Sauerstoff-Getränke: Nur eine Luftblase?

Idealer Durstlöscher
Sauerstoff-Getränke: Nur teure Rülpser?

Mit Sauerstoff angereicherte Fitness-Getränke sind der letzte Schrei für Sport-Freaks. Über den wissenschaftlichen Nutzen der Extraportion O2 im Wasser streiten sich die Experten.

Fische können mit Sauerstoff im Wasser etwas anfangen. Sie haben ja auch Kiemen. Aber die Werbung suggeriert uns, dass auch wir mit dem zusätzlichen Quentchen Luft im Getränk unsere Leistungskurve neu definieren können. Warum auch nicht: Wir atmen ja nicht nur mit der Lunge, sondern auch über die Haut; warum also nicht auch mit dem Darm?

Dass die Luft im Wasser tatsächlich den Kick gibt, will Erich Elstner von der Technischen Universität München jetzt belegt haben. Dafür tranken 56 Sportstudenten nach seiner Verordnung Wasser: Entweder normales oder mit 70 Milligramm O2 angereichertes. Nach zwei Wochen stellte er folgendes fest: Die "künstlich beatmeten" brachten auf dem Ergometer 20 Watt mehr Leistung als jene, die normales Wasser getrunken hatten. Die hätten sich nur um 10 Watt verbessert, so Elstner.

Stärkt "künstliche Beatmung" das Immunsystem?
Außerdem stiegen bei jedem, der mehr als 200 Milliliter des Sauerstoffwassers getrunken hat die Zahl der weißen Blutkörperchen an, was auf eine bessere Immunabwehr schließen lässt, so der Forscher.

Andere Wissenschaftler dagegen bleiben skeptisch, wie der Freiburger Sportmediziner Aloys Berg. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er: "Peanuts. Das spielt sich ein einem Bereich ab, der keine Relevanz hat." Die Leistungssteigerung, die Elstner gemessen haben will, tut er schlicht als falsche Auswertung ab. Und weiße Blutkörperchen stiegen bei jedem Reiz an, den der Körper von außen erfährt, so Berg – ob Nahrung oder Wetter. Nur wenn die Studenten messbar weniger anfällig für Infekte geworden wären, könnte man dieser Aussage eine tatsächliche Wirkung entnehmen.

Immerhin will ein anderer Forscher den Weg des Sauerstoffs aus dem Getränk beobachtet haben – bei Kaninchen: Er stellte im Auftrag einer Getränkefirma fest, dass das Gas über die Bauchhöhle durch die Magenwand in die Pfortader gelange. Was genau es aber da tut, weiß er auch nicht.

Nur ein teurer Rülpser?
Und auch das Bundesinstitut für Verbraucherschutz hält nichts von dem Sauererstoffwasser: Aus zwei Litern solcher Getränke könne ein Sportler 0,15 Gramm Sauerstoff zusätzlich aufnehmen. Aber alleine durch stärkeres Atmen macht er ein Plus von 500 Gramm – und das kostet ihn gar nichts.

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