Woche 6: Ohne Rauchzeichen

Schokolade ist zwar lecker, bringt aber deutlich mehr Gold auf die Hüften als Obst. Wer unbedingt Ersatz braucht, beißt lieber in den hoffentlich nicht-sauren Apfel

Fünf Wochen sind's zwar schon, aber es gilt trotzdem am Ball zu bleiben. Glücklicherweise habe ich in der Redaktion genug zu tun. Und in meiner Freizeit auch: Schließlich soll mein Motorrad endlich umgebaut werden. Ich bin gespannt, wie's läuft

Tag 36

Heute Mittag mit Trizi, Philipp und Britta zu Andronaco gegangen. Eigentlich esse ich ja inzwischen immer den Salat mit Tunfisch und Schafskäse bei dem großen Italiener, aber heute hatte ich erstens mal wieder Lust auf Pizza und außerdem hat mich die Tagespizza überzeugt: Spargel, Pfefferlinge (stand wirklich so da) und Mozarella – mmh!

Danach habe ich einen vollen Magen, aber das Völlegefühl ist gar nicht mehr so schlimm wie früher. Vor allem jenem früher, als ich noch geraucht habe.

Trotzdem brauche ich irgendeinen Rauchersatz, Kaffee ist mir aber gerade zu warm. Also greife ich mir eine Möhre (die inzwischen aufgetaut sind, nachdem ich sie komischerweise gefroren heute morgen aus dem Kühlschrank geholt habe) und knabbere das orange Biest.

Und jetzt kommt der Gag: Die Möhre hat einen vergleichbaren Effekt auf mein Verdauungswohlbefinden wie früher eine Zigarette. Das haut mich echt um! Mein Tipp für heute: Kaut Möhren statt Kippen zu qualmen!

Tag 37

Was soll ich sagen: Endlich mal wieder Freitag! Die Freude auf’s Wochenende vertreibt die Lust auf die Zigarette (Zikarotten ziehe ich mir natürlich trotzdem rein). Vielleicht könnte man das als ganz neue Therapie zur Rauchentwöhnung anbieten: Weniger arbeiten, mehr Freizeit – so kommen Sie los von der Kippe!

Tatsächlich hält sich heute der Wunsch nach schädlichem Qualm in der Lunge in Grenzen. Das ist gut für die Arbeit, für meine Konzentration und natürlich gut für mich. Jeder Tag, der rauchfrei vergeht, ist ein Tag, an dem mein Körper die Chance hat, sich von der jahrelangen Abhängigkeit zu erholen.

Tag 38

Statt auszuschlafen mähe ich den Rasen. Onkel Theo geht gerade mit den Hunden spazieren als jäh mein Handy klingelt: „Wahrscheinlich regnet es gleich – fang schnell an mit Rasenmähen“.

Tolle Wurst. Beziehungsweise eben keine Wurst, denn Frühstück gibt es bis nach 13 Uhr erstmal nicht. Der befürchtete Regen äußert sich in kurzzeitig – so würde es der Hamburger formulieren – erhöhter Luftfeuchtigkeit. Das bedeutet 10 Minuten Nieselregen.

Erkenntnis vom heutigen Tag: Anstrengende Arbeit macht nicht unbedingt Spaß, unterstützt angehende Nichtraucher aber, indem der Rauchwunsch unterdrückt wird. So geht das zumindest bei mir. Einfach mal probieren. Statt Rasenmähen geht bestimmt auch Badezimmer-Putzen. Da bin ich mir sicher.

Tag 39

Was für ein geiler Tag! Ausschlafen. Frühstücken. Und einen guten alten Freund, den ich seit Ewigkeiten nicht gesehen habe, wiedertreffen. Gut: Quasi kein Rauchverlangen an diesem Tag.

Tag 40

Was soll man schon mit einer Woche anfangen, die mit einem Montag beginnt? Montage sollten aus gesundheitlichen Gründen verboten werden. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass viele Menschen an einem Montag mit dem Rauchen angefangen haben. Schließlich muss man ja die ganze Woche bis Freitag durchhalten. Manche sogar bis Samstag oder Sonntag.

Bevor ich den Gedanken so richtig weiterverfolgen kann und einen Anruf im Gesundheitsministerium tätige, um dort meine brillante Idee zu präsentieren, werde ich hochgradig abgelenkt: Mein neuer Auspuff für’s Motorrad ist da!

Wenn man seinem Motorrad nicht so eng verbunden ist, kann man die Freude über einen an sich nüchternen Gegenstand wie einen Schalldämpfer (in meinem Fall sogar zwei) nicht teilen. Schließlich dient der olle Pott am hinteren Ende des Motorrad ja dazu, die Abgase nicht allzu laut in die Gegend zu entlassen.

Falsch! Für mich sind das Lebensäußerungen. Und durch den verkehrten Auspuff werden sie nur in ihrer Qualität beschränkt. Aber das ganze nur am Rande.

Letztendlich zählt doch vor allem, dass mich die Beschäftigung mit den neu erworbenen Motorrad-Teilen zu 100 Prozent von unwichtigen Dingen wie dem Rauchen ablenkt.

Tag 41

Badamm badamm badamm – ja, mein neuer Auspuff ist montiert! Und er klingt richtig gut. Bollernder Motorrad-Auspuff hilft Ihnen mit dem Rauchen aufzuhören! So würde ich das in meinem Fall behaupten.

Am liebsten möchte ich den ganzen Tag diesen Auspuff hören. Und da man beim Fahren nun mal nicht rauchen kann, bleibe ich durch meinen Auspuff rauchfrei! Wo war denn noch mal die Nummer vom Gesundheitsministerium …

Tag 42

Zwei Tage in Stuttgart unter rauchenden und natürlich auch nichtrauchenden Kollegen verbracht. Ich beobachte mich dabei, wie ich – obwohl ich ja nicht mehr rauche – dennoch mit den Rauchern auf die Dachterrasse marschiere und mich zu ihnen stelle.

Der Rauch stört mich und stört mich auch nicht. Einerseits genieße ich es schon ein wenig, den altbekannten Duft (sollte es nicht Gestank heißen?) einzuatmen. Andererseits will ich ja genau das nicht mehr.

Doch jedes Mal wenn ich mit meinen Freunden und Kollegen in den alten Situationen zusammen bin, packt mich das kleine (im Allen Carr Nichtraucher-Coach so genannte) Nikotin-Monster und flüstert mir zu: „Rauch doch, rauch doch eine. Es wird Dir gut tun und Dich entspannen. Du willst doch dazugehören.“

Zum Glück finde ich meine seelische Fliegenklatsche und haue dem Nikotin-Monster eine runter. Schluss mit Quarzen – es geht auch ohne!

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