Digitale Falle: So erkennen Sie ein Fake-Profil bei Tinder

Fake-Profil Tinder
Achtung: Nicht selten fordert die ungewöhnlich attraktive Netz-Bekanntschaft auf einmal Geld – ist aber zu krank, um sich im echten Leben zu treffen

Wir verraten Ihnen worauf Sie beim Onlinedating achten sollten und wie Sie ein Fake-Profil erkennen

Ist Tinder gefährlich?

Tatsächlich hat die Flirtapp ein hohes Potential für Stalking. Beim oberflächlichen Auschecken des Tinderprofils gefiel sie Ihnen noch ganz gut, doch nach wenigen Sätzen merken Sie: Die Frau geht gar nicht! Also höflich verabschiedet: Sorry, das passt vielleicht doch nicht so gut mit uns. Sie dachten, damit sind Sie sie los – doch Pech gehabt. Die Süße ist nicht nur total in Sie verschossen, am nächsten Tag lauert sie Ihnen sogar bei