Gesetzesänderung: Risiko Samenspende

Anonyme Lebensspender
Bis 2006 bleibt gespendetes Sperma anonym

Schnelles Geld gibt's bald nicht mehr: Anonyme Samenspenden sind in Deutschland bald nicht mehr möglich

Jason Welles* sucht nach seinem Vater. Der Kalifornier hofft, ihn in einem trostlosen Flur zu finden, in der Universitätsklinik von Los Angeles. An langen Wänden, gepflastert mit tausenden Fotos von Medizinabsolventen, sucht der 27-Jährige nach dem Bild eines Mannes, der ihm gleicht – mit tiefen Augenhöhlen, buschigen Brauen und einem Ohr, das ein bisschen höher sitzt als das andere. „Ein komisches Gefühl, dass er hier irgendwo sein könnte“, meint Welles und schaut sich die Gesichter der Abschlussklasse von 1977 sehr genau an.

Seit er fünf ist, grübelt Welles über diesen Mann nach. Oder genauer: seit seine Eltern ihm erzählten, sie hätten „Spermien ausgeliehen“, um sein Leben zu ermöglichen. Allerdings weiß er über den Spender lediglich, dass er an der Universität von Los Angeles studiert hat. Eigentlich weiß er noch nicht einmal das mit Sicherheit.

*Name von der Redaktion geändert

Samen ohne Namen
Noch vor 20 Jahren waren die gespendeten Samen namenlos

Spurensuche: Jedes Jahr bis zu 1000 Kinder

Noch vor zwanzig Jahren war Anonymität bei Samenspenden die Regel. Wer trotzdem einen Spender aus dieser Zeit finden will, hat fast keine Chance

Nur ein paar Meter vom Campus entfernt befindet sich die Tyler Medical Clinic, ein Krankenhaus mit eigener Samenbank. Als Welles’ Mutter nach dem genetischen Erzeuger des Sohnes fragte, bekam sie lediglich zu hören, dass viele Spender Medizinstudenten waren. Ebenso gut könnte es also der Uni-Hausmeister gewesen sein. Aber Welles genügte diese Aussage, um in den letzten zwei Jahren ungefähr 200 Briefe an die Männer auf diesen Wänden zu schreiben. Darin fragte er, ob der Adressat im April 1977, als Jason gezeugt wurde, Samenspender an der Klinik war und ob er vielleicht sein Vater sein könnte.

Bisher erfolglos
Bislang war der Richtige nicht dabei. „Ich weiß nur, dass er einer dieser Männer ist“, sagt Welles, der eigentlich überhaupt nichts wirklich weiß. Und da ist Welles nicht der Einzige. Allein in Deutschland haben seit den 70er Jahren zwischen 50 000 und 70 000 Kinder ihr Leben einer Samenspende zu verdanken. „Die Geburten werden zwar nicht registriert, aber nach realistischen Schätzungen kommen jedes Jahr 500 bis 1000 Kinder dazu“, sagt Petra Thorn, Familientherapeutin und Expertin für Samenspenden (siehe Interview).

Das Kind will zu seinem Papa
Viele Spenderkinder wollen ihren leiblichen Vater kennenlernen

Gesetz gegen Anonymität: Spender bleiben nicht mehr geheim

Viele Kinder möchten ihren leiblichen Vater kennen lernen. Ab 2006 hilft ihnen auch in Europa ein Gesetz dabei

Medizinisch korrekt wird die Übertragung von anonymem Samen donogene oder heterologe Insemination genannt. Meistens bleibt diese Art der Zeugung ein dunkles Familiengeheimnis, denn viele Eltern haben Angst, die Wahrheit zu sagen. Und wer nichts weiß, macht sich auch nicht auf die Suche nach seinem genetischen Vater. Anders ist das in den USA, wo man offener mit diesem Thema umgeht, weil ein großer Teil der Inseminationen lesbischen Paaren und allein stehenden Frauen den Kinderwunsch erfüllt.

Hier zu Lande werden dagegen fast ausschließlich verheiratete Paare behandelt. In Amerika hat sich mittlerweile eine Szene von Spenderkindern gebildet, die nach ihren biologischen Verwandten suchen und durch die Kombination von Gentests und Internet häufig auch finden. Mit Hilfe der Website www.donorsiblingregistry.com haben sich inzwischen schon mehr als 300 Halbgeschwister gefunden. Die Väter zu finden ist jedoch auch in den USA schwieriger, denn die Anonymität der Samenspender war dort immer heilig. Das galt auch einmal in Deutschland, doch damit ist es jetzt vorbei.

