Sind Sie bereit für eine Mingle-Beziehung?

Sind Sie geeignet für eine Mingle-Beziehung?
Offene Beziehung oder wahre Liebe als Paar? Zwischen 20 und 30 wollen sich heutzutage die wenigsten ernsthaft binden

Mingles stehen auf Sex, aber nicht auf feste Bindungen. Wir verraten die Vorteile des unverbindlichen Beziehungstrends und erklären absolute No-Gos einer offenen Beziehung

Was sind Mingles?

Sie treffen sich. Sie küssen sich. Sie schlafen miteinander. War dies früher der Beginn einer Beziehung, bleibt es heute lieber unverbindlich. Oft ist das der Anfang einer offenen Beziehung, auch Mingle-Beziehung genannt. "Mingle" wird dem Hamburger Trendforscher Peter Wippermann zugeschrieben, es ist eine Wortschöpfung aus "mixed" und "single". Mingles sind halb in einer Beziehung, aber auch halb Single. Irgendwas zwischen "Mal sehen, ob sich noch was Besseres findet", "Ich möchte mich nicht festlegen" und "Freunde, die sich das Bett teilen“. Ein Beziehungstrend für Unentschlossene, der Trends wie "Friends with Benefits" und "Fuckbuddy" abgelöst hat. Statt sich mit einer guten Freundin oder einer Affäre nur für Sex zu treffen, führt man eine Halbbeziehung. "Eine unverbindliche Zweisamkeit, die einer Beziehung zwar ähnelt, aber keine ist. Weniger Verpflichtungen und der Wunsch, frei zu sein, prägt diese Beziehungsform", erklärt uns Ulrike Fuchs, Persönlichkeitstrainerin, die in ihrer Praxis Menschen mit Liebeskummer, sprich der Folge aus Mingle-Beziehungen, unterstützt. Mingles stehen auch nicht automatisch auf Dreiecksbeziehungen, wie etwa beim Beziehungstrend Polyamorie. Wer polyamor lebt, liebt gleich mehrere Menschen gleichzeitig. Mingles wollen eine Zweierbeziehung, aber eben ohne Zwänge. Sie wollen nicht mehr Single sein, sich aber nicht auf Liebe und ein Leben miteinander einlassen.

Warum ist eine offene Beziehung so einfach?

Die Mingle-Beziehung trifft den Zeitgeist ziemlich genau. Die Auswahl an potentiellen Partnern ist durch die vielen Single-Portale und Online-Dating-Apps nahezu unbeschränkt. Nie war das Kennenlernen so leicht wie heute. Ganz egal, ob es nun auf eine Beziehung oder auf Sex hinausläuft. Fuchs: "Warum nur eine hübsche Blume wählen, wenn es doch so viele gibt?" Die Angst, sich zu binden und etwas Besseres zu verpassen, ist groß.

Für wen ist das Mingle-Dasein besonders attraktiv?

Menschen, die gerade frisch getrennt sind und Angst davor haben, wieder verletzt zu werden, entscheiden sich oftmals für eine Mingle-Beziehung. Möglicher Grund: Sie können nicht alleine sein, finden das Leben als Single langweilig. Also wählen sie eine Art Lückenbüßer, bis sie wieder bereit für etwas Ernstes sind. "Beide würden das aber niemals zugeben", weiß Expertin Fuchs. Und sie würden sich auch niemals als Paar bezeichnen. 63 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen können sich eine Mingle-Beziehung vorstellen, so das Ergebnis einer repräsentativen GfK-Umfrage. Besonders beliebt ist der Trend unter den 20- bis 49-Jährigen. Aber selbst bei den 50- bis 59-Jährigen findet jeder Vierte eine Mingle-Beziehung erstrebenswert. Kein Wunder, schließlich werden in einer Mingle-Beziehung neben den körperlichen auch Bedürfnisse wie Nähe und Geborgenheit zumindest teilweise befriedigt. Mingles machen alles, was klassische Paare auch tun. Gemeinsame Dates, gemeinsame Besuche auf Geburtstagen von Freunden, gemeinsame Wochenendtrips und Sex – nur ohne Verpflichtungen und Kompromisse. Ist doch ganz praktisch, wenn man auf Familienfeiern nicht immer am Single-Tisch sitzen muss, oder? Mingle-Beziehungen versprechen unbegrenzte Möglichkeiten. Alles kann, aber nichts muss. Tagelang nichts von der anderen Person zu hören, ist ganz normal. Und wird die Mingle-Freundin zu anstrengend, muss man nicht einmal Schluss machen. Schließlich ist man ja nicht zusammen, führt kein Leben miteinander. "Es ist eine Form der Liebe scheinbar ohne Alltagsfrust", so Fuchs. 

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3 Gründe, warum Sie eine Mingle-Beziehung eingehen sollten

1. Sie wollen sich nicht festlegen
Sie lieben es lieber unverbindlich? Wollen sich nicht festlegen? Wer will schon zusätzlich zum normalen Stress noch andauernd anstrengende Beziehungsdiskussionen führen? Schließlich wird aus einer Beziehung schnell Routine und das ist heutzutage nicht mehr jedermanns Sache. An dieser Stelle ist es in einer Mingle-Beziehung leicht, "Tschüss" zu sagen. Ein spannender Job bringt oft jede Menge Stress mit sich. Privat muss es für viele daher eher einfach und unkompliziert sein. "Es sinkt die Bereitschaft, sich zusätzlich mit Stress und Streitigkeiten auseinander zu setzen. Eine Partnerschaft verlangt schließlich Kompromisse", erklärt Fuchs. 

