Formel-1-Champion im Interview: Sebastian Vettel über sich, die Formel E und den aufregendsten Moment beim Rennen

Sebastian Vettel in seinem Ferrari
Sebastian Vettel beim Testen seines Firmenwagens im Januar 2015 im spanischen Jerez de la Frontera

Die "Unaufhaltsamkeit des Starts", die erste Kurve, die Rangeleien mit Konkurrenten. Was geht in den entscheidenden Momenten eines Rennens in Sebastian Vettel vor? Seine Antworten hier im Interview

Ist Sebastian Vettel eigentlich klar, was für ein Erfolgsmensch er ist? "Jeder kann etwas besser als andere", lautet seine Erklärungsformel für seinen Erfolg. Was der 4-malige Formel-1-Weltmeister und derzeitige Ferrari-Fahrer über sich denkt und was der spannendste Augenblick eines Rennens ist, verrät er uns im Interview mit Men's Health-Chefredakteur Markus Stenglein.

Men’s Health: Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie etwas Außergewöhnliches können, was andere nicht können?

Sebastian Vettel: Das ist mir vielleicht selber noch nicht klar geworden. Also, mir ist schon klar, dass ich ein gewisses Talent haben muss. Sonst wäre ich nicht, wo ich jetzt heute bin. Sagen wir es mal so: Ich rede nicht sehr gerne über mich selbst. Deswegen nehme ich das nicht so wahr und nicht so ernst. Ich finde auch, dass mich das nicht zu einem anderen Menschen macht. Ich weiß, dass es mir sehr gut geht, weil ich etwas gefunden habe, was mir schon immer Spaß gemacht hat und ich damit heute noch immer Spaß habe. Von meinen Kumpels aus der Schulzeit hat jeder irgendetwas, das er besser kann als andere. Und somit hat jeder seine Talente, glaube ich, manche sind entdeckt und manche eher nicht.

Men’s Health:  Was ist der aufregendste Moment bei einem Formel- 1-Rennen?

Vettel: Kommt auf das Rennen an, aber ich denke der Start. Da ist man immer nervös, die Lampen gehen an und man weiß: Jetzt zählt es. Diese Unaufhaltsamkeit ist es, die den Moment ausmacht. Es geht jetzt los und nicht in 10 Sekunden. Nicht in 20, nicht in „ich warte noch einmal 2 Minuten, will nochmal kurz was trinken“  – sondern JETZT. Da ist man schon aufgeregt, alle versuchen möglichst viel Strecke zu erkämpfen und dann geht es in die erste Kurve rein. Je nachdem, wie eng die ist, kann es auch manchmal zu eng werden. Das ist das Highlight und erst später kommt es dann auch auf das Rennen an.

Sebastian Vettel abseits der Piste und ganz relaxt
Sebastian Vettel abseits der Piste und ganz relaxt

Men’s Health: Was für Gefühle entstehen in solchen engen Momenten? Rachegefühle?

Vettel: Ja, manchmal schon, das kommt alles vor. Wir sind ja auch nicht langsam unterwegs und jeder versucht eben, seinen Platz zu behaupten. Im ersten Moment, klar, wird man wütend, wenn etwas in die Hose geht. Wenn man selbst einen Fehler gemacht hat, weiß man natürlich, wer schuld ist. Wenn dir jemand reinfährt, dann würde man dem am liebsten zurück in seine Kiste fahren. Aber das macht man natürlich nicht.

Men’s Health: Gibt es Kollegen, die einem lieber ins Auto fahren dürfen als andere?

Vettel: Also, dürfen nicht. Aber man hat schon Kollegen, bei denen das Risiko größer ist, sagen wir mal so. Mit der Zeit lernt man das abzuschätzen. Jeder hat seinen eigenen Stil und bei den einen passt man eben ein bisschen mehr auf als bei anderen.

Men’s Health: Hat man als 4-facher Weltmeister so eine Art Schutz im Formel-1-Feld, so ähnlich wie beim Fahrradfahren, wo der Spitzenfahrer abgeschirmt wird?

Vettel: Nein, eigentlich nicht. Natürlich kann man in der einen oder anderen Situation zusammenarbeiten, aber im Allgemeinen schenkt man sich auch im eigenen Team nichts.

Men’s Health: Fahren Sie eigentlich unrasiert oder rasiert?

Vettel: Teils, teils. Ich habe ja oft einen 3-Tage-Bart – oder eher einen 5- bis 6-Tage-Bart, da er nicht so schnell wächst. Und ich trimme ihn auch oft.

Men’s Health: Macht das einen Unterschied, wenn Sie so eine feuerfeste Maske tragen? Das ist ja ganz schön warm!

Vettel: Ja, das kann man sich vorstellen, wenn man so eine Sturmhaube aufhat. Bei einem 3-Tage-Bart kann es schon mal ein bisschen piksen. Aber während dem Fahren merkt man das nicht. Das fühlt man nur beim An- und Ausziehen.

Men’s Health: Haben Sie ein Pre-Shave, welches Sie vorher auftragen oder greifen Sie einfach zack zum Rasierer, ganz pragmatisch?

Vettel: Teils, teils. Aber eher pragmatisch.

Men’s Health: Wenn Sie sich einen Schnurrbart stehen lassen würden, wie würde der aussehen?

Vettel: Das habe ich schon öfter mal probiert, aber nichts Extremes  oder Verrücktes. Für das Rennen in Austin in Texas, einer coolen und hippen Stadt, wo wirklich jeder Mann etwas mit seinem  Bart macht, da mache ich einmal im Jahr was Lustiges, Kotletten oder so. Das gehört auch irgendwie zur Stadt dazu.

Sebastian Vettel beim Testen seines Ferrari in Barcelona im März 2015
Benzin im Blut. Sebastian ist in Sachen Motorsport ein Tradionalist: "Der Sound und das Vibrieren vom Motor gehört dazu!"

"Ich werden nie Formel E fahren"

Men’s Health: Waren Sie auch schon mal in einem Barbershop?

Vettel: Ja, das habe ich auch schon mal gemacht, finde ich ganz lustig. Ist nicht für jeden Tag, dauert ein bisschen lang. Zu Hause ist mir lieber, da geht es einfach schneller. Als Mann gibt es ja nicht so viele Wellness-Sachen, mit denen man sich verwöhnen lassen kann. Da ist der Bart ja schon fast das Einzige. Frauen können sich die Nägel oder Füße machen lassen, Männer hingegen zelebrieren das nicht so.

Men’s Health: Was müsste passieren, dass Sie in der Formel E fahren?
(Anmerkung der Redaktion: Das ist die FIA- Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor)

Vettel: Ich werde nie in der Formel E fahren.

Men’s Health: Warum?

Vettel: Ich finde, der Motorsport hat, wie der Name schon sagt, was mit Motoren zu tun. Jetzt kann man sagen, E-Motor seien auch Motoren. Aber ich kann mich mit dem Thema im Rennsport nicht sehr anfreunden. Ich glaube, ich bin ein sehr traditioneller Mensch, was manche Dinge angeht, und finde, da gehören einfach der Sound und das Vibrieren vom Motor dazu.

Men’s Health: Letzte Frage. Was erzählen Sie mal Ihren Enkeln, was Sie die vergangenen 10 Jahre gemacht haben?

Vettel: Noch habe ich ja keine Enkel. Das dauert noch ein bisschen. Wenn Enkel da wären, kommt es drauf an, was ich dann mache. Ich werde sehr, sehr wahrscheinlich nicht mehr in der Formel 1 fahren. Ich würde mir wünschen, dass ich ihnen eine Geschichte erzählen kann, die vielleicht nicht jeder kennt. Was nicht meine Karriere oder die Formel 1 angeht. Ich würde mir wünschen, dass ich von etwas erzählen kann, dass ich danach entdeckt habe und das mir genauso viel Spaß bereitet hat.

Men’s Health: Herzlichen Dank.

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