Gesetz beendet Anonymität
Nicht nur verbreitet sich langsam die Erkenntnis, dass eine frühe, kindgerechte Aufklärung die beste Art ist, mit dem Thema umzugehen. Auch die heute möglichen Gentests setzen die Eltern zunehmend unter Druck, mit der Wahrheit herauszurücken. Je mehr Transparenz da ist, desto mehr Kinder werden eine Neugier auf ihren Erzeuger entwickeln. Dafür, dass diese auch gestillt wird, sorgt ab 2006 ein EU-Gesetz, das der Anonymität der Spender ein Ende macht. Wer sich also auf eine angenehme Weise ein paar Euro dazuverdienen möchte, muss damit rechnen, dass rund 18 Jahre später ein Sohn oder eine Tochter an seine Tür klopft. Vielleicht sogar mehrere.

Na, wer war der Spender?
Ab 2006 müssen Samenbanken die Spenderakten 30 Jahre behalten

Gewissheit einklagen: Kinder können bald klagen

Ab 2006 sind ist die Anonymität der Samenspender per Gesetz aufgehoben. Bis dahin ist die Vaterfindung für Samenspendekinder Glückssache

Eigentlich hätte es bereits 1988 mit der Anonymität der Spender vorbei sein müssen, als das Bundesverfassungs-gericht entschied, dass jeder das Recht habe, seine Abstammung zu kennen. Kindern aus Adoptionen und Samenspenden müsse dieses Wissen bei Erreichen der Volljährigkeit zugänglich sein. Doch aus diesem Richterspruch wurde nie ein Gesetz, so dass die Unterlagen zur Insemination weiterhin nur zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen – wie andere medizinische Dokumente auch.

Wer dann mit 18 die Aufhebung der Anonymität verlangt, guckt häufig in die Röhre. „Bisher ist es reine Glückssache, als Kind einer Samenspende seinen genetischen Vater zu finden“, sagt Expertin Thorn. Manche Samenbanken heben die Daten freiwillig 30 Jahre auf, aber eben nicht alle. Das neue EU-Gesetz schreibt nun zwingend vor, Daten von Organspenden 30 Jahre aufzubewahren. „Darunter fallen auch Samenspenden“, sagt Thorn. „Damit können Samenbankkinder ihr Grundrecht einklagen.“

Alle seine Kinder
Schon mit einer Spende kann der Spender vielfacher Vater werden

Ahnungslose Spender: Bis zu vier Kinder pro Spende

Viele Spender sind sich nicht darüber im klaren wie viele Kinder mit einer Spende gezeugt werden können

Zu welchen Verwicklungen ein Anti-Anonymitäts-Gesetz führen kann, lässt sich jetzt bereits in den USA beobachten, wo die Anonymität schon länger bröckelt. „Wir erhalten immer häufiger Anrufe von Kindern und Eltern, die mehr über die Spender erfahren möchten, und es ist schwierig zu entscheiden, was zu tun ist“, sagt Cappy Rothman, Gründer der California Cryobank in Los Angeles, einer der größten Samenbanken der Welt.

Dabei wurde den Spendern zugesichert, dass ihre Arbeit mit dem Hochziehen des Reißverschlusses beendet ist. „Sie werden selten über die Probleme informiert, die dabei auftauchen könnten“, berichtet Dorothy Greenfeld, Psychologin am Zentrum für Reproduktive Medizin der Universität Yale. „Darum bedenken sie nicht, dass sich einer ihrer Nachkommen auf die Suche nach ihnen machen könnte.“

Eine Spende, vier Kinder
Und es geht dabei nicht bloß um einen Sprössling. Eine einzige Spende reicht für drei bis vier Befruchtungsversuche. Nicht jede führt tatsächlich zum Kind, aber ein häufiger Spender kann dennoch 100 Kinder haben oder auch mehr. John Russell* aus Arkansas spendete von 1993 bis 1996 zweimal pro Woche und hat bis vor kurzer Zeit nicht ein einziges Mal an seine schätzungsweise 150 Nachkommen gedacht. Doch dann tauchten in Talkshows immer öfter Menschen auf, die ihre Spender gesucht und auch gefunden haben. John könnte sich zwar vorstellen, eines Tages mit einigen seiner Nachkommen Kontakt zu haben. „Aber wenn ich daran denke, dass 100 oder mehr Kinder etwas von mir wollen, ist die Antwort: nein, auf keinen Fall!“