2. Sie stecken beruflich in einer Selbstfindungsphase 
Zwischen 20 und 30 wollen sich heutzutage die wenigsten ernsthaft binden, sie machen eine ganz normale Selbstfindungsphase durch. Die Selbstverwirklichung steht um einiges höher im Kurs als der Wunsch nach dem Partner fürs Leben. Viele wechseln für Studium, Praktikum und Job häufig den Wohnort. Man will austesten, was man mit seinem Leben machen möchte, weiß die Expertin. Wer sich dann für einen Beruf entschieden hat, unterschreibt einen Arbeitsvertrag – befristet natürlich. Wer weiß, vielleicht findet sich ja in den nächsten Jahren ein besserer. Eine feste Beziehung ist da häufig hinderlich. Denn sie kostet vor allem auch Zeit. "Mingle-Beziehungen gleichen einem befristeten Arbeitsvertrag, der immer wieder verlängert werden muss." 

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3. Sie sind auf der Suche nach der perfekten Partnerin
Bei der Wahl der Partnerin sind viele genauso wählerisch wie bei der Berufswahl. Die Freundin soll schon mindestens eine 8 oder 9 sein. Intelligent, super schön, sexy, eine Granate im Bett, ein Kumpel und humorvoll soll sie sein. Solange die nicht gefunden ist, wird auch keine Beziehung eingegangen. Folge: Halb-Beziehungen mit Frauen, die man zwar gerne mag, mit denen man sich aber nicht ernsthaft binden will. Vielleicht kommt ja noch eine bessere. 

Wer ist nicht für eine Mingle-Beziehung geeignet?

Nicht jeder kann Mingle werden. Was im Vergleich zu einer festen Beziehung in einer Mingle-Beziehung fehlt, ist die Sicherheit, dass der Partner bzw. die Partnerin zu einem steht. Es fehlt Vertrauen, was aber elementar für jede Art von Beziehung ist. Das macht das Leben als Mingle so schwierig. In einer Mingle-Beziehung gibt es weniger Rücksicht und kaum Kompromisse. Mingle-beziehungsunfähig sind Menschen, die besonders eifersüchtig, hoffnungslos romantisch oder auf der Suche nach etwas Ernsthaftem sind. Oder anders formuliert: Wer Sex und Liebe nicht trennen kann, ist Mingle-ungeeignet.

Wer eine Mingle-Beziehung eingeht, muss unbedingt darauf achten, dass die Fronten von Anfang an geklärt sind
Wer eine Mingle-Beziehung eingeht, muss unbedingt darauf achten, dass die Fronten von Anfang an geklärt sind

Diese 3 Spielregeln einer Mingle-Beziehung sollten Sie einhalten

Zu einer Mingle-Beziehung gehört vor allem Ehrlichkeit. Was also machen, wenn pötzlich ein neuer potentieller Partner auftaucht? Den alten loswerden oder doch behalten? Und was passiert, wenn plötzlich Liebe im Spiel ist?

1. Reden und Klarheiten schaffen
Wer eine Mingle-Beziehung eingeht, muss unbedingt darauf achten, dass die Fronten von Anfang an geklärt sind, rät die Expertin. Kommunikation ist hier wirklich das A und O. Sie möchten auch mit anderen schlafen? Eigentlich kein Problem, solange Sie das vorher abgeklärt haben. Und selbst wenn Sie von Anfang an gesagt haben, dass Sie nicht an einer ernsthaften Beziehung interessiert sind, sollten Sie die Entwicklung genau im Auge behalten. Viele Frauen hoffen, den Mann zu "knacken" und denken sich "Er wollte keine Beziehung, aber da kannte er mich ja noch nicht!". Das Hoffen auf ein Happy-End ist vor allem bei Frauen tiefer verankert als Sie vielleicht vermuten. Mingles sollten sich klar entscheiden, was sie wollen und das auch eindeutig kommunizieren. Legen Sie Grenzen fest. Sex und Spaß ohne Konsequenzen oder Treue und gegenseitige Fürsorge? Beides geht nicht.

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2. Bei Gefühlen ein Ultimatum stellen
Eine Mingle-Beziehung scheitert dann, wenn sich einer der Partner verliebt. Fuchs: "Früher oder später möchte eine Person wissen, woran sie beim Gegenüber ist." Wer Gefühle entwickelt, sollte mit "Entweder ganz oder gar nicht!" ein Ultimatum setzen, bevor sich die große Enttäuschung breit macht und ein Beziehungsdrama entsteht. Im Umkehrschluss sollte die Person, die nicht mehr als eine Mingle-Beziehung möchte, das Ganze beenden, sobald sie merkt, dass auf der anderen Seite mehr als die anfängliche Zuneigung im Spiel ist. Ansonsten fügen Sie ihr echten Schaden zu. Spielen Sie daher unbedingt immer mit offenen Karten: Leidet einer, muss man sich entscheiden. Auch wenn bei dieser Art der Beziehung nicht unbedingt ein Trennungsgespräch notwendig ist, nehmen Sie sich Zeit, um mit ihr zu reden, statt sie einfach zu "ghosten". 

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3. Romantik vermeiden
Um von Anfang an zu vermeiden, dass Sie sich in Ihren Mingle-Partner verlieben oder umgekehrt, sollten Sie klassische romantische Situationen vermeiden. Dazu gehören Candlelight-Dinner, Händchenhalten im Kino wie ein Wochenendtrip ins Pärchenhotel. Die Chance, dass sich einer trotz Absprachen verliebt, ist hier sehr groß.

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