Digital's Trend: Smart Clothing

Wearable Trend: Smart Clothing
Der BB.Suit von Borre Akkerdsijk erzeugt seinen eigenen Wlan-Hotspot

Nach Smartphone und Smartwatches kommt nun Smartwear. Wir zeigen Ihnen die interessantesten Trends rund um smarte Kleidung:

Unsere Welt wird immer digitaler. Dabei verlässt die Technik zunehmend das Display, um sich mehr und mehr in unsere Alltagswelt einzufügen. Bestes Beispiel: Smart Clothing - Kleidungsstücke, die Technik und Tragbarkeit vereinen. Der Verkauf von tragbarer Technologie soll laut Prognosen von Statista bis 2019 auf 8,4 Millionen Kleidungsstücken jährlich ansteigen. Dieser Trend wird auch von große Unternehmen wie Google vorangetrieben. Der Suchmaschinenriese kooperiert in seinem Jaquard Project mit großen Modemarken wie Levi und Under Armour, um gemeinsam die intelligente Kleidung der Zukunft zu entwickeln. Gleichzeitig basteln zahlreiche, kleine Start-ups und junge Modedesigner an neue Ideen, die unsere Kleidung digital vernetzen und mit smarten Funktionen ausstatten.

Fitte Funktionsshirts analysieren Ihre Performance
Ein naheliegender Ansatzpunkt für smart Clothing ist das Fitness-Tracking. Als konsequente Weiterentwicklung von Sportarmbändern, Tracking-Uhren und Fitness-Apps sind Kleidungsstücke, erfassen sie Körperdaten beim Sport und werten diese aus. Neben internationalen Marken wie Ralph Lauren, die kürzlich ihr Fitnessshirt Polo Tech launchten, bringen auch kleine Start-ups wie Ambiotex aus Mainz intelligente Sportshirts auf den Markt. Die intelligenten Sportshirts sind mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, die Bewegungen, Atmung und Herzschlag messen und die Ergebnisse in einer zugehörigen App analysieren. Was früher noch Science-Fiction war, machen in den Nylonstoff eingewebte Sensoren und Silberfasern heute möglich.
Das Ambiotex-Shirt wirbt zusätzlich mit einem besonderes smarten Feature: Bei Leistungssportler lässt sich durch die präzise Messung sogar die individuelle anaerobe Schwelle bestimmen, die sonst durch einen Laktattest beim Arzt ermittelt wird. Das gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt Shirt kostet stolze 250 Euro.

Lässiger Einteiler oder textiler Wlan-Hotspot? 
Viele Erfindungen im Bereich der Techfashion spiegeln den Lifestyle dieser Generation wieder. Schnelles Internet brauchen wir heute in unserer digitalisierten Gesellschaft immer und überall. Warum also nicht einfach selbst zum WiFi-Hotspot werden und so sich selbst und Freunde in der direkten Umgebung mit einer schnellen Internetverbindung beglücken?Genau das dachte sich auch der niederländische Designer Borre Akkerdsijk und erfand den BB.Suit, einen Wlan-Overall aus Kupferdraht und Wolle. Ausgestattet mit Batterien, Wifi und GPS wird das Kleidungsstück zum vernetzten Superman-Anzug 2.0, der sich online per Google Maps verfolgen lässt. Wer sein Smartphone oder Tablet mit dem Anzug-Hotspot verbindet, kann zusätzlich auf eine gemeinsame Musikplaylist zugreifen.  
Doch das war dem Niederländer noch nicht genug: Für die Design Week in Beijing entwickelte er seinen Onesie weiter. Er integrierte ein Luftfiltersystem in den Anzug, das in der Lage ist Luft in einem Radius von 30 Quadratmeter vom chinesischen Großstadt-Smog zu reinigen.  
Für den Massenmarkt ist das Konzept allerdings nicht geeignet. Bisher gibt es nur zwei Prototypen. Denn der Hightech-Anzug hat einen großen Nachteil: der hochtechnisierte Overall ist nicht waschbar.