Für deutsche Spender ist die Zahl der Nachkommen überschaubarer, denn die Mitglieder des Arbeitskreises Donogene Insemination haben sich auferlegt, von Spendern kein Sperma mehr zu verwenden, sobald es in zehn Familien einen oder mehrere lebende Nachkommen gibt. „Das finde ich auch gut so“, sagt Samenspender Carsten Uhr aus Tostedt bei Hamburg. „Denn es begrenzt die Gefahr, dass meine Tochter eines Tages mit einem Mann ankommt, der ihr Halbbruder ist – und niemand weiß es.“

Für deutsche Spender überschaubarer

*Name von der Redaktion geändert

Sie alle wollen ihren Papa
Viele Samenspender sind nicht nur einmal Vater geworden

Konfrontation: Plötzlich eine Teenietochter

Plötzlich steht eine 17-jährige Tochter für der Tür eines ehemaligen Spenders. Mit solchen Konsequenzen rechnet fast niemand

„Sie machen Witze!“, rief Bob Gerardot aus Georgia, als 2001 ein Mitarbeiter von Xyrtex anrief, der US-Samenbank, bei der er von 1981 bis 1985 immer wieder Samenspenden abgegeben hatte. Ein 17-jähriges Mädchen, das Ergebnis einer seiner Spenden, hatte sich an die Firma gewandt, weil sie unbedingt mit ihrem genetischen Vater Kontakt aufnehmen wollte. „Ich fühlte mich betrogen“, sagt der 50-Jährige über diesen Anruf, denn man hatte ihm Anonymität zugesichert. „Sie hätten das nicht tun dürfen.“ Haben sie aber. Und Bob Gerardot, inzwischen verheiratet und Vater eines 3-jährigen Sohnes, wusste nicht, was er tun sollte.

Das Treffen
Schließlich entschieden sich seine Frau und er, dem Mädchen einen Brief vorzuschlagen, in dem sie ihre Gründe für den Kontaktwunsch beschreiben sollte. Ein paar Wochen später traf der Brief ein. „Ich öffnete den Umschlag, erblickte dieses Foto, sah ihre Augen und ihr Lächeln. Dann habe ich geweint“, sagt Bob Gerardot. „Das war real. Sie gehörte zu mir.“ Sie, das ist Katie Whitaker. Vor dem ersten Treffen mit Bob Gerardot versicherte sie ihm, dass sie nicht nach einem Vater suchte. Sie wollte sich lediglich darüber klar werden, wer sie ist. Und Gerardot war mehr als klar, dass er nicht nach einer Tochter suchte. „Aber als ich sie gesehen habe, war es um mich geschehen“, sagt er. „Das Gleiche habe ich nur einmal gefühlt, als mir mein Sohn in die Arme gelegt wurde.“

Er ist sich immer noch nicht sicher, ob das sein darf, und fragt sich: „Wie kann man väterliche Gefühle hegen, wenn man lediglich die Spermien gespendet hat?“ Aber er hatte diese Gefühle von Anfang an, und er hat sie noch – und Katie empfindet ähnlich.

Happy-End? Nicht ganz. Jetzt will Katie unbedingt ihre Halbgeschwister kennen lernen. Gerardot war deshalb bei Xyrtex, um da seine Akte einzusehen. Schockiert las er, dass 99 seiner Spenden gut genug für den Einsatz waren – das reicht aus für bis zu 200 Kinder. Die Vorstellung, sie alle könnten ihn finden, erscheint ihm wie eine Szene aus „Die Nacht der lebenden Toten“ mit einer auf ihn zu marschierenden Horde, und alle schreien: „Papa, Papa!“

*Name von der Redaktion geändert

Sie wusste nichts von der Samenspende
Kommt die Samenspende erst nach Jahren raus, gibt es oft Streit

Geschockte Ehefrau: "Jugendsünden" bleiben geheim

Viele ehemalige Spender erzählen ihren Ehefrauen nichts von früheren Samenspenden. Wenn dann Briefe von potentiellen Kindern kommen, steht Ärger ins Haus

Jason Welles’ Suche ist bisher ergebnislos geblieben. Die meisten der 200 Ex-Studenten, denen er geschrieben hatte, haben nicht mal geantwortet. Und jene, die sich gemeldet haben, bezweifeln sein Vater zu sein. Aber sie gaben zu, sein Brief habe ihnen ein Thema vor Augen geführt, über das sie damals nicht nachgedacht haben.

