Woche 7: Nichtrauchen leichter als gedacht

Moppedfahren macht glücklich. Wenn alles passt und die zweirädrige Karre denn auch so fährt, wie man es möchte
Moppedfahren macht glücklich. Wenn alles passt und die zweirädrige Karre denn auch so fährt, wie man es möchte

Motorradfahren ist eine feine Sache. Am eigenen Gefährt zu schrauben auch - wenn man es denn beherrscht. Mit einem deftigen Mix aus Missgeschicken und Glücksgefühlen starte ich in die siebte rauchfreie Woche. Und entdecke die rauchfreie Seite des Motorradfahrens ganz neu

Tag 43

Leider habe ich momentan keine Zikarotten in der Redaktion, was mir den Alltag ein wenig beschwert. Ganz toll, nun bin ich nicht mehr von Zigaretten abhängig, sondern von Gemüse.

Mit-Volontärin Katharina will mich und die restliche Hamburger Truppe heute besuchen und wir wollen zusammen beim Italiener Andronaco essen gehen. Kathi steckt – wie sollte es anders kommen – im Stau vorm Elbtunnel fest und schafft für mich somit eine blöde Situation.

Eine Situation, in der ich gerne rauchen würde. So wie ich es früher eben auch getan hätte, wenn ich sinnfrei in der Gegend stehe und auf jemanden warten muss. Vor allem wenn man lange warten muss – wie heute – kann man einfach viele Zigaretten rauchen, um die nervige Zeit zu verkürzen. Dass mit dieser Zeitverkürzung nur die eigene Lebenszeit gemeint ist, ist wohl den wenigsten klar.

Tag 44

Der Tag startet gut: Bei einem Einkauf bei REWE vor Arbeitsantritt hole ich mir endlich mal einen vernünftigen Vorrat an Mineralwasser und nach langer Zeit der Entbehrung einen Sack meiner geliebten Bio-Möhren.

KNACK! Kaum sitze ich vor dem Bildschirm, um genau diese Zeilen zu tippen, rastet auch schon die erste Karotte sicher zwischen meinen Zähnen ein. Herrlich! Gesundes, zumindest laut Etikettierung unbelastetes Gemüse als Ersatz für meine sonstige Morgenzigarette.

Wo wird mich diese neue Pseudo-Abhängigkeit nur hinführen? Fakt ist nun mal leider, dass ich mich durch die karott-orale Befriedigung einfach besser fühle. Punkt.

Tag 45

Endlich ist Samstag und endlich kann ich mal in Ruhe an meinem Motorrad all die neuen Teile anbauen. Die warten schon länger darauf. Doch mit der Ruhe wird das leider nichts.

Ich bin gerade dabei die Gabel auszubauen als es mir schon das erste Motorradteil direkt unter den Händen zerreißt. Um die Gabel ausbauen zu können wurde mein Mopped nämlich mit Hilfe eines Flaschenzugs vorne angehoben. Nur leider hält die rechte Klemmung vom Lenkerstummel das nicht aus und reißt in der Mitte auseinander. Was für eine Scheiße!

Denn das Teil hat sicher kein Händler auf Lager – ganz davon abgesehen, dass es Samstag und bereits nach 12 Uhr ist. Ich starte einen Hilferuf im Internetforum der TRX-Fangemeinde und habe Riesenglück. Jemand aus Barmstedt ruft mich an und hat – welch ein Wunder – das passende Teil für mich.

Der Tag ist gerettet. Es wäre auch schwierig geworden in so einer blöden Situation auch noch mit Bus und Bahn nach Hause gondeln zu müssen. Und ich hatte weder Karotten noch Zigaretten dabei, um eventuellen Frust abzubauen.

Tag 46

Diesen Sonntag könnte ich eigentlich anfangen, einen weiteren Artikel zu schreiben. Ich könnte auch endlich mal wieder laufen gehen, meinen müden Körper bewegen.

Aber alles, was ich nach der stressigen Schrauberei von gestern will ist: Ruhe. Also liege ich den ganzen Tag nur so herum, hänge mich vor die Glotze. Regnen tut es auch noch gelegentlich. Motorradfahren geht also auch nicht.

Doch da! Die Sonne blitzt zwischen den Wolken durch, die Straße wird fast trocken. Rauf auf den Bock und Gas gegeben. Ich will doch wissen, was mein Fahrwerks-Tuning gebracht hat. Das Fahren ist nun eine Offenbarung: Die Vorderradgabel spricht endlich sensibel an und holpert nicht mehr über jeden noch so flachen Gully-Deckel hinweg. Den nun durch die schärferen Bremsen harten Bremsmanövern hält sie problemlos stand.

Wahnsinn, wie die Karre jetzt ankert, sobald man am Bremshebel zieht. Was so eine alte Supersportler-Bremse und Bremsleitungen aus Stahl so anrichten können. Bei solchen Fahrten vergesse ich total, dass ich mal Raucher war.

Normalerweise gehörte zu meinem Motorradfahren immer die Zigarette. Wenn nicht schon zwischendurch, dann spätestens am Motorradtreff am Hoopter Fähranleger auf der südlichen Elbseite habe ich mir eine angesteckt. Jetzt nicht mehr – rauchfrei durch Motorrad-Tuning.

Tag 47

Hui, schon wieder Montag und was für ein Stress. Wie ein Bekloppter telefoniere ich potenziellen Experten hinterher, auf dass mein Artikel rund und aussagekräftig werde.

Heute entdecke ich mal wieder die praktische Seite des Nichtrauchens. Konzentriert am Schreibtisch sitzen, auf eventuelle Rückrufe warten ohne Gefahr zu laufen, dass man einen verpasst. Karotten knabbern geht immerhin am Arbeitsplatz. Quarzen nicht.

Tag 48

In Hamburg kann es tatsächlich warm sein – das ist an sich nichts Besonderes. Dass wir hier allerdings Wetterlagen wie im Voralpenland haben, behagt mir nicht. Diese klebrig-schwüle Hitze passt mir als Norddeutschen nicht in den Kram. Schon gleich gar nicht, wenn das erlösende Gewitter – wie ich es aus dem Süden Deutschlands kenne – ausbleibt.

Für eines ist so ein Wetter auf jeden Fall gut: Es vermiest einem die letzte Lust auf’s Rauchen. Das war früher so (da hat es mich geärgert) und ist auch heute noch so (da freut es mich). Nichtrauchen durch schwüles Wetter! Schönen Dank an Petrus.

Tag 49

Das Wetter passt mir immer noch nicht. Ich fühle mich fertig, alle, kaputt. An sportliche Betätigung wie etwa Laufen ist erst gar nicht zu denken. Dann knabbere ich doch lieber noch ein paar Zikarotten. Denn zum Rauchen ist mir auch nicht zu Mute. Wobei – das ist doch eigentlich richtig gut.

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