Schlank trotz Schokolade: So speckte Manfred 70 Kilo ab

Manfred hat 70 Kilo abgenommen: vorher wog er 160 Kilo und nachher 90 Kilo
Manfred (45 Jahre; 1,82 m) hat 70 Kilo abgenommen: Vorher wog er 160 Kilo und nachher 90 Kilo

Für viele ist ein Job in einer Süßwarenfabrik ein Traum — für einen Übergewichtigen ein Albtraum. Wie schafft es ein Mann trotzdem, 70 Kilogramm zu verlieren? Unser Leser Manfred verrät es Ihnen

Der Feind lauert überall. Wohin Manfred an seinem Arbeitsplatz auch schaut: Schokolade in sämtlichen Zuständen. Das Highlight in der Mitte der Fabrik ist ein Becken mit 1000 Kilo flüssiger, brauner Süßmasse. Der 45-Jährige ist Anlagenführer in einer Süßwarenfabrik. "Ich darf hier so viel Schokolade essen, wie ich will", sagt er. Manfred lebt mitten im Paradies eines jeden Schokoholikers — für ihn wurde das allerdings zum Albtraum. Als er in der Firma anfing, wog er bei 1,82 Meter Körpergröße schon 110 Kilo. Im Lauf der Zeit wuchs sein Bauch immer mehr. "Irgendwann zeigte die Körperwaage zu Hause nur noch 'Error'. Ich habe sie dann einfach versteckt", erzählt er.

Manfred versuchte, die zunehmende Körperfülle einfach zu ignorieren – das Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn" bestimmte seinen Alltag. Sich fotografieren lassen? Undenkbar! "Das hätte mir ja vor Augen geführt, dass ich viel zu dick bin." Die Blindheit hatte Gründe, es gab andere Sorgen. "Als ich in der Firma anfing, hatte ich schreckliche Eheprobleme", erzählt Manfred. "Die ständige Traurigkeit und der Frust, dass die Liebe zerbricht, hat mich derart belastet, dass mein Gewichtsproblem keine Priorität hatte." Und außerdem gab es da ja einen schönen Trost: Schokolade! Der aromatische Duft des Kakaos war Balsam für seine Seele — und beim Schnuppern blieb es  nie. "Aus dem anfänglichen Naschen wurde kontinuierliches Futtern, das ich überhaupt nicht mehr wahrnahm." Nach 5 Jahren stellte sich Manfred auf eine Industriewaage in der Schokoladenfabrik. Die zeigte ihm die bittere Wahrheit: 160 Kilo, ohne Sicherheitsschuhe.

Komplimente statt Kilos

Allmählich schwante ihm, dass sein Gewicht ein Problem sein könnte. Die Einsicht kam jedoch erst bei einer Familienfeier. "Da waren alle schlank und hatten schicke Anzüge an, nur ich sprengte mit meiner Körperfülle das Bild", erinnert er sich. "Das war ein beklemmendes, unangenehmes Gefühl — so konnte es nicht weitergehen." Er brachte die Scheidung von seiner Frau hinter sich, dann kam die drastische Wende. "Ich spürte Lust, wieder unter Leute zu kommen, endlich ein richtiges Hobby zu haben", erzählt Manfred. Eine Anzeige in der Zeitung stieß eine Tür auf: "Es gab da so ein Angebot vom lokalen Fitness-Studio. Ich dachte: Probier’s doch einfach mal mit Sport." Nur kurze Zeit später stand er dort auf der Matte. Was er erlebte, rettete ihm Leib und Seele — und seine Gesundheit. "Ich fühlte mich sofort verstanden — jemand kümmerte sich um mich und machte sich wirklich Sorgen." Vor allem, dass er sich dort so wohlfühlte, sorgte dafür, dass Manfred immer häufiger ins Fitness-Studio ging. Erfolge auf der Waage ließen dann nicht lange auf sich warten: "Als die ersten Kilos runter waren, bekam ich gleich Komplimente. Das motivierte mich so sehr, dass ich das Projekt Abnehmen danach richtig in Angriff nahm."

Fitness statt Vielfrass

Zuerst stellte er dafür seine Ernährung um. Es gab keine Süßigkeiten mehr, keine Limo, keine Cola und keinen Saft. Tee und Kaffee trank Manfred nur noch ohne Zucker und Milch. Außerdem trickste er sich selbst aus: "Ich habe nur noch von kleinen Tellern gegessen, die sehen bei kleineren Portionen trotzdem voll aus." Damit er trotzdem nicht schon nach 5 Minuten mit dem Essen fertig war, ließ er sich dabei Zeit und versuchte, seine Nahrung so lange zu kauen, wie es ging. "Die Zeiten, in denen ich Unmengen einfach runterschlang, waren von da an vorbei", berichtet Manfred.

Natürlich stellte sein Job eine echte Herausforderung dar, denn das kostenlose All-you-can-eat-Angebot in der Schokofabrik gab es ja weiterhin. Vielleicht wäre es leichter gewesen, er hätte nach etwas Neuem gesucht, lieber in einer Knäckebrotbäckerei gearbeitet. Doch er nahm den Kampf an. "Immer wieder hielt ich mir mein Ziel vor Augen und schaffte es irgendwie, den Massen an Schokolade zu widerstehen", erinnert er sich voller Stolz. Überhaupt war sein Plan in der Praxis alles andere als einfach. Sein Ziel: unter 100 Kilo zu wiegen. Das bedeutete, mehr als 60 Kilo abzunehmen. Bevor er das tat, musste er die Körpermasse allerdings bei jedem Training mitbewegen — das fühlt sich an wie Sport im Raumanzug. "Es war am Anfang wahnsinnig anstrengend, häufig konnte ich einfach nicht mehr", erzählt Manfred. "Die Trainer im Studio haben mich aber stets motiviert, so dass jedes Mal ein paar Minuten mehr drin waren." Auf die Art kämpfte er sich Minute um Minute, Schritt um Schritt heran. Er nahm statt des Lifts die Treppen, statt des Autos das Rad und zog Spaziergänge an der frischen Luft dem Rumsitzen auf dem heimischen Sofa vor. "Da trainierte ich lieber mit einem Schwingstab, um meine Tiefenmuskulatur zu aktivieren."

Coach statt Koloss

Es war ein Kampf, aber er gewann ihn. Nach 9 Monaten hatte Manfred schon 45 Kilo verloren. In dieser Zeit fand er so viel Spaß am Sport, dass er eine Ausbildung zum Indoor-Cycling- Instructor absolvierte. Mittlerweile gibt Loibl selbst Trainingsstunden. "Bei den Cycling- Kursen stelle ich fest, dass sich die anderen mit mir identifizieren können. Ich bin kein Trainer, der nur strampelt, um damit Geld zu verdienen — ich will meine Erfahrungen an andere weitergeben." Darüber hinaus zieht Manfred immer noch 4- bis 5-mal in der Woche sein Krafttraining durch und achtet sehr auf seine Ernährung. Er verzichtet abends auf Kohlenhydrate und hat frische Lebensmittel in seinen Speiseplan integriert. "Ich esse viel Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Fast Food schmeckt mir dagegen gar nicht mehr."

Mit der radikalen Wandlung vom dicken Schokoladenfabrik-Angestellten zum wohltrainierten Sportler beeindruckte Manfred nicht wenige Menschen. "Meine Freunde aus dem Fitness-Studio finden die Veränderung klasse. Für etliche dort bin ich ein Vorbild, da ich es geschafft habe, meinen Lebensstil zu ändern, und das macht mich wahnsinnig stolz", sagt er. "Das Fitness-Studio ist inzwischen wie ein Wohnzimmer für mich." Doch es gibt auch einige, die ihm den Erfolg weniger gönnen. "Manchen gefällt der Wandel nicht, weil sie selbst sich nicht dazu aufraffen können. Das ist schade, aber davon lasse ich mich nicht runterziehen." Dabei kann er den Frust gut nachvollziehen. Bei so vielen Rückschlägen, wie er in den zurückliegenden 5 Jahren einstecken musste, weiß er nur zu genau, wie sich es sich anfühlt, nicht weiter zu wissen. "Es ist das Allerwichtigste, dass man immer sein Ziel vor Augen behält, auch wenn man Umwege nehmen muss." Heute versucht er als Coach, abnehmwillige Menschen, denen es an Disziplin und Unterstützung von außen fehlt, zu motivieren. Er radelt als gutes Beispiel voran und sagt jedem, der es hören will: "Für mich hat sich dieser Weg auf jeden Fall gelohnt, ich fühle mich einfach großartig."

Shoppen statt schämen

Das Einzige, was ihn stört, ist die überschüssige Haut, die seine 70 Kilo Fett umschlossen hatte. Die bildet nun nämlich fiese Wülste, an denen sich oft wunde Stellen zeigen. Sein Arzt hat sie als gesundheitlich bedenklich eingestuft, die Krankenkasse hat jetzt einer OP zugestimmt. Einen Eingriff im Brustbereich hat Manfred bereits hinter sich. "Das Schlimmste an der OP waren die 6 Wochen danach, in denen ich keinen Sport machen durfte", erinnert er sich. "In dieser Zeit war es besonders schwer, nicht aus Langeweile wieder mit dem Essen anzufangen." Einmal muss er allerdings noch durch eine sportfreie Zeit, denn im Frühjahr 2017 folgt eine weitere Operation am Bauch.

"Mittlerweile bringt es mir sogar Spaß, Klamotten zu kaufen und mich schick anzuziehen", sagt er. Die 5XL-Kollektionen lässt er inzwischen links liegen. "Schon 3-mal habe ich meinen Kleiderschrank bis auf die Socken komplett neu bestückt. Vor Kurzem habe ich mich beim Shoppen im Spiegel selbst kaum wiedererkannt, so sehr habe ich mich verändert." Um motiviert zu bleiben und sich den Erfolg vor Augen zu halten, gönnt er sich ab und zu auch etwas Süßes, zum Beispiel eine Kugel Eis mit seinem Sohn. Ja, oder auch mal das eine oder andere Stück Schokolade.

>>>  Hier lesen Sie, wie Robert 90 Kilo abgenommen hat

Seite 5 von 28

Sponsored SectionAnzeige