Werbeeffekt: Sexfilme lenken ab

Ablenkungseffekt bei Erotikfilmen
Für die Werbepausen hatte er sich was ganz leckeres einfallen lassen

Wer Sex- oder Gewaltfilme schaut, hat keine Augen für die Werbung dazwischen. Gibt es bald Sexfilme ohne Werbung?

"Sex sells", Sex verkauft sich, heißt es in der Werbebranche. Richtiger wäre, "Sex lenkt ab" – sagt zumindest Psychologe Brad Bushmann an der Uni in Ames im US-Bundesstaat Iowa. Die Zuschauer achten angeblich bei solchen Filmen nicht mehr auf die Werbespots dazwischen.

Um das zu beweisen, zeigte Bushmann über 300 Erwachsenen unterschiedliche Filme mit den selben neun Werbespots. Die Filme hatten entweder einen neutralen Inhalt, waren gespickt mit Gewaltszenen oder zeigten Sex. Unmittelbar danach mussten die Leute sagen, an welche Werbung sie sich erinnerten.

Wer die Sex- oder Gewaltfilme gesehen hatte, erinnerte sich durchschnittlich an zwei Spots, Neutral-Filme-Gucker an drei. Wenn sie am nächsten Tag noch mal gefragt wurden, erhöhten sich zwar die richtigen Tipps, aber die Verhältnisse blieben gleich.

Sex schlecht für Spots
Bushmann schließt daraus, dass erotische oder gewalttätige Inhalte den Zuschauer aufregen und seine Aufmerksamkeit binden. Das könne also nicht das richtige Umfeld für Fernsehwerbung sein, schreibt er im Fachblatt Journal of Applied Psychology.

Dagegen wendet aber Tom Reichert ein, Professor für Werbung von der Universität Alabama, dass er keinen Sinn darin sieht, in neutralen Filmen zu werben, wenn die Zielgruppe diese Filme gar nicht anschaut.

Außerdem könnte man noch dagegen halten, dass der Unterschied zwischen zwei oder drei erkannten Werbungen von neun gesendeten nicht wirklich relevant sein kann. Und wenn es keine Werbung mehr während der Filme gäbe: Wann sollte man sich dann frisches Bier holen?

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