Ernährungsgewohnheiten: Sind Ballaststoffe nur Ballast?

Bananen sind ballaststoffhaltig
Ballaststoffquelle Banane: Wirkt sie gegen Krebs?

Forscher fanden Verbindungen zwischen dem Verzehr von Ballaststoffen und Krankheiten

EPIC ist eine prospektive, also vorausblickende Langzeitstudie. Das bedeutet: Die 520 000 Probanden in zehn europäischen Ländern waren beim Start Mitte der 90er-Jahre gesund. Seitdem wird über ihre Ernährungsgewohnheiten sowie auftretende Erkrankungen und Todesfälle Buch geführt. Zwar sind prospektive Studien wesentlich genauer als retrospektive, bei denen bereits Kranke nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt werden, sie haben aber trotzdem Fehlerquellen. So sind die alle zwei Jahre auszufüllenden Fragebögen zwar aufwendig, bleiben aber dennoch nur Stichproben. Zudem kann niemand garantieren, dass alle Teilnehmer sie gewissenhaft ausfüllen.

Und selbst wenn alles passt: Die Ergebnisse können keine kausalen Zusammenhänge aufdecken, sondern nur das gemeinsame Auftreten von Fakten. Falls also Honig-Fans häufig Rheuma bekommen, kann das etwas miteinander zu tun haben, muss aber nicht.

Die Storchenstatistik
Wissenschaftler sprechen von einer Storchenstatistik, wenn zwei Phänomene zwar zeitgleich auftreten, aber nicht ursächlich zusammenhängen – so, wie Störche und Geburten gleichzeitig seltener geworden sind, was aber trotzdem nicht heißt, dass der Klapperstorch die Babys bringt. Diese Einschränkungen entwerten keineswegs die Ergebnisse solcher Studien, für eine seriöse Bewertung muss man sie aber im Hinterkopf behalten. Im Beispiel wäre das gemeinsame Auftreten von Honigkonsum und Rheuma nur ein Ansatzpunkt, um weiterzuforschen und den Zusammenhang schließlich zu erhärten oder zu widerlegen.

Gemüse ist ballaststoffreich

Gemüse ist ballaststoffreich

Umgekehrt kann etwas scheinbar Unabhängiges doch zusammengehören – es fehlt nur ein Puzzleteil. Beispiel: Eine große prospektive US-Studie fand keinen Zusammenhang zwischen dem erhöhten Verzehr von Ballaststoffen und seltenerem Auftreten von Darmkrebs. Forscher vermuteten, dass selbst die Probanden mit den höchsten Verzehrmengen – im Schnitt 24 Gramm pro Tag – immer noch zu wenig aßen, um einen positiven Effekt zu bewirken.

Das scheinen die EPIC-Ergebnisse zu bestätigen, denn danach senken mehr als 35 Gramm Ballaststoffe täglich das Darmkrebsrisiko um 40 Prozent. Die Verbindung zwischen der Obst- und Gemüse-Verzehrmenge und Darmkrebs war dagegen viel wackeliger, obwohl Früchte zu den wichtigsten Ballaststoffquellen überhaupt gehören. Bei anderen Krebsarten zeigte sich in den Daten ebenfalls kein deutlicher Zusammenhang. Einzige Ausnahmen: Viel Grünes zu essen, ist besonders bei Männern mit einem geringeren Risiko für Mund-, Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs verbunden; bei Lungenkrebs gab es diese Verbindung nur zu Obst.

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