Behandlungsmethode: Schneller fit nach Zerrung oder Faserriss

Nicht jede Sportverletzung muss vom Arzt behandelt werden
Aktives Dehnen senkt den Muskeltonus nach Verletzungen

Früher brauchte ein Muskelfaserriss sechs Wochen zur Ausheilung. Heute sind Profis schon nach 14 Tagen wieder fit. Jetzt verrät FC Bayern-Doc Müller Wohlfahrt die Tricks.

Sportmedizinische Kniffe können auch Amateursportlern mit Muskelverletzungen schneller wieder auf die Beine helfen. Jetzt hat Fußballarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt sein Therapiekonzept im Fachblatt Sportorthopädie, Sporttraumatologie veröffentlicht, mit dem er Muskelverletzungen effektiv behandelt.

Auch bei Müller-Wohlfahrt steht vor der Behandlung die Diagnose. Dazu vertraut er vor allem seinem Fingerspitzengefühl: Der betroffene Muskel wird abgetastet, um klar zwischen Zerrung und Faserriss zu unterscheiden. Ultraschall oder Computertomographie benötigt er in der Regel nicht.

Eine Zerrung braucht fünf Tage
Bei einer Zerrung tritt ein krampfartiger Schmerz auf, der Muskel verhärtet sich plötzlich. Wenn die Verletzung einige Stunden alt ist, kann einen spindelförmige Schwellung tastbar sein, allerdings ohne Unterbrechung in der Kontur. Der erhöhte Muskeltonus soll sich innerhalb von fünf Tagen normalisieren.

Die Behandlung
Sofort 20 Minuten großflächig kühlen. Danach den gezerrten Muskel bis zu 15 Mal passiv dehnen. Dann sieben bis zehn Sekunden aktiv anspannen und entspannen. Danach spritzt Müller-Wohlfahrt seinen Patienten zur Anregung des lokalen Stoffwechsels ein alkoholhaltiges, homöopathisches Präparat in den verletzten Bereich und legt einen Salbenverband an. Vom ersten bis vierten Tag danach wird der Muskel jeweils abgetastet und passiv sowie aktiv durch Anspannen des Gegenspielers (Antagonisten) gedehnt. Dann folgen verschiedene Elektro- und Ultraschallbehandlungen und ein leichtes Bewegungstraining, das von Tag zu Tag gesteigert wird, ohne Schmerzen hervor zu rufen.

Beim Faserriss ist erste Hilfe entscheidend
Ein Muskelfaserriss macht sich durch einen plötzlichen, stechenden und anhaltenden Schmerz bemerkbar. Es lässt sich eine Unterbrechung der Fasern ertasten. Bei schweren Verletzungen bildet sich eine Delle im Muskel. Durch den Riss blutet es in den Muskel: je schneller diese Blutung gestoppt werden kann, desto schneller verläuft die Heilung, so Müller-Wohlfahrt.

Die Behandlung
Sofort: Direkt am Riss wird für eine halbe Stunde ein Druckverband angelegt und ständig gekühlt. Dabei wird der verletzte Muskel zur Entlastung hoch gelegt. Es folgt eine Injektion eines homöopathischen Präparats sowie von Aminosäuren, die die Regeneration der Fasern unterstützen sollen. Danach verordnet Müller-Wohlfahrt seinen Patienten für 24 Stunden Ruhe: Ein Entlastungsverband wird angelegt und das verletzte Glied hoch gelagert.

Tag 1 – 3:
Nach dem Abtasten setzt Müller-Wohlfahrt physiklische Therapien ein, um den Abbau des Blutergusse zu beschleunigen, z.B. Elektrotherapie, Lymphdrainage und Iontophorese. Der Muskeltonus wird durch aktives und passives Dehnen gesenkt. Am zweiten Tag erfolgt eine weitere Injektion.

Tag 4 - 12:
Nach der manuellen Untersuchung erfolgt auch am vierten Tag eine weitere Injektion Dann wird der Muskel aktiviert, zuerst mit Ultraschall. Ab Tag 5 kommen leichte Übungen dazu: Muskelbelastung gegen den Widerstand der Hand sowie leichtes Lauftraining. Bis Tag 12 wird das Training auf das Niveau vor der Verletzung gesteigert. Fußballer können jetzt wieder mit Ball trainieren. Zur Unterstützung gibt Müller-Wohlfahrt seinen Rekonvaleszenten die Vitamine A, C und E, um verletzungsbedingt entstandene freie Radikale abzufangen. Dazu kommen Enzympräparate und Mineralien wie Zink und Magnesium, um die Heilung zu fördern.

Sponsored SectionAnzeige