Und wie motivieren Sie sich?

Was macht ein Boxer, wenn er keine Lust zum Training hat? Ein Fluglotse, wenn er mal durchhängt? Neun persönliche Motivationsstrategien.

Sven Ottke, 35, IBF-Weltmeister im Supermittelgewicht, lebt in Karlsruhe.

Das Problem: Ottke muss monatelang auf einen großen (Kampf-)Tag hintrainieren.

Die Strategie: "Bei mir ist die Voraussetzung optimal - ich habe ja mein Hobby zum Beruf gemacht. Trotzdem merke ich manchmal beim Aufwachen: Das wird heute nichts. Körperlich ist alles okay, aber über Monate auf einen Tag hin zu trainieren, ist mentale Schwerstarbeit. Von diesem ganzen Chakka-du-schaffst-es-Kram halte ich gar nichts, ich brauche auch keinen Anranzer vom Trainer. Ich möchte eine Auszeit, um wieder das Ziel vor Augen zu fixieren. Ich denke dann daran, wie lange und wie hart ich für meinen Traumberuf gekämpft habe, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das hilft mir."

Der Tipp für Sie: Nehmen Sie sich auch mal eine Auszeit. Besinnen Sie sich auf Ihr Ziel.

Der Professor

Norbert Aust, 59, ist Jura-Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg.

Das Problem: Aust ist vielseitig engagiert. Und als Hochschul-Professor muss er oft vor kritischen Studenten lehren.

Die Strategie: "Ich tanze auf vielen Hochzeiten, bin Vater von sechs Kindern im Alter von zwei bis 17 Jahren, Professor, Inhaber von Schmidt’s Tivoli und See Live Tivoli in Hamburg. Bei dem Programm bleibt für Durchhänger keine Zeit. Weder meine Kinder noch die Studenten oder die Kunden würden mir so was nachsehen.
Wenn mein Akku trotzdem mal leer ist, helfen mir zwei Methoden, um neue Kraft zu tanken:
1. Ich kann von jetzt auf gleich einschlafen – nach genau zehn Minuten wache ich auf und bin schon ein ganzes Stückchen entspannter.
2. Ich strukturiere meinen Tag so genau wie möglich, damit ich nicht ins Tief fallen kann. Das straffe Zeitmanagement hilft mir sehr – es ist vergleichbar mit einem Stützkorsett. Trotzdem sind mir die kleinen Fluchten unheimlich wichtig, auch wenn sie nur gedanklich in meinem Kopf stattfinden."

Der Tipp für Sie: Straffen Sie Ihren Zeitplan. Verreisen Sie ab und zu in Ihrem Kopf.

Die Call-Center-Agentin

Stefanie Bartels, 34, arbeitet am Telefon für den Otto-Versand in Hamburg.

Das Problem: Sie ist ständig einem hohen Lärmpegel ausgesetzt, muss am Telefon stets höflich sein.

Die Strategie: "Am Tag nehme ich bis zu 100 Anrufe entgegen, und gelegentlich sind auch Reklamationen dabei. Mir vergeht trotzdem nur selten der Spaß an der Arbeit, weil ich innerlich sehr ausgeglichen bin. Diese Zufriedenheit beschützt mich vor allzu tiefen Motivationslöchern.
Hinzu kommt, dass bei uns ein tolles Klima herrscht und meine beste Freundin mit mir zusammenarbeitet. Läuft tatsächlich mal was schief, ist sie die erste Anlaufstelle. Sobald ich mit ihr gesprochen habe, geht es mir besser."

Der Tipp für Sie: Gehen Sie positiv an Ihre Arbeit heran. Führen Sie Problemgespräche. Sorgen Sie für ein gutes Klima.

Der Fluglotse

Alexander Singer, 25, ist Fluglotse (www.fluglotse.com) und sitzt in Berlin im Tower.

Das Problem: Singer trägt bei seiner Arbeit auf dem Flughafen Verantwortung für viele hundert Menschenleben.

Die Strategie: "Mein Tag beginnt morgens um sechs Uhr. Wenn ich am Abend vorher merke, dass mir die Motivation fehlt, stehe ich jedoch schon um vier Uhr auf. Klar, eine Höllenzeit, doch ich brauche die Muße, um alles entspannt machen zu können. Erst lege ich mich in die Badewanne, dann frühstücke ich ausgiebig.
Wenn mich ein Tief bei der Arbeit erwischt, kann ich mich jederzeit ablösen lassen und entweder an die frische Luft oder in den Sportraum gehen, den wir in der Firma haben. Liegt der Grund für meine schlechte Stimmung im privaten Bereich, greife ich auf ein anderes Ritual zurück: Ich steige in mein Auto, drehe meine Lieblingsmusik laut auf und lasse das, was mich bedrückt, buchstäblich hinter mir."