Technik trifft Textilien
Vor dieser Herausforderung der technisierten Mode steht auch die Berliner Designerin Lisa Lang. „Die Waschbarkeit ist ein Problem, denn bisher kam Technik ja eher selten und wenn dann unfreiwillig in Kontakt mit Wasser”, erklärt sie. Mit ihrem Techfashion-Label ElektroCouture kreiert Lang alltagstaugliche Technologie und sagt damit eine leuchtende Mode-Zukunft hervor. Lang weiß: „Der Mainstream hat Angst vor Technik, niemand will wie ein Roboter herumlaufen.” Deshalb hat ihre smarte Kleidung keine komplizieren, technischen Features, sondern bricht die Kombination von Technologie und Mode auf ein einfaches Konzept herunter: Mit kleinen, in den Stoff eingearbeiteten LEDs macht sie Licht tragbar. Ihre Kollektion  aus leuchtenden Jacken, Westen, Schals, Ketten und Armreifen verkauft sie über den Online-Designshop ASOS. Lang ist sich sicher: Es gibt einen Markt für Techfashion, „allerdings nur, wenn diese tragbar ist, gut sitzt und man damit auch mal auf die Toilette gehen kann, ohne eine Stromschlag zu kriegen.“

Funktionale Kleidung, die Leben rettet
Welche nützlichen Funktionen intelligente Kleidung erfüllen kann, zeigt ein Projekt der Berliner Modedesignerin Julia Danckwerth. Sie entwickelte ein textiles Assistenzsystem für Demenzkranke, das an der Innenseite der Kleidung angebracht und jederzeit wieder entfernt werden kann. Ausgestattet mit verschiedenen Sensoren soll es 5 Funktionen erfüllen: Es erkennt, wenn die Person gestürzt ist, sendet Notrufsignale, kann die Person per GPS orten, ist per Bluetooth mit den Angehörigen verbunden und erkennt sogar, wenn vergessen wird die Herdplatte auszuschalten. Diese Idee wurde bei den Berlin Awards 2015 mit einem Preis für Wearable IT ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld will Danckwerth nun die Prototypen entwickeln. Die Realisierung erfolgt dann zusammen mit dem Fraunhofer Institut. „Technologie und Mode zu verbinden, bietet wunderbare neue Möglichkeiten. Dabei steht für mich immer die Funktionalität im Vordergrund – Kleidung kann mehr als nur gut aussehen”, sagt Danckwerth.

Wearable Trend: Smart Clothing
Das Solar Shirt von Pauline van Dongen erzeugt selbst nachhaltige Energie

Kann Kleidung zu smart sein?
Was bedeutet es eigentlich für den Datenschutz, wenn in Zukunft auch noch unsere Kleidung immer smarter und vernetzter wird? Diese Frage stellen sich auch die Techfashion-Visionäre. Mit großer Sorge beobachtet Lisa Lang, wohin sich die Wearable Technologie schon heute entwickelt hat: „Auch wenn es möglich ist, sollten wir unserer Kleidung nicht zu viele Daten über uns anvertrauen”, sagt sie. Bei vielen Fitness-Trackern wisse niemand genau, wo die gesammelten Daten landen. Ihre Horrorvorstellung: „Stellen Sie sich vor, ein Diabetiker geht in den Supermarkt und kauft entgegen ärztlichen Anweisung eine Tüte Chips. Am nächsten Tag bekommt er einen Anruf von seiner Krankenversicherung, weil seine übersmarte Jacke ihn verpetzt hat.” 
Auch Danckwerth weiß, dass sich ihr Assistenzsystem auf dem schmalen Grat zwischen Sicherheit und Überwachung bewegt: „Deshalb denken wir schon jetzt über Möglichkeiten nach, die Datensicherheit für den Anwender so gut wie möglich zu gestallten. Sei es indem wir nur deutsche Server nutzen oder einzelne Funktionen ganz ohne Internetverbindung ermöglichen”, sagt sie.

Eine Frage der Energie
Trotz aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten sagt Lang: „Der technische Fortschritt macht uns auch verschwenderisch.” Durch die zunehmende Technisierung aller Lebensbereiche werden wir immer abhängiger von einer wichtigen Ressource: Energie. „Woher soll der Strom für all die Hightech-Kleidung eigentlich kommen?”, fragt sich Lang. Ihre Vision: Kleidung, die Strom über Bewegung, Solarzellen oder Körperwärme selbst erzeugt. 
Diesem Ziel ist Pauline van Dongen schon einen Schritt näher: Die junge Designerin entwickelte ein Shirt, das Solar-Panels, flexible Elektronik und moderne Street-Fashion kombiniert und ganz nebenbei eigenen Strom produziert. Bei strahlendem Sonnenschein erzeugen die dünnen Solarzellen etwa 1 Watt - genug um ein Smartphone innerhalb weniger Stunden aufzuladen. Egal ob Handy, Tablet, Kamera oder Navi, alle Devices, die sich per USB anschließen lassen, kann das Solar-Shirt aufladen. Und wenn gerade alle mobilen Devices aufgeladen sind, speichert ein integrierter Akku die Energie für später. Dabei sehen die Solarzellen, die in den dunkelblauen Stoff eingewebt sind, aus wie ein trendiges Muster. Schon bald soll die Produktion für den Verkauf des hippen Öko-Shirts starten.

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