Einer von ihnen ist Peter Goffin* aus Illinois. Er wäre nie auf die Idee gekommen, dass eines Tages irgendwo Kinder anfangen könnten, sich über ihn Gedanken zu machen. „Ich habe für Geld alles gespendet, was ich hergeben konnte: Stammzellen, Knochenmark, Blutplättchen. Über Spermien habe ich nicht anders gedacht als über alle anderen Zellen“, erzählt er.

"Jugendsünden" mit Folgen
Inzwischen ist er mit einer Frau verheiratet, die keine eigenen Kinder haben kann, deshalb haben sie zwei adoptiert. Goffin hatte seine Samenspenden nie erwähnt – bis der Brief von Welles kam. „Ich erzählte meiner Frau davon. Es war ein Desaster. Fast 30 Jahre Ehe, und sie hatte keine Ahnung davon. Dass da draußen Kinder von mir herumlaufen, die nicht ihre sind, macht sie fertig.“

Obwohl Welles nicht sein Sohn sein kann („Die Zeit stimmt nicht, und wir sehen uns gar nicht ähnlich“), hat ihn der Brief doch erschüttert: „Möglicherweise Kinder zu haben und es nicht zu wissen, ist ein großer Verlust. Das wird einem erst klar, wenn man älter ist.“ Er würde gerne eines oder mehrere der Kinder kennen lernen. „Aber aus Rücksicht auf meine Frau werde ich nicht nach ihnen suchen.“

*Name von der Redaktion geändert

Er sucht sein Kind
Es gibt auch Spender, die Jahre nach der Samenspende ihre Kinder suchen

Suchende Spender: Nicht alle wollen anonym bleiben

Viele Samenspender möchten erst Jahre später wissen, was aus ihrem Sperma geworden ist

Andere suchen dagegen äußerst aktiv. Als der Sohn von John Sylla* geboren wurde, erwachte in dem Kalifornier die Neugier auf seine unbekannten Nachkommen. Vier bis acht müssten es sein, schätzt er. Doch die Klinik, in der er Anfang der 80er Jahre gespendet hat, gibt es nicht mehr. Sylla startete deshalb eine Yahoo-Messagegroup für Samenspender.

„Den Kindern wird ein Geburtsrecht versagt“, findet er. „Ich möchte mich für jedes Kind, das mich finden will, erreichbar machen.“ Colin Forsyth*, Spender im Jahr 1990, stellte bei www.donorsiblingregistry.com eine Suchanfrage. „Seit der Geburt meiner ersten Tochter vor drei Jahren hat’s mich dazu gedrängt. Alle meine Nachkommen sollen wissen, dass ich in all den Jahren oft an sie gedacht habe.“

*Name von der Redaktion geändert

Wo ist der Vater?
Schon kleine Kinder quält die Frage nach ihrem echten Vater

Frieden finden: Die Hoffnung stirbt nicht

Viele Samenspendekinder quält die Frage nach ihrem leiblichen Erzeuger – auch wenn die Chance auf ein Treffen gleich Null ist

Auch Jason Welles würde gern wissen, ob sein Vater an ihn denkt. Der Rettungssanitäter will bald ein Medizinstudium beginnen und stellt sich seinen Vater als Arzt in der Notaufnahme vor, wo auch er mal arbeiten möchte. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es meinen Vater nicht interessiert, wer ich bin.“ Vielleicht. Doch vorläufig kann Welles nur warten und wie unzählige andere Samenbank-Kinder von jenem Mann fantasieren, der die Hälfte seiner Anlagen geliefert hat. „Ich weiß nicht, wie ich reagiere, wenn ich ihn finde“, sagt Welles. „Aber ich glaube, ich werde mich komplett fühlen. Auch wenn es nur ein einziges Treffen gäbe, würde ich endlich meinen inneren Frieden finden.“

Geht's ihm nur um's Geld?
Für eine Samenspende bekommt Mann bis zu 80 Euro

Die Fakten: Sie haben es in der Hand

Hört sich einfacher an, als es ist: Geld verdienen mit Masturbieren

Sammelstellen
Die nächstgelegene Samenbank finden Sie über die Arbeitsgemeinschaft Donogene Insemination (www.donogene-insemination.de). 90 Prozent aller deutschen Samenbanken sind dort Mitglied, Seriosität ist garantiert.