Der Tipp für Sie: Schaffen Sie sich Ruhepunkte. Verausgaben Sie sich beim Sport.

Der Arzt

Frank-Matthias Schaart, 47, Hautarzt, Allergologe und Autor, lebt in Hamburg.

Das Problem: Schaart kann sich als operierender Arzt keinerlei Durchhänger erlauben.

Die Strategie: "Bei auswärtigen Terminen wie Vorträgen ist mir eine optimale Vorbereitung sehr wichtig. Zur Ablenkung springe ich direkt vorher gerne in den Hotelpool. Oder lasse im Zug einfach den Blick aus dem Fenster schweifen. Ich halte mir stets vor Augen: Ich bin ich, und Schwächen sind keine Niederlagen. Wenn ich mal was nicht weiß, dann ist es eben so. Ich bin kein Roboter. Mit dieser Einstellung gehe ich relaxter an Herausforderungen ran, ich arbeite effektiver und mache seltener Fehler."

Der Tipp für Sie: Lenken Sie sich gezielt ab. Und suchen Sie aktiv nach mehr Gelassenheit.

Der Rechtsanwalt

Kai Bruno Westen, 38, Rechtsanwalt, Strafverteidiger, lebt und arbeitet in Berlin.

Das Problem: Macht er als Strafverteidiger schlechte Arbeit, kriegen seine Mandanten längere Knastzeiten.

Die Strategie: "Bei meinen Mandanten steht oft viel auf dem Spiel. Da kann ich nicht halbherzig an einen Fall rangehen. Trotzdem möchte ich manchmal zu Hause bleiben und lieber etwas mit meiner kleinen Familie unternehmen. Dann hilft mir der Tunnelblick: Ich konzentriere mich nur auf das Verteidigungsziel und mögliche Probleme. Plötzlich sehe ich nur noch meine Aufgabe. Ablenkende Gefühle kann ich dann ausblenden und bin so wieder voll motiviert."

Der Tipp für Sie: Konzentrieren Sie sich allein auf die Aufgabe, die vor Ihnen liegt. Versuchen Sie es mit Meditation.

Der Bombenentschärfer

Thomas Lange, 52, ist Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Dresden.

Das Problem: Ein Fehler kann Lange das Leben kosten.

Die Strategie: "Ich bin ein furchtbarer Morgenmuffel – ohne starken Kaffee geht bei mir gar nichts. Habe ich dann auch noch Kopfschmerzen, ist der Tag für mich gelaufen. Will es der Zufall so, dass genau an einem solchen Tag eine Bombe gefunden wird, versuche ich, die Entschärfung auf den nächsten Tag zu verschieben.
Wenn das nicht geht, bin ich froh über den automatischen Prozess, der dann in Gang gesetzt wird: Fundort absperren, eventuell Menschen evakuieren, meine Ausrüstung checken. Jahrelang einstudierte Prozesse laufen dann ab, lassen mir keine Sekunde, um über meine Stimmung nachzudenken. Schließlich steht viel auf dem Spiel – mein Leben!"

Der Tipp für Sie: Verschieben Sie hier und da ruhig einen Termin. Lassen Sie sich im Job von Automatismen ablenken.

Der Motivationstrainer

Joachim Bullermann, 59, Motivations- und Verkaufstrainer, lebt in Konstanz.

Das Problem: Ist er selbst nicht motiviert, wirkt er auch als Trainer nicht glaubhaft.

Die Strategie: "Gelegentliche Tiefs sind normal. Man muss allerdings wissen, wie man sie bekämpft. Darum lautet mein Lebensmotto: Ändere deine Einstellung oder deine Anstellung. Jeder sollte wissen, dass es respektlos ist, andere Leute mit mieser Laune zu nerven.
Ist bei mir tatsächlich mal die Luft raus, benutze ich die Natur als Kraftquelle. Beim Spaziergang im Wald frage ich mich: Wärst du lieber Taxifahrer in Portugal? Nein! Dann werde ich richtig demütig und denke: Mann, hab ich es gut."

Der Tipp für Sie: Stellen Sie Ihre Situation in Frage. Sehen Sie Ihren Beruf als Berufung.

Der Pressesprecher

Frank Ebisch, 41, ist Pressesprecher für Kienbaum Consulting in Gummersbach.

Das Problem: Ebisch muss das Unternehmen nach innen und außen repräsentieren – selbstverständlich stets positiv.

Die Strategie: "Jeder, der im Job ständig Leistung bringt, hat auch mal einen schlechten Tag. Mir hilft das Prinzip der Selbstbelohnung. Habe ich ein Tief, sage ich mir: Beende die Arbeit gut und bestell dir dann deine Lieblings-CD. Denn ich bin leidenschaftlicher Sammler von alten Jazz-Aufnahmen."

Der Tipp für Sie: Belohnen Sie sich gelegentlich selbst.

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