Der Putzfimmel liegt in den Genen

Dass Zwangserkrankungen wie Putzfimmel oder Kratzzwang in den Genen liegen, wollen jetzt Forscher herausgefunden haben. Sie wissen aber nicht, warum die Krankheit ausbricht.

Gehören Sie zu den Menschen, die auf halbem Weg in den Urlaub noch mal umdrehen, weil sie glauben, der Herd sei noch an oder das Licht nicht ausgeschaltet? Was für manche nur eine Marotte ist, hat bei anderen schon die Ausmaße einer krankhaften Zwangshandlung.

Das läge alles in den Genen, behauptet jetzt der kanadische Psychologe James Kennedy: Er glaubt, mit seinen Kollegen von der Universität von Toronto ein Stück im Erbgut gefunden zu haben, dass bei solchen Handlungen defekt ist.

Ein bis drei Prozent der Bevölkerung werden einmal von einer sogenannten Zwangserkrankung befallen. Dazu zählen psychische Störungen, die Menschen zwingen, als Reaktion auf meist völlig irrationale Gedanken, ständig gewisse Rituale zu wiederholen. So waschen sich Menschen mit Waschzwang stundenlang, weil sie sich immer dreckig fühlen. Putzwahn, Kratzzwang oder krankhaftes Sammeln, die sogenannten Messies, gehören in die Kategorie solcher Zwangserkrankungen.

Botenstoffe spielen verrückt
Kennedys Untersuchungen deuten darauf hin, dass Zwangshandlungen mit einer Störung des Serotonin-Haushalts einher gehen, eines Neurotransmitters, der eine wichtige Rolle spielt bei der Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Der Psychologe glaubt, dass die Rezeptoren im Gehirn nicht richtig funktionieren, die für die Regulierung der Mengen von Serotonin zuständig sind.

Das Forschungsergebnis wird dadurch gestützt, dass diese Krankheit meistens innerhalb der Familie vererbt wird. Auch andere Wissenschaftler zweifeln nicht daran, dass die Veranlagung zu Zwangshandlungen in den Genen liegt. Wie sie aber ausgelöst werden und ob dabei Umwelteinflüsse eine Rolle spielen oder auch dafür nur die Gene verantwortlich sind, darüber streiten sich die Forscher noch.

Kennedy sieht in seiner Erkenntnis immerhin einen Ansatz für eine mögliche Früherkennung der Krankheit und eine entsprechend frühzeitig einsetzende Therapie.

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