Verdienst
In Deutschland gibt es lediglich Aufwandsentschädigungen von 50 bis 80 Euro. Spender, die von vornherein auf Anonymität verzichten, bekommen mitunter deutlich mehr (Verhandlungssache).

Voraussetzungen
Samenspender sollten unter 40 Jahre alt und müssen gesund sein. Es darf in der Familie keine Erbkrankheiten geben. Der Samen muss genug gesunde Spermien enthalten. Lediglich zehn Prozent der Bewerber schaffen alle Kriterien. Nach sechs Monaten muss ein weiterer Aids-Test gemacht werden, vorher wird das Sperma auf keinen Fall verwendet.

Häufigkeit
Die meisten spenden zweimal pro Monat, dafür gibt’s kein Limit. Aber: Sobald es in zehn Familien Nachkommen gibt, wird das Sperma nicht mehr verwendet.

Anonymität
Ist nicht mehr garantiert. Die Aufhebung kann nur von den Kindern ab Volljährigkeit erzwungen werden.

Vater und Sohn?
Viele Kinder sind enttäuscht, wenn sie mit ihren Vätern keine Gemeinsamkeiten haben

Interview: Die Wahrheit wird oft verschwiegen

Viele Samenbankkinder wissen nichts von ihrer Herkunft. Wenn doch, ist das Interesse am Vater oft groß

Familientherapeutin Petra Thorn (44) aus Mörfelden bietet Seminare an für Paare, die mit einer Fremdsamenspende Nachwuchs zeugen wollen.

Men’s Health: Suchen eigentlich viele Samenbank-Kinder nach ihren biologischen Vätern?
Petra Thorn: Ja, in den USA gibt’s sogar Internetforen, wo sich Spender und Samenbank-Kinder registrieren können. Ich selbst werde mehrmals im Jahr gebeten, bei der Suche nach dem Samenspender zu helfen.

Einen Hype um das Thema wie in Amerika gibt es bei uns aber noch nicht. Woran kann das liegen?
Die meisten Eltern verschweigen die Wahrheit. Zwar ändert sich das offenbar langsam, doch laut mehrerer Studien liegt die Quote derer, die ihr Kind über seine Herkunft aufklären, bislang nur bei 10 bis 20 Prozent.

Warum sind viele so zurückhaltend?
Die Behandlung mit Spendersamen wurde lange Zeit als verwerflich angesehen und war rechtlich unsicher. Zudem wissen die Eltern nicht, wann und wie sie es dem Kind sagen sollen und lassen es lieber ganz. Von den Teilnehmern meiner Seminare klären übrigens 90 Prozent ihre Kinder auf.

Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?
Je eher, desto besser. Wenn Eltern ihr Kind erst später aufklären, etwa in der Pubertät, erleidet es einen Identitätsbruch. Stattdessen sollte das Kind mit der Information groß werden und seinem Alter entsprechend immer mehr Details erfahren.

Und wenn man gar nichts sagt?
Das Kind spürt häufig instinktiv, dass etwas nicht stimmt. Und wenn es dann durch Zufall die Wahrheit erfährt, kann das zu einem tiefen Vertrauensbruch führen.

Was erhoffen sich die Kinder von der Suche nach dem genetischen Vater?
Die meisten wollen einfach das 50-prozentige genetische Vakuum füllen. Sie wollen wissen, woher sie ihre Locken haben. Manche möchten ihren Vater auch persönlich kennen lernen. Dass jemand finanzielle Ansprüche geltend machen will, habe ich bislang kein einziges Mal erlebt.

Suchen viele Spender nach ihren Nachkommen?
Manche Männer interessieren sich schon dafür, ob mit ihrem Samen Kinder gezeugt wurden. Doch sie wollen sich dann nur informieren – väterliche Gefühle hegt kaum einer.

Gab es in Deutschland schon Treffen von Kindern mit ihren Erzeugern?
Ich weiß nur von einer jungen Frau. Sie war verblüfft, wie wenig sie mit dem Mann gemeinsam hat.

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