Mannomann: Rollenbilder des modernen Mannes

Rollenkonflikt in der Familie: Wie viel Zeit für Job und wie viel für die Frau und Kind?
Am Ende müssen Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber Stellung beziehen, wenn Sie für Ihre Familie da sein wollen. Das können Sie aber durchaus im Einvernehmen erreichen

Noch nie war das Mann-Sein so schwierig. Was früher als typisch männlich galt, ist heute längst nicht mehr genug. So meistern Sie den Balance-Akt zwischen hartem Kerl und zahmen Softie:

Wann ist ein Mann ein Mann? Während männliche Eigenschaften in vergangenen Zeiten klar definiert waren, ist die Frage nach typisch männlichen Eigenschaften heute immer schwieriger zu beantworten. Zu vielfältig sind die Erwartungen und Rollenvorstellungen. „Männer werden heute mit verschiedenen Leitbildern des Mannseins bombardiert“, sagt der Soziologe Professor Carsten Wippermann aus München.

Seit Jahren beobachtet Wippermann, wie sich die Erwartungen an Männer verändern. Problem: Die Gesellschaft erwartet von Männern nicht nur ein vielfältigeres Rollenbild, sondern auch noch eines, dessen Eigenschaften sich teilweise widersprechen. Er soll Geld nach Hause bringen, zu 100% im Job aufgehen – und viel Zeit mit den Kindern spielen, gefälligst zu Hause bleiben, wenn die Kleinen Fieber haben und die Kita flach fällt. Was denn nun? Und wer will das überhaupt?

In einer Studie stellte der Soziologe fest, dass die Antreiber dieses Rollenwandels nicht etwa die Männer selbst sind, sondern vor allem Frauen. Besonders junge Frauen wünschen sich bei Männern demnach sowohl die harte Schale als auch den weichen Kern. Als bevorzugte männliche Attribute nennen sie einerseits „groß, breitschultrig, stark, handwerklich begabt, selbstbewusst und ein bisschen Macho”, andererseits sollen Männer aber auch „liebevoll, kinderlieb, einfühlsam, romantisch und treu” sein. „Das neue Leitbild des Mannes ist, alle Eigenschaften in sich zu versammeln und je nach Situation eine ganz andere Seite an sich zu zeigen“, sagt Wippermann „wir fordern von ihnen also eigentlich alles. Das ist eine Überforderung.“

Wir haben einige dieser modernen Rollenkonflikte raufgearbeitet, die moderne Männer am häufigsten ausgesetzt sind – und natürlich auch eine Lösung parat. 

Stark sein vs. Gefühle zeigen

Rollenkonflikt: Auf diesen Rollenwahnsinn reagieren Männer laut Wippermann sehr unterschiedlich. Manche nehmen die Herausforderung an und machen sich frei von alten Rollenklischees. Der Macho-Typ, der das als Abstreifen der eigenen Männlichkeit deuten würde, ist in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr besonders stark verbreitet. „Manche Männer gehen jedoch in eine Abwehrhaltung”, sagt Wippermann. Sie bezweifeln, dass Ihnen die vermeintlich weiblichen Attribute dazu verhelfen „richtige Männer” zu sein. „Es geht aber nicht darum die Männer zu verweiblichen. Das ist eine böse Unterstellung“, so der Soziologe. Ein Mann der in der Öffentlichkeit weint oder eigene Schwächen einräumt, ist nicht weniger männlich als andere. 

Lösung: Machen Sie sich frei von alten Rollenklischees. So entwickeln Sie ein besseres Gefühl dafür, in welchen Situationen von Ihnen Stärke gefordert ist und wann Sie Ihre weiche Seite zeigen dürfen oder sogar sollen. Die Ausrede „Sowas machen Männer nicht“ gilt schon lange nicht mehr.

Partnerschaft auf Augenhöhe vs. klassische Rollenteilung

Rollenkonflikt: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist heute (zumindest in den Köpfen) selbstverständlich. Der moderne Mann sieht sich mit seiner Partnerin auf Augenhöhe, allerdings nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt: „Wir sind alle total modern, haben einen modernen Lifestyle und lesen Men’s Health, aber wenn ein Paar ein Kind bekommt, rutschen Männer oft automatisch in die traditionelle Ernährer-Rolle”, erklärt Wippermann. Der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kind. Das liege auch daran, dass äußere Faktoren wie Gehaltsunterschiede, Steuervorteile und fehlende Teilzeitarbeitsmodelle in gehobenen beruflichen Positionen die traditionelle Rollenteilung begünstigen, so Wippermann. Sich bewusst gegen dieses ökonomisch rationalere Modell zu entscheiden, erfordere sehr viel persönliche Energie.

Lösung: Der erste Schritt ist, sich die gesellschaftlichen Zwänge bewusst zu machen. So lange Sie und Ihre Partnerin mit der klassischen Rollenteilung einverstanden sind, gibt es dagegen nichts einzuwenden. Darüber sollten Sie ganz offen sprechen. Versuchen Sie auch neben dem Job Aufgaben im Haushalt zu übernehmen und nicht nur „Ernährer” zu sein. Vermeiden Sie es strikt, der einen oder anderen Rolle eine höheren Wert zuzuordnen. 

Erfolgreiche Karriere vs. fürsorglicher Vater

Rollenkonflikt: Allein mit der finanziellen Versorgung der Familie, ist die Rolle des Vaters heute nicht mehr erfüllt. Von Männern wird heute erwartet, dass Sie auch Zeit für Ihre Familie haben. „Diese Norm ist inzwischen zu einem eigenen Bedürfnis geworden. Männer wollen sich Zeit für Ihre Familie nehmen“, sagt der Sozialforscher. Gleichzeitig sind viele vom Wandel in der Arbeitswelt betroffen sind. Sie sind gefordert Ambitionen und Ehrgeiz zu entwickeln und für ihren Arbeitgeber immer flexibel einsetzbar und mobil zu sein. Dazu gehört auch, sich mit Haut und Haaren in aktuelle Projekte zu stürzen – was mit der Rolle des fürsorglichen Vaters nicht immer vereinbar ist.

Lösung: Prioritäten setzen. Klingt hart, aber jeder muss für sich selbst entscheiden, was für Ihn in seinem aktuellen Lebenabschnitt wichtiger ist. Da gibt es keine Pauschallösung. Dazu sei gesagt: Wer sich für die Karriere entscheidet, ist deshalb noch lange kein schlechter Vater. Dasselbe gibt auch andersherum. Je nachdem wie Sie sich entscheiden, besprechen Sie dies mit Ihrer Familie oder dem Chef. Wippermann beobachtet, dass vielen Männern die Work-Life-Balance wichtiger geworden ist: „Das bedeutet aber auch, gegenüber dem Arbeitgeber klare Kante zu zeigen.” Die gute Nachricht: Gleichzeitig zeigen immer mehr Arbeitgeber Verständnis für diesen Wunsch und gehen für zufriedenere, loyale Fachkräfte auch Kompromisse ein. Tipp: Egal ob mit der Frau oder dem Chef – nicht auf Rechte pochen, sondern den Dialog suchen und gemeinsam Lösungen finden.

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