Zukunftstrend: Next Revolution – das Internet der Dinge

Das Internet der Dinge kommt
Das Internet der Dinge will die reale mit der virtuellen Welt verbinden

Alle reden über das Internet der Dinge. Aber was genau ist das eigentlich? Wir klären die 7 wichtigsten Fragen zum neuesten Technik-Trend

1. Was ist das "Internet der Dinge" (engl. "Internet of Things", kurz: IoT)?
Stellen Sie sich vor, Ihr Kühlschrank weiß genau, welche Lebensmittel er gerade kühlt. Wird eines davon knapp, zum Beispiel Ihr geliebtes Bier, sorgt er eigenständig für Nachschub und gibt eine Bestellung im Internet auf. „Wenn sich Gegenstände miteinander verbinden, selbstständig agieren und übers Internet austauschen können, sprechen wir vom Internet der Dinge“, sagt Andreas Nettsträter, Europäischer Projektleiter fürs Internet der Dinge am Fraunhofer-Institut in Dortmund. Im Internet der Dinge werden Alltagsgegenstände plötzlich intelligent, kommunizieren untereinander und treffen eigene Entscheidungen.

2. Wie funktioniert es?
Damit Gegenstände intelligent werden und sich mitteilen können, brauchen sie erst einmal eine eigene Identität, die sie über einen besonderen Chip erhalten, der so klein wie ein Reiskorn sein kann und sich praktisch überall einbinden lässt. Zum Beispiel in Etiketten von Lebensmitteln und Paketen. Der Chip sammelt und speichert Informationen, die ausgelesen und von anderen Geräten weiterverarbeitet werden können. So könnte beispielsweise das Fleisch im Supermarkt Ihrem Smartphone verraten, von welchem Bauernhof das Tier stammt, wann es geschlachtet wurde und ob seitdem die Kühlkette eingehalten werden konnte. Nettsträtter: „Der Chip ist quasi der moderne Ersatz für den klassischen Barcode, nur mit viel mehr Möglichkeiten“.

3. Was wird es können?
„In Zukunft werden immer mehr Dinge mit solch einem Chip ausgestattet sein“, so der Experte, „und irgendwann könnte praktisch alles mit jedem vernetzt sein.“ Die Zahnbürste analysiert Ihr Putzverhalten und gibt die Information an Ihren Zahnarzt weiter, Autos warnen sich gegenseitig vor Gefahren wie etwa Glatteis oder im Geschäft erscheinen auf einem Bildschirm zusätzliche Informationen, je nachdem, welches Produkt Sie in die Hand nehmen. In Kombination mit Datenbrillen wie „Google Glass“ oder Microsofts „HoloLens“ könnte sich die virtuelle Welt auch vor Ihren Augen sichtbar machen und sich mit Ihnen austauschen.

4. Was kann es jetzt schon?
Noch ist das Internet der Dinge überwiegend Zukunftsmusik. In welche Richtung die Entwicklung in etwa geht, zeigen sogenannte „Smart Home“-Produkte, die Ihr Zuhause schon jetzt immer kommunikativer, intelligenter und oft per App steuerbar machen, zum Beispiel Lampen, Lautsprecher und Küchengeräte. „Im Bereich Logistik sind wir bereits ein kleines Stück weiter. Bei bestimmten Lieferdiensten wie etwa DPD können die Pakete in Echtzeit auf einer Stadtkarte verfolgt und ihr Liefertermin bis auf eine halbe Stunde genau bestimmt werden“, sagt Nettsträtter. „Theoretisch könnten sie dem Fahrer auch mitteilen, ob er in die richtige Richtung fährt.“

5. Wie wird es unser Leben beeinflussen?
Bislang gibt es keinen einheitlichen Standard für das Internet der Dinge. Noch entwickelt jeder Hersteller sein eigenes System, das meist nur die eigenen Produkte miteinander vernetzt. Sollte sich die Industrie eines Tages auf einen globalen Standard einigen, könnte das Internet der Dinge zu einem festen und wichtigen Bestandteil unseres Alltags werden. Es könnte uns automatisch mit Informationen füttern, wenn wir sie brauchen, zum Beispiel mit dem Fahrplan beim Gang in die U-Bahn, ohne dass wir auf dem Smartphone irgendeine App öffnen müssen. Es wird unsere Gewohnheiten und Vorlieben kennen und in der Lage sein, uns in vielen Anliegen unter die Arme zu greifen. Oder uns Entscheidungen abzunehmen, die wir höchstwahrscheinlich auch treffen würden.

6. Wie wird es unser Leben verbessern?
Das Internet der Dinge will die reale mit der virtuellen Welt verbinden und durch das Sammeln, den Austausch und das Verarbeiten von Informationen unser Leben noch einfacher, komfortabler, sicherer, gesünder und ökonomischer machen. Ein Beispiel: Sogenannte „Wearables“ wie etwa Fitnessbänder oder mit Sensoren ausgestattete Kleidung könnten im Verbund ein noch detailliertes Fitness- und Gesundheits-Profil erstellen, als wir es bislang gewohnt sind. So könnten Sportsocken zum Beispiel registrieren, wie genau Sie beim Laufen auftreten und an welchen Stellen die Belastung besonders groß ist, was wiederum Ihren Orthopäden bei der Behandlung oder Schuhverkäufer bei der Auswahl passender Schuhe interessieren dürfte.

7. Welche Gefahren birgt es?
Bei all den Möglichkeiten, die das Internet der Dinge verspricht, ist die Kehrseite nicht nur die Frage, ob wir überhaupt ständig analysiert und optimiert werden wollen. Vor allem Datensicherheit und Datenschutz gilt es zu beachten. Nettsträter: „Wir werden immer mehr zu gläsernen Menschen. Im Internet der Dinge droht der Verlust über die Kontrolle der eigenen Daten, da man nie so wirklich weiß, welche Informationen genau erfasst und weiterverarbeitet werden.“

Damit der vernetzte Kühlschrank Ihr geliebtes Bier auch rechtzeitig nachbestellt, muss er genau wissen, wann und wie oft Sie es trinken. Im Verbund mit anderen Geräten und Sensoren lässt sich so ein extrem genaues Nutzerprofil erstellen, das ein lohnendes Ziel für Hacker werden könnte, die auf das Sammeln von persönlichen Nutzerdaten aus sind. Und wenn immer mehr Dinge untereinander und mit dem Internet verbunden sind, ist es auch denkbar, dass etwa durch einen Virus plötzlich alle Haushaltsgeräte ihren Dienst verweigern oder jemand fremdes die Kontrolle übernimmt.

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