In Ruhe gesund werden: Psychoknacks im Kloster kurieren

0200 Krankenbett
Die Nonnen kümmerten sich rührend um ihn

Indische Ärzte behandeln psychisch Kranke ohne Medikamente. Sie schicken sie für einen Weile ins Kloster. Das habe ähnliche Wirkung wie Psychopharmaka, behaupten sie.

Teure Psychopharmaka können sich psychisch Kranke womöglich bald sparen: in Indien haben Wissenschafter eine günstige Methode getestet, um Schizophrene und manisch Depressive zu heilen. Diese wurden ohne Medikamente den Mönchen eines Hindu-Tempels anvertraut.

Professor R. Raguram vom National Institute of Mental Health in Bangalore untersuchte 23 Patienten mit paranoider Schizophrenie, sechs mit Wahnvorstellungen und zwei manisch Depressive, die sich vorher für einige Zeit in einem sogenannten "Heilenden Tempel" im südindischen Muthuswamy aufgehalten hatten. Die einzige Medizin, die die Patienten dort erhalten hatten, war das tägliche Leben der Mönche: Daran nahmen sie in vollem Umfang teil.

Billig und gut
Raguram fand in Tests heraus, dass die psychischen Probleme der Kranken durch den Tempelaufenthalt um fast 20 Prozent abgenommen hatten – ein Wert, der mit dem von medikamentösen Behandlungen vergleichbar ist, so der Wissenschaftler. Diese Praxis wird in armen Ländern häufig angewandt, weil sich die wenigsten Einwohner dort eine ausreichende ärztliche Behandlung leisten können.

Der Forscher führt das Ergebnis auf die ruhige, freundliche Atmosphäre zurück, die in solchen "Heilenden Tempeln" herrscht. Er weist darauf hin, dass alte, in der Kultur seit langem etablierte Rückzugsmöglichkeiten durchaus einen Wert für psychisch Kranke haben. Eine Einsicht, die in der westlichen Welt kaum für möglich gehalten wird.

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