aufregung, und nichts war mir wichtiger, als diese weißen Stellen in meinem Kopf-Malbuch mit Farbe zu füllen. Sie hieß Melanie und war sehr neugierig. Wochenlang war außer Knutschen in dunklen Schulhofecken und dem Befühlen ihrer prallen, festen Brüste unterm Pullover nichts drin. Aber immer machte sie mich mit verheißenden Blicken darauf aufmerksam, dass sie gerne mehr hätte. Schließlich verreisten ihre Eltern über das Wochenende, und wir konnten uns bei ihr treffen. Sie zeigte mir das Haus. Das Wohnzimmer, den Garten, ihr Zimmer, ihr Bett, ihren blitzenden nackten Körper. Plötzlich stand sie vor mir, ihre Kleider in der Hand und sagte: „Jetzt du.“ Als ich meine Klamotten hastig von mir gerupft hatte, standen wir uns gegenüber, tasteten uns mit den Augen ab. Es war eher eine Untersuchung, eine Prüfung. Wir begannen uns mit Blicken zu fixieren – an Stellen, von denen Kinder ihre Augen leise kichernd abwenden. Wir bewegten uns aufeinander zu, fielen uns in die Arme, und ich weiß noch, dass ich es faszinierend fand, überall an meinem Körper Haut zu spüren, die nicht meine eigene war. Wir schliefen nicht miteinander, das fiel uns gar nicht ein.
Jetzt wusste ich: Petting wird unterschätzt.

4. Station: Fremde Länder, fremde ...

Der Urlaub mit den Pfadfindern im Zeltlager in Frankreich brachte den ersten Vollrausch mit sich, einen Badeunfall und den ersten Sex. Ihren Namen kann ich nicht nennen, denn sie war eine der Betreuerinnen, und sie hat mich damals darauf eingeschworen, niemandem etwas zu verraten.

Ich war 17, sie 21 und Halbfranzösin. Sie hatte dunkle Haut und einen strubbeligen schwarzen Haarschopf. Ihre Brüste waren klein, ihr Hinterteil drall und fest. Sie versorgte die Schrammen, die ich mir zugezogen hatte, als der Atlantik mich durch ein paar Muschelkolonien gewirbelt hatte. Während sie die Wunden abtupfte, sah sie immer wieder grinsend zu mir hoch. Und als meine Beine von der Jodtinktur glänzten, sagte sie zu mir: „Bleib noch einen Moment so liegen.“ Dann schloss sie die Vorhänge des VW-Busses, mit dem die Betreuer immer zum Strand fuhren. Ich stützte mich mit den Ellenbogen auf dem Boden ab. Sie legte mir die Finger an die Lippen und stieß ein leises „Scht!“ zwischen den Zähnen hervor. Dann zog sie sich ihr kleines Trägerkleidchen über den Kopf, stieg aus ihrem Bikini-Höschen und setzte sich nackt auf meinen Bauch. Sie drückte meinen Kopf an ihre kleinen Brüste und flüsterte: „Beiß mich!“ Sie rieb sich an mir, griff mir beherzt in den Schritt, wusste genau, was sie tat. Meine Badehose landete auf dem Boden, und sie sank auf mich wie ein zu enger, feuchter Handschuh. Sie tackerte mich mit ihrem runden Hintern fest, und um mir den Rest zu geben, stellte sie die Füße auf, so dass sie über mir hockte. Sie hielt mir mit der Hand den Mund zu und verkniff sich ihre eigenen Schreie. Hinterher hatte ich ein paar Kratzer mehr am Körper und im Gesicht ein dümmliches Grinsen, das für den Rest der Ferien gar nicht verschwinden wollte.
Jetzt wusste ich: Das erste Mal tut nicht weh. »

5. Station: Unerträgliches Fernweh

Natürlich sah ich mit 18 noch unschuldig aus. Natürlich trübte ich kein Wässerchen, aber ich hatte es doch faustdick hinter den Ohren.

Und natürlich ging ich wenige Wochen nach meinem 18. Geburtstag in der Videothek in den Bereich hinter dem schwarzen Vorhang und lieh mir einen Porno aus. Die Kassette aus der Hülle zu friemeln und mit zittrigen Fingern in den Recorder zu schieben war mindestens so aufregend, wie meinen ersten BH zu öffnen (aber nicht annähernd so kompliziert). VHS hieß in diesem Fall nicht Volkshochschule, und doch lernte ich viel. Der Film und einige weitere, die folgten, zeigten mir zwei Dinge: was alles mit menschlichen, insbesondere weiblichen Körpern machbar ist, ohne sich zu verletzen – und was alles geht, ohne dafür in den Knast zu müssen.

6. Station: Gebucht ist gebucht

Als Nächstes lernte ich den Unterschied zwischen ficken und Liebe machen. In einer festen Beziehung läuft Sex anders

Die erste feste Freundin, mit der ich schlief, ließ uns beide elf Monate darauf warten. Sie hieß Karina, und es war ihr erstes Mal. Als es schließlich so weit war, mit Kerzenlicht und Babydoll, hatten das monatelange Warten und das tagelange Entgegenfiebern meinen Hoseninhalt zu Pudding werden lassen. Es ging gar nichts, ich fühlte mich alt, wollte sterben vor Scham. Aber sie hatte dieses ganze Theater nicht inszeniert, um sich mit so einer Pleite abzufinden. Also tat sie, was ich aus Filmen kannte und sie vom Hörensagen, und siehe da, es ward. Es wurde sogar etwas zu sehr. Hinterher fluchte sie, spuckte, spülte sich den Mund aus. Aber sie ließ sich dazu überreden, es noch einmal zu tun, zumindest so lange, bis ich wieder in Form war. Gegen Mitternacht hatten wir es dann vollbracht. Es war für uns beide ein einschneidendes Erlebnis, vor allem aber war es harte Arbeit.

7. Station: Erfahrene Reiseleitung

Domenica war in meinem Leben die erste Frau gewesen – und sie war älter als ich. Das konnte nicht falsch gewesen sein

So stürzte ich mich selbstbewusst in die Sache mit Tina. Sie war 23, ich 21, und die zwei Jahre schienen mir wie Welten. Tina trug ihre Haare lang und wellig, sie fielen ihr bis auf den Po. Ihr Körper war stabil und kompakt, sie konnte im Handstand laufen und Spagat aus dem Sprung. » Tina zeigte mir alles, was es über den weiblichen Körper zu wissen gab – besonders die berühmten Knöpfe, die es zu drücken galt. Bei unserem Sex dauerte es verdammt lange, bis endlich irgendwas irgendwo reingesteckt wurde. Ich lernte meine Lippen, die Zunge und die Finger hinzusetzen, und Tina sagte, dass ich ein gelehriger Schüler sei. Bei dem Aufwand, den wir betrieben, wunderte es mich nicht, dass sie fortwährend kam. Und doch war’s ein Wunder. Ein heiliger Moment. Ich sah und hörte nächtelang nichts anderes. Wir konnten nicht genug davon bekommen.
Jetzt wusste ich: Wer sich nicht auskennt, sollte sich helfen lassen.

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8. Station: Weit über die Grenze

Soll ich es als Glück bezeichnen? Schicksal? Ich gehöre zu den auserwählten Menschen, die eine Frau wie Lisa lieben durften

Lisa war, bis auf ihre großen Augen und ihre üppigen Brüste, äußerlich Durchschnitt: durchschnittlich groß, durchschnittlich schlank und straßenköterblond. Aber Lisa war gefährlich. In ihren Augen brannten kleine Fackeln, und sie liebte Spielchen. Manches Mal, wenn wir es trieben, war es das „Schlag mich!“-Spielchen, ein anderes Mal das Spiel mit heißem Wachs. Lisa machte mir das Geschenk, dabei zusehen zu dürfen, wie Frauen sich küssten und sich in der 69 vergnügten. Aber sie gab mir auch das Gefühl, bloß ein Werkzeug zu sein, wenn sie in ihrem Schlafzimmer einen anderen Mann versteckte, der uns zusah. In dem Moment, als ich mich zwischen ihren Beinen aufrichtete und diesen grienenden Lockenproll hinter dem Sessel erblickte, war alle Schönheit im Nu gestorben, alle Geilheit von einer Sekunde auf die andere verflogen. Da war einfach alles vorbei. Ich grabschte meine Sachen und rannte hinaus. Als ich an der Tür war, lachte sie laut und rief: „So ein Spielverderber!“ Dann ließ sie sich wohl von dem anderen vermöbeln. Aber was soll’s, ich hatte Kopffilme mit ihr in diversen Rollen. Das Kino ist bis an mein Lebensende geöffnet.
Jetzt wusste ich: Tut’s weh, sollte man aufhören.

9. Station: Eine Art Heimkehr

Wenn ein Mann stirbt, sieht er sein Leben wie einen Film an seinem geistigen Auge vorüberziehen. Wenn ein Mann seine Traumfrau trifft, sieht er in ihr eine wie keine – aber er sieht auch alle anderen Frauen in ihr, die er je begehrt hat

Svenja hatte die Haare von Tina, den Körper von meinem Zeltlager-Abenteuer, die Unschuld von Karina, den Experimentierwillen von Lisa und die Augen von Domenica. Umgekehrt ergab für mich jetzt alles, was ich mit Frauen erlebt hatte, Sinn. Es war nun Zeit, das Gelernte umzusetzen. Und doch war das Lernen nicht vorbei. Svenja war die Erste, die sich freudestrahlend vor mich hinkniete und mit dem Mund das auffing, was Karina noch ausgespuckt hatte. Sie war die Erste, die mich mit geilem Lächeln aufforderte, ihn auch mal „da rein“ zu schieben, und dabei höchste Lust empfand. Sie war die Königin, ich ihr Diener, und umgekehrt diente sie mir. Gemeinsam setzten wir Maßstäbe, die bis heute gelten. Ich will nichts beschreien, aber Svenja scheint das Ziel meiner Reise gewesen zu sein.
Jetzt wissen Sie: Wenn es Ihnen irgendwo gefällt, dann bleiben Sie dort.

 
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