Smudos Lebens-Rat: Umgang mit dem schnellen Wort

Schnelles Sprechen: Smudo weiß Wort-Rat

Rapper und Rennfahrer Smudo liebt es schnell – fast immer. Für Men’s Health verrät der Tempomat die richtige Geschwindigkeit für jede Lebenslage

MH: Sie sind ein wahrer Schnellsprecher. Kann man das lernen?
Smudo: Keine Ahnung! Mir wurde das Talent in die Wiege gelegt. Bis zur dritten Klasse hatte ich immer eine Eins im Lesen. In der vierten las ich so schnell, dass mich keiner mehr verstand. Ab da gab’s nur noch eine Zwei.

MH: Wie haben Sie gelernt, deutlich zu sprechen?
Smudo: Durch ein Sprechtraining. 1. Regel: Immer den Mund aufmachen. 2. Aus dem Bauch heraus atmen. Dann entwischt die Stimme nicht so schnell in hohe Tonlagen. Zum Üben legt man sich auf den Rücken, atmet tief ein. Hände auf den Bauch legen, Luft gleichmäßig ausströmen lassen. Das macht man ein paar Wochen lang.

MH: Mögen Frauen eigentlich Männer, die schnell und viel reden?
Smudo: Neulich erzählte mir eine Frau, dass sie noch kein Typ so in Grund und Boden gelabert hat wie ich. Das kam wohl nicht so gut an. Dabei habe ich mich schon zurückgenommen.

MH: Trainiert schnelles Sprechen auch die Schlagfertigkeit?
Smudo: Der schnelle Umgang mit dem Wort hat sicher etwas damit zu tun. In meinem Fall ist das eine Mischung aus wortreichem Leben und vielleicht etwas überzogenem Selbstbewusstsein.

MH: Gibt es eine Technik, seine Schlagfertigkeit zu trainieren?
Smudo: Ich rede und unterhalte mich sehr gerne. Ich höre aber auch einfach gerne nur zu. Oder belausche fremde Gespräche. Da habe ich richtig Vergnügen dran. Beim ersten Album mit den Fantastischen Vier habe ich auch ein Reimlexikon benutzt. Für einen Rapper war das damals wie ein Paar Laufschuhe für den Jogger.

MH: Sie sind nicht nur vor dem Mikro schnell, sondern auch hinter dem Steuer. Gibt es da Gemeinsamkeiten?
Smudo: Die einzige Parallele dabei ist meiner Meinung nach der Rhythmus. Das Rhythmusgefühl kommt beiden Tätigkeiten zugute. Und bei beiden lässt es sich auch trainieren und verbessern.

MH: Bei so viel Tempo: Wie bremsen Sie sich aus?
Smudo: Beim Laufen kann ich mich gut entspannen. Da habe ich das Gefühl, dass mein Körper so gut funktioniert, dass mein Geist in Ruhe spazieren gehen kann. Eine andere Möglichkeit ist, sich einfach irgendwo ein Hotelzimmer zu nehmen. Dann habe ich nichts um mich herum, was mich ablenkt. So setze ich mich einer bewussten Langsamkeit aus. Und dann fährt auch mein innerer Takt herunter.

MH: Gibt es auch etwas, dass Sie nur ganz langsam machen?
Smudo: Klar! Zwei Sachen. Die eine geht Sie aber nichts an. Die andere ist Texte schreiben. Dafür brauche ich viel Zeit. Kreative Arbeit bedarf einer kontrollierten Langsamkeit. Ich trinke auch gerne ein Glas Rotwein und gucke dabei aus dem Fenster. Ich glaube nur, dass ich das schneller mache als andere.

MH: Kommt die Kreativität dann von ganz allein?
Smudo: Das reicht leider nicht! Man muss vieles austesten, zum Beispiel eine Woche lang nicht lesen. Keine Titelzeile, keine Speisekarte. Oder Fasten. Was macht man nach dem Aufwachen, wenn man sich nicht mit dem Frühstück beschäftigen muss?

MH: Wie stehen Sie als Tempomensch zum Thema Quickie?
Smudo: Kann toll sein, kann aber auch blöd sein. Am besten verständigt man sich vorher darauf. Generell wird Sex aber erst gut, wenn er möglichst abwechslungsreich ist. Also mal schnell und mal ganz langsam.

Schnelles Sprechen: Smudo weiß Wort-Rat
"Wer kreativ sein will, muss sich bewusstder Langsamkeit aussetzen", sagt Smudo."Wer kreativ sein will, muss sich bewusstder Langsamkeit aussetzen", sagt Smudo.

Vor drei Jahren entdeckte der Rapper, der eigentlich Michael Schmidt heißt, seine Renn-Leidenschaft. Dieses Jahr startet der 35-Jährige fürs Zomtec Racing Team (sein Racing-Tagebuch gibt’s unter www.bifi.de). Das Finale der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft findet am 25. Oktober auf dem Nürburgring statt. Bis Ende September ist er mit den Fantastischen Vier auf Tour. Anfang 2004 erscheint das neue Album.

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