Gestörte Nachtruhe: Schnarchen stoppen

Traumberuf: Baumfäller
Er träumte von einem Job in der Holz verarbeitenden Industrie

Sägen Sie nachts auch die Wälder Kanadas nieder? Dann sollten Sie unbedingt etwas unternehmen. Denn Schnarchen ist eine ernste Gefahr für Ihr Leben

Bei hunderttausenden von Männern in Deutschland steht jede Nacht ein Killer im Schlafzimmer. Er tötet langsam und quälend, oft über Jahre. Sobald diese Männer in den Schlaf sinken, drückt er ihnen die Luft ab, lässt kurz vorm Ersticken einen verzweifelt nach Sauerstoff schnappenden Atemzug zu, nur um sie erneut fast zu erdrosseln, und das 200- bis 600-mal pro Nacht. Das Tückische daran: Die meisten Männer ahnen nicht mal was von der Gefahr.

Ihre Partnerinnen dagegen schon, denn so lautlos schleicht der Killer sich nicht an. Im Gegenteil: Er rasselt, brummt und sägt in einer Lautstärke, die Ehen zerstören kann.

Doch während die Geräuschkulisse eigentlich nur lästig ist, wird Schnarchen zusammen mit Schlafapnoe richtig gefährlich, dieser ständigen Atemnot in der Nacht, die dem Betroffenen alle Lebensqualität nimmt und zum Tod durch Herzinfarkt, Unfall oder Selbstmord führen kann.

„71 Prozent aller Betriebsunfälle kommen durch Tagesmüdigkeit zustande“, sagt Schnarch-Experte Dr. Jörg Schlieper von der Hamburger Klinik ABC-Bogen. Ursache dafür sind selten durchgefeierte Nächte, sondern nächtliche Sägearbeiten.

„Ich bin überhaupt nicht mehr richtig wach, keine Minute des Tages“, sagt Peter Meissner*, der unter Schlafapnoe leidet. „Ich schlafe im Fahrstuhl an die Wand gelehnt ein, in der U-Bahn sowieso. Im Job kämpfe ich den ganzen Tag darum, wach zu bleiben. Zu Hause schlafe ich ein, sobald ich mich hinsetze.“

SCHNARCHEN: Die Lärmquelle

Schuld an den nervenden Geräuschen sind im Strom der Atemluft vibrierende und flatternde Weichteile im Rachen.

Verantwortlich sind hier vor allem die ineinander übergehenden Gaumensegel und -zäpfchen, aber auch Rachenwände und Hautfalten, vergrößerte Mandeln oder gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut (Polypen). Diese Weichteile können zu groß oder aber der Unterkiefer zu kurz sein.

Häufiger als solche anatomischen Ursachen ist jedoch, dass einfach das Gewebe in diesem Bereich zu schlaff ist, meist bedingt durch Übergewicht. Doch auch Alkohol und viele Schlafmittel lassen die Rachenmuskulatur erschlaffen und dadurch das darüber liegende Gewebe flattern.

So lästig das Grunzen und Sägen für den Partner auch ist – solange Geräusche zu hören sind, atmet der Schnarcher immerhin noch. Gefährlich wird es, wenn das erschlaffte Gewebe den Eingang zur Luftröhre versperrt und dadurch die Luftzufuhr verringert oder sogar ganz abschneidet.

Je nach Schwere der obstruktiven Schlafapnoe (das ist die weitaus häufigste Form des nächtlichen Sauerstoffmangels) bekommt der Körper dann für mindestens eine halbe Minute wenig oder gar keinen Sauerstoff – so lange, bis das körpereigene Alarmsystem den Schläfer für einen tiefen Atemzug aufweckt.

„Gelegentlich kann das bei jedem vorkommen, doch wenn der Schläfer öfter als fünfmal pro Schlafstunde Atemaussetzer hat, muss man etwas tun“, sagt Professor Walter Zidek von der Charité (Campus Benjamin Franklin) in Berlin. Obwohl der Schnarcher die Luftnot und das Hochschrecken gar nicht bewusst wahrnimmt und sich morgens auch nicht daran erinnert, haben das Sauerstoffdefizit und die dadurch ausgelösten Weckreaktionen katastrophale Folgen für den Schlaf und damit für die Gesundheit.

SCHNARCHEN: Schlafraubende Folgen

Schlafapnoen haben für die Betroffenen schlimme Konsequenzen: Das Leiden bringt die Betroffenen an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit und kann zu Herz- oder Hirninfarkt führen

Die Schlafphasen kommen völlig durcheinander, erholsamer Tiefschlaf ist kaum noch möglich. Der Betroffene fühlt sich am Morgen wie gerädert. Wenn das Nacht für Nacht so geht, Erholung überhaupt nicht mehr möglich ist, wird das Leben zur Qual.

Der Betroffene schleicht nur noch mit halber Kraft durch den Tag, ist ständig schläfrig und antriebslos und kann sich nicht konzentrieren. Der Alltag ist ein nicht enden wollender Kampf gegen die Watte im Kopf. „Ich hatte zu nichts mehr Lust“, sagt Bernd Koenig*. „Nichts, was mir früher Spaß gemacht hatte, konnte mich noch reizen. Sex schon gar nicht.“

Doch es bleibt nicht bei psychischen Folgen. Da bei jedem Atemaussetzer die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen, bleibt nicht nur die nächtliche Erholung für das Herz-Kreislauf-System aus, es wird sogar noch übermäßig belastet.

„Schon normale Schnarcher haben eine deutlich erhöhte Neigung zu hohem Blutdruck, mit Atemaussetzern ist das Risiko zwei- bis siebenmal so hoch“, sagt Zidek. Menschen mit hohem Blutdruck haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden.

Wissenschaftler haben ermittelt, dass 30 Prozent der Schlaganfälle mit unbehandelten Schlafapnoen zusammenhängen. 40 Prozent aller Menschen, die unter Schlafapnoe leiden und nicht in Behandlung sind, sterben innerhalb von zehn Jahren – wenn nicht an einem Infarkt, dann an einem durch Übermüdung verursachten Unfall oder einem Selbstmord auf Grund eines niederdrückenden Lebens ohne Energie und Freude.

So richtig erschreckend wird diese Zahl, wenn man weiß, dass rund die Hälfte aller Männer regelmäßig schnarchen. Dass Männer öfter betroffen sind, liegt an ihrem weniger grazil gebauten Gaumen und daran, dass sie eher Fett im Halsbereich ansammeln.

SCHNARCHEN: Rettung im Schlaf

Die Folgen jahrelanger Atemaussetzer auf den Kreislauf lassen sich nicht sofort beseitigen – alle anderen schon. Oft reicht eine einzige Nacht tiefen, erholsamen Schlafs, um sich wie neugeboren zu fühlen: Mit Hilfe der CPAP-Therapie

Dabei schläft man nachts mit einer Maske, über die Luft mit Überdruck an Mund und Nase geführt und so der Verschluss der Atemwege verhindert wird. Das Gerät ist etwa so groß wie ein Duden und verbreitet die Geräusche einer Aquarienpumpe, was viele Patienten stört.

Auch die Maske im Gesicht und die Zuleitungen sind lästig, aber 70 Prozent der Patienten kommen damit klar. „Ich habe es probiert: Wenn ich das Ding mal nicht benutze, wache ich schon nach einer Nacht wie eh und je total zerschlagen auf“, sagt Koenig. „Ich weiß vorher, dass der Tag im Eimer ist.“

Bei anatomischen Ursachen helfen auch Operationen. Zidek: „Überschüssiges Gewebe kann operativ korrigiert, Missbildungen von Gaumen, Kiefer oder Nasenscheidewand können gerichtet werden.“ In leichten Fällen werden Schienen angepasst, die wie Zahnspangen im Mund sitzen und den Unterkiefer leicht nach vorn ziehen. So wird im Rachen Platz geschafft, die Atemwege bleiben frei.

Andere Geräte, die etwa die Zunge nach vorn ziehen und ein Zurückfallen verhindern sollen, sind bisher kaum in unabhängigen Studien getestet worden.

Wer seinen Partner und sein Leben liebt, sollte Schnarchen also ernst nehmen und Übergewicht abbauen, Alkohol am Abend meiden und Rachen und Hals untersuchen lassen.

Ob eine Apnoe vorliegt, wird meist im Schlaflabor ermittelt (Kassen zahlen). „Bei mir sahen die Ärzte sofort, was los ist“, sagt Koenig, der im Schnitt 32-mal pro Stunde fast erstickt. Er betrachtet die Nacht im Schlaflabor als zweite Geburt: „Seit ich den Grund für meine lähmende Müdigkeit kenne und nachts die Maske trage, habe ich wieder ein Leben.“

Schnarch-Test

SCHNARCHEN: Reif fürs Labor?

Testen Sie sich selbst! Wenn Sie die folgenden Fragen beantwortet haben, wissen Sie, wie gefährdet Sie sind.

  • Schnarchen Sie sehr laut?
  • Schnarchen Sie unregelmäßig?
  • Schnarchen Sie in allen Körperlagen?
  • Brauchen Sie unbedingt Ihren Mittagsschlaf?
  • Sind Sie am Tage oft so müde, dass Sie es über einem Buch, während einer Autofahrt oder in einer langweiligen Konferenz kaum schaffen, wach zu bleiben?
  • Sind Sie vergesslich und unkonzentriert?
  • Machen Ihnen Sachen, die Sie früher mochten, inzwischen keinen Spaß mehr?
  • Haben Sie öfter schon früh am Tag Kopfschmerzen?
  • Haben Sie die Lust am Sex verloren, vielleicht sogar Erektionsstörungen?
  • Ist Ihr Blutdruck zu hoch?
  • Haben Sie irgendwelche Herzprobleme?
Schnarch-Test

Wenn Sie öfter als dreimal mit Ja geantwortet haben, könnten Sie unter dem Schlafapnoe-Syndrom leiden. Sie sollten unbedingt mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen oder zu einem Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen.

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