Rennrad mit elektronischer Schaltung: Shimano Dura-Ace Di2 – E-volution fürs Rennrad

Shimano Dura-Ace Di2 – E-volution fürs Rennrad
Schneller geht's nicht: Das Red Bull mit Di2 wiegt nur 6,55 Kilo!

Mit der revolutionären Shimano Dura–Ace Di2 werden die Gänge beim Rennrad nun elektronisch gewechselt. Wir haben die neue Super-Schaltung an einem Carbon-Rennrad von Red Bull getestet

Testobjekt: Red Bull Carbon X-Lite Oro mit Shimano Dura-Ace Di2
Hersteller: Red Bull / Shimano
Website: www.rose.de
Website: www.shimano.de
Preis: Rennrad wie abgebildet (mit Di2): 6650 Euro, Dura-Ace-Di2-Komplettgruppe um 3500 Euro

Keine andere Technik-Neuerung entzweit Rennrad-Fahrer so sehr, wie die neue Elektro-Schaltung Dura-Ace Di2 von Shimano. "Die sorgt für Präzision und noch schnelleres Schaltvergnügen", behaupten die Befürworter. "Die macht Rennräder unnötig teuer, schwer und anfällig für Störungen", kontern die Gegner. Wer hat nun Recht? Die TESTCREW hat die Super-Schaltung ausprobiert.

Schaltung Di2
Die wichtigsten Teile der elektronischen Dura-Ace: Umwerfer, Akku, Bremsschaltgriff und Schaltwerk

Die Funktionsweise
Kabelzug war gestern: Bei der neuen Dura-Ace Di2 werden Schaltbefehle mittels Stromkabel weitergeleitet. Ein kleiner Akku, der mit einer dünnen Aluminiumschiene an den Flaschenhalterungsbolzen befestigt ist, liefert Strom für die kleinen Stellmotoren in Umwerfer und Schaltwerk. Die werden mittels Drucktasten an der Schaltbremsgriffen gesteuert – wie bei einer herkömmlichen Schaltung.

Die Vorteile
Die exakte Chipsteuerung der Schaltung richtet Umwerfer und Schaltwerk immer so aus, dass die Kette stets optimal läuft. Rasselnde Schaltung? Vergangenheit! Nachtrimmen des Umwerfers? Kommt nicht mehr vor! Fiese Kettenklemmer? Fehlanzeige! Noch nie war Schalten so leicht und schnell wie mit der Di2. Neben den technischen Vorteilen, überzeugt die Dura-Ace Di2 auch optisch. Stromkabel können im Gegensatz zu klassischen Bowdenzügen im Rahmen verlegt werden. Das sieht nicht nur sauber und schick aufgeräumt auf, sondern schützt die Stromkabel vor Beschädigungen.

Das Gewicht
Aktuell bietet Shimano sowohl die Dura-Ace als mechanische und als elektronische Schaltung an. Beide Gruppen sind sehr leicht, die Elektro-Version bringt nur 81 Gram mehr auf die Waage. Im Vergleich zu einer "alten" Dura-Ace ist die Di2 sogar 20 Gramm leichter!

Der Praxistest
Von der Schaltlogik ist die elektrische Schaltung mit ihrer mechanischen Schwester identisch. Jeder Bremsschalgriff hat zwei Tipptasten, die genauso gut und sicher zu bedienen sind. Selbst bei miesem Wetter – was diesen Sommer leider keine Ausnahme ist – funktioniert die Schaltung hervorragend. Alle Kabelenden sind mit wasserdichten Steckern versehen. Wie gut eine Schaltung funktioniert (und eingestellt ist), lässt sich am ruck, zuck am vorderen Umwerfer kontrollieren. Selbst im harten Wiegetritt bergauf, quasi die schlimmste Belastung für den Umwerfer, schaltet die Di2 butterweich und schnell. Doch die unglaubliche Schaltgeschwindigkeit hat auch Vorteile im Sprint. Klack, klack, klack. Das Runterschalten geht deutlich schneller als mit der mechanischen Variante – der Kraftfluss wird kaum unterbrochen. Klare Sache, dass Mark Cavendish bei der Tour de France 6 Sprintsiege abgeräumt hat – der schaltet auch mit Shimano.

Die Laufleistung
Einziges Problem der elektrischen Schaltung ist die Elektrik selbst. Denn wenn der Akku leer ist, bewegen sich Schaltwerk und Umwerfer keinen Millimeter. Damit es nicht so weit kommt, haben die japanischen Ingenieure der Schaltung einen kleinen, aber leistungsstarken Lithium-Ionen-Akku mit 7,4 Volt spendiert. Der liefert Energie für etwa 2000-4000 Kilometer, was etwa 15000 Schaltvorgänge bedeutet. Erst dann muss der Akku für nur 2 Stunden in die Ladestation. Wer also ambitioniert Rennrad fährt, benötigt maximal zweimal pro Jahr eine Steckdose – die meisten Hobbyfahrer kommen aber problemlos mit einer Ladung durch die Saison.

Das Bike
Besser geht"s nicht. Technisches Hightech, wohin das Auge blickt. Der sehr steife Rahmen ist natürlich die Basis für den grandiosen Vortrieb. Selbst bei voller Sprintpower verwindet er sich nicht. Ein klarer Vorteil der sehr steifen Carbonfaser-Kontruktion. Auch bei der Verarbeitung hat sich Red Bull (die übrigens nicht mit dem gleichnamigen Brause-Hersteller zu tun haben) richtig ins Zeug gelegt – unter dem matten Lackdekor schimmer die fein-strukturierten Carbon-Matten durch. Wirkt sehr edel! Wer noch mehr Highech am Rad will, kann optional das Bike mit den Aero-Laufrädern 808 von Zipp austatten lassen. Das sieht noch schneller aus, macht den Carbon-Flitzer aber nochmals 1500 Euro teurer ... Und das Gewicht? Knapp über sieben Kilo! So leicht war Rennradfahren noch nie!

Das Fazit
Die komplette Schalt-Gruppe ist nicht nur exzellent verarbeitet – sie funktioniert auch so gut wie keine andere Gruppe. Ohne Zweifel stellt die Duara-Ace Di2 das Nonplusultra der Rennradschaltungen dar m(sicherlich werden auch bald die ersten elektrischen Version für Mountainbikes kommen). Aber: soviel Technik hat seinen Preis. Die komplette Dura-Ace Di2 kostet laut Importeur Paul Lange etwa 3500 Euro. Kommen dann noch die Best-of-the-Best-Kompententen wie am Red Bull Carbon X-Lite Oro (und die extravaganten Zipp-Laufräder) hinzu, klettert der Preis auf 8000 Euro. Hierfür gibt’s sogar einen Dacia Logan und einen top-soliden Renner von Red Bull (z.B. PRO SL-3000 mit Shimano Ultegra für 1489 Euro). Aber: Wer das beste Material der Welt fahren (und haben) will, muss eben auch extrem tief in die Tasche greifen können. Absolut notwendig ist so ein teures Hightech-Rennrad sicherlich nicht, aber es macht beim Fahren verdammt viel Spaß.

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