Abnehmen: Hormone machen doch nicht satt

Jetzt hilft wohl doch nur noch, den Gürtel enger zu schnallen

Von wegen Hunger mit Hormonen bekämpfen. Der körpereigene Appetitzügler PYY eignet sich doch nicht zum Abnehmen, wie neue Studien belegen

Klingt wie der Königsweg zur Idealfigur: Abnehmen mit einem körpereigenen Hormon, das als Appetitzügler den Körper in seine Hungerschranken weist.

Vor zwei Jahren berichteten Teams um den Briten Steven Bloom vom Londoner Imperial College über eine solche Entdeckung: das Hormon PYY, das im Darm gebildet wird und dem Gehirn ein Sättigungsgefühl vermittelt. Mit zusätzlichen PYY-Injektionen in den Darm erreichten die Teams, dass Labornagetiere 30 Prozent weniger zu sich nahmen. Nachfolgestudien der Forscher zeigten den Effekt auch bei normal- und übergewichtigen Menschen.

Jetzt zweifeln zwölf internationale Forschergruppen die Wirkung von PYY an. Auf einer Wissenschaftspressekonferenz erläuterten die Kritiker ihre Argumente: Die Forschergruppen hatten versucht, die Versuche von Bloom nachzuvollziehen, und waren allesamt gescheitert.

Bloom und seine Kollegen wehren sich gegen die Vorwürfe und führen die Ergebnisse der Gegner auf mangelhafte Tierexperimente zurück. Allerdings müssen sie zugeben, dass sich der zügelnde Effekt von PYY sowohl bei Menschen als auch bei Tieren nur zeigt, wenn sie zuvor zwölf Stunden gefastet haben.

Für fettleibige Patienten ist das allerdings nutzlos. "Wenn sie so lange fasten können, brauchen sie das Hormon nicht", sagt Professor Volker Schusdziarra vom Münchner Klinikum Rechts der Isar gegenüber der Zeitung „Die Welt“, der weder mit der einen noch mit der anderen Forscherseite zusammenhängt.

Aus Sicht von Medizinern verliert PYY jetzt viel von seinem Glanz. Schließlich muss ein Wirkstoff einen deutlichen Effekt versprechen, um in der Klinik eingesetzt zu werden. Wesentlich viel versprechender scheinen so genannte Cannabinoid-Antagonisten ein, die das Hungergefühl unterdrücken und gerade durch die dritte Phase des klinischen Tests gehen.

Übergewicht ist in der westlichen Welt ein wachsendes Problem mit allein in Deutschland rund 15 Millionen Menschen, die ärztliche Betreuung benötigen.

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