Gefahren abseits der Pisten: Sicherheit und Tipps für den Notfall

Freeriding
Mit der richtigen Ausrüstung fahren Sie sicherer

Freeriding ist Spaß – Trotzdem sollten Sie die Gefahren nicht außer acht lassen. Wie Sie unbeschadet bleiben, zeigen Check 5 und 6

5. Check: Sicherheit
Die Theorie: Keine Frage, Freeriding ist ein gefährlicher Sport. Kaum ein Winter vergeht, in dem nicht Ski- oder Snowboarder tot aus abgegangenen Lawinen geborgen werden. "Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung lässt sich das Risiko aber weitgehend minimieren", sagt Kern, der Sportlern in Lawinen-Camps die wichtigsten Kenntnisse in Sachen Lawinenbildung vermittelt. Auch gut: die Kurse des Deutschen Alpenvereins (www.alpenverein.de) und die Snow & Avalanche Awareness Camps (www.saac.at). Wer einmal so einen Kurs gemacht, kann den Berg "lesen" und die Gefahr besser einschätzen. Zusätzlich sollte man immer einen Guide an der ­Seite haben. Zur Grundausstattung in Sachen Sicherheit gehören ein Lawinenschutzgerät (LVS), eine Lawinensonde (Min­dest­länge: 2,40 Meter) und eine Schaufel. Wichtig: Vor dem ersten Anliften checken, ob das LVS funktioniert. Nur dann können defekte Geräte vorab noch ausgetauscht werden. Zudem ratsam: ­Erste-Hilfe-Set samt Wärme­decke und Handy (vorher Notrufnummer der Bergwache einspeichern). Kern: "Je nach Wetterlage kann’s lange dauern, bis die Notrettung am Unfallort ankommt." Ein leichter, aber trotzdem robuster Helm ist Pflicht (siehe Kasten rechts). Wer in sehr schwierigem Gelände unter­wegs ist, greift zu Rückenprotektoren und einem Vollvisierhelm mit Kinnschutz.

Meine Praxis: Hätte ich mich an den Einheimischen orientiert, hätte ich jetzt ein Problem – und anstatt eines Helms eine Fellmütze im Schlappohren-Style auf. So aber beruhigt mich ein Blick in meinen Rucksack: Mein Safety-Equipment ist komplett. Nur das LVS trage ich, dem Rat von Skiguide Kern folgend, separat in der Jacken-Innentasche: "Reißt einem ­eine Lawine den Rucksack vom Rücken, nützt das LVS nichts, wenn es sich darin befindet." ­Unten am Heli-Landeplatz haben wir einen Cross-Check durchgeführt (zuerst war James der Sucher, die anderen Sender, dann umgekehrt), um die Funk­tions­fähigkeit ­aller LVS-Geräte zu kontrollieren.
Ich fühle mich sicher, viele Ausreden bleiben nicht mehr. Der vorletzte Check: bestanden.

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Freeriding: Diese Teile können Leben retten 11 Bilder

6. Check: Notfall-Versorgung
Die Theorie: Die beste Ausrüstung ist wertlos, wenn man damit nicht umgehen kann. Kern: "Der schnelle Umgang mit dem LVS bedarf regelmäßiger Übung, damit die nötigen Automatismen greifen. Viele Anfänger finden über die Anzeige des LVS zwar den ungefäh­ren Standort des Opfers, aber bei der Punkt­ortung mit der Sonde werden sie nervös." Auch hier gilt: In Lawinencamps unter An­leitung lernen. Und alle 6 Monate das ­Erste-Hilfe-Wissen auffrischen. Nach der Bergung des Verschütteten (10 Minuten kann er unter der Schneedecke überleben), müssen Sie Mund und Nase von Schnee befreien und notfalls mit der Wiederbelebung beginnen.

Meine Praxis: Ich zweifle. Einen Erste-Hilfe-Kurs habe ich kurz vor der Abreise noch besucht, ein Lawinencamp dagegen noch nie. Aber zumindest hat mir Juri gestern etwas von seiner 45-jährigen Skierfahrung abgegeben und mit Hilfe einer vergrabenen Mütze die wichtigsten Schritte der Suche nach Verschütteten simuliert. Noch einmal im gedanklichen Schnelldurchlauf: LVS auf Empfang stellen, Opfer orten – dem Pfeil auf der Anzeige folgen und von der Stelle, an der das LVS die kleinste messbare Distanz (0,5 Meter) zum Sender angibt, nacheinander in alle vier Himmelsrichtungen entfernen, bis der Sender die nächstgrößere Distanz (0,7 Meter) anzeigt und diese vier Punkte im Schnee verbinden – in diesem Bereich muss der Verschüttete liegen. Nun mit der Sonde in den Schnee stochern, bis man auf Widerstand stößt. Stab stecken lassen, mit der Schaufel von der Seite den Weg zum Opfer freigraben.

Dieses Wissen und die Tatsache, dass ich in einer erfahrenen Gruppe mit Guide unterwegs bin, ­lassen meine letzten Zweifel verfliegen. Auch der finale Check ist bestanden. Also dann, los geht´s! James schaut mich an, brüllt: "Bist du bereit?" Ohne zu zögern rufe ich zurück: "Jaaaa!" James nickt, greift sein Board und steigt aus dem Heli, der knapp einen Meter über dem Gipfel schwebt. Ich habe weiche Knie. "Reiß dich zusammen", befehle ich mir selbst. Wie in Trance springe ich hinterher. Der Blick auf das schneebedeckte Kaukasusgebirge und die un­vorstellbaren Massen feinsten Tiefschnees, die nur darauf zu warten scheinen, von mir durchpflügt zu werden. Nach wenigen Metern Fahrspaß fühle ich mich ­sicher, genieße den sensationellen Powder – endlich ganz ohne zitternde Hände.

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