Handy-Netiquette: Nie wieder SMS-Patzer

Nie wieder das falsche schreiben
In der Kürze liegt die Würze. Das gilt oftmals auch für SMS

Was Sie tun können, um künftig besser verstanden zu werden – und wie sich Ihr Schreibstil auf den Empfänger auswirkt

Die SMS: kurz, schnell und gerne auch mal missverstanden. Das liegt vor allem daran, dass sich Stimmungslagen und insbesondere Ironie, die wir normalerweise im direkten Gespräch durch Blick, Stimmlage und Mimik vermitteln, schriftlich nur schwer verdeutlichen lassen. Auch kann der gewählte Schreibstil in manchen Situationen unangebracht sein, wie etwa eine zu flapsige Art im normalerweise sehr förmlichen Berufsleben.

Was also tun, um SMS-Nachrichten stets angebracht und unmissverständlich zu schreiben? „Eine goldene Regel gibt es dafür nicht“, sagt Sprachexperte Jannis Androutsopoulos, Professor für Medienlinguistik an der Universität Hamburg, „dafür ist die perfekte SMS viel zu situationsabhängig. Umso wichtiger ist es, dem eigenen Schreibstil mehr Flexibilität und Raffinesse zu geben.“ Hier die wichtigsten Punkte:

  • Gegenüberanalyse: „Je mehr Sie über den Empfänger wissen, desto geringer die Chance für einen Tritt ins Fettnäpfchen“, so Androutsopoulos. "Es ist wichtig, dass Sie die Situation und das Beziehungsverhältnis richtig einschätzen können." Bei frischen Bekanntschaften sollten Sie deshalb besonders sensibel sein. Und keine Experimente! Wer sich unsicher ist, nähert sich dem Schreibstil des Empfängers an.
  • Emotionen, Spaß und Ironie: Brutstätte für die meisten Patzer. „Eine nicht verstandene ironische Bemerkung per SMS kann viel mehr Schaden anrichten als zehn Tippfehler“, sagt der Experte. „Sätze mit Augenzwinker-Charakter sollten Sie deshalb auch so kennzeichnen!“ Nutzen Sie dafür Emoticons wie Smileys. Und ja, das gilt auch für diejenigen, die normalerweise darauf verzichten. Sie müssen die putzigen Grimassen ja nicht gleich hinter jeden Satz klemmen! ;-)
  • Routinenachrichten: Die liebe Gute-Nacht-SMS oder die schnelle Nachricht in der Mittagspause: „Routinen stabilisieren und bestätigen Beziehungen. Ihr Ausbleiben kann zum Problem werden oder gar neue Probleme auslösen“, so Androutsopoulos.
  • Rechtschreibregeln: Oft fehlt für eine fehlerfreie SMS inklusive Groß- und Kleinschreibung die Zeit, im Job erweist sich die zusätzliche Mühe jedoch als gute Investition. Unterstützung gibt’s über die Korrektur-Funktionen des Handys (T9-Software). Vor dem Abschicken noch mal kurz drüberlesen, hilft auch. Androutsopoulos: „Bei kreativen Berufen kann jedoch auch die Kleinschreibung das richtige Format sein. Orientieren Sie sich am Umfeld. Das gilt auch für Ihren Freundeskreis!“
  • Längenmaß: Meistens dient die SMS nur zum schnellen Informationsaustausch. Kurz und bündig. „Erreicht Sie jedoch eine ausführlich formulierte SMS, könnte das auf ein ernstes Thema oder eine schwere Laune hinweisen“, so der Experte. Wer hier nur kurz antwortet, läuft Gefahr, den Aufwand und die Situation des Absenders nicht ausreichend zu honorieren.
  • Reaktionszeit: Willst du was gelten, mach dich selten. „Eine unmittelbare Antwort kann Interesse, Dringlichkeit, sofortige Zustimmung oder spontane Begeisterung signalisieren. Eine hinausgezögerte Antwort lässt den Adressaten hingegen zappeln, und darin zeigt sich am eindrucksvollsten, dass Zeit Macht ist“, sagt Androutsopoulos. Übertreiben Sie es aber nicht, denn Ihr Machtspiel kann auch ganz schnell nach hinten losgehen. So schnell wie eine SMS eben!

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