Strandleben: Samba-Kick bei besten Platzverhältnissen

Vor Gott und am Strand sind alle Menschen gleich
Nirgendwo auf der Welt hat der Sand eine derart wichtige Bedeutung

Am Strand von Copacabana fliegen am Horizont Bälle auf und ab, als spielten sie im Takt eines Samba-Stückes

Passend zum Rhythmus reiben sich athletische Körper am Leder, das seltener den Sand berührt als Regentropfen den Boden von Rio. Pelada sagt man, wenn locker gespielt wird. Im Freestyle wird der Ball möglichst lange in der Luft gehalten.

Brasilianisches Leben spielt sich am Strand ab. Zwei Drittel der 185 Millionen Einwohner leben so nah am Meer, dass sie innerhalb einer Stunde dort sein können. In São Paulo wird am Wochenende manchmal die Autobahn, die zu den Stränden führt, von der Polizei zur Einbahnstraße erklärt. Dann führen 12 Fahrspuren zum Wasser.

Vor Gott und am Strand sind alle Menschen gleich
Selbst die Strandschönheiten kennen hier oft nur ein Thema: Fußball

Nirgendwo auf der Welt hat der Sand eine derart wichtige Bedeutung. Am Strand finden sie alle zusammen, von Unternehmern bis hin zu denen, die vom Betteln und Dosensammeln leben. Vor Gott und am Strand sind alle Menschen gleich. Badehose und Bikini kann sich jeder leisten, halbnackt verwischen die sozialen Unterschiede hier so schnell wie Sonnencremes.

Der einzige Maßstab sind Körper. Körper wie der von Bianca, die nicht weit von mir ihre lackierten Zehen in den Sand gräbt. Die 22-Jährige weist die drei typischen Merkmale einer Brasilianerin auf: perfekte Rundungen, kaffeebraune Haut und Bikinistreifen, die man nur erhascht, wenn einer der Träger verrutscht. So penibel gezogen wie Strafraummarkierungen. Und als solche sind sie zu verstehen.

Eine schneeweiße Linie auf makellos brauner Haut ist der Hingucker auf jeder Party. Der Reiz liegt darin, etwas zu sehen, was tagsüber am Strand verborgen bleibt. Und das ist nicht viel. Nein, prüde sind die Brasilianer wirklich nicht. An den Anblick neunjähriger Mädchen, die ungeniert die Hüften schwingen, muss ich mich ebenso gewöhnen wie an Rentnerinnen, die im knappen Zweiteiler auf der Promenade joggen. In Biancas Altersklasse ist der Gang zum Schönheitschirurgen fast so selbstverständlich wie der Besuch beim Friseur. Der sorgt in einem Hinterzimmer übrigens auch dafür, dass kein Haar aus Achseln und Bikinizone sprießt. Deshalb ist es unmöglich, den Mädchen nicht nachzuschauen. Sich umzudrehen ist ein Reflex, wie gegen den Ball zu treten. Vielleicht können die Brasilianer deswegen beides gleichzeitig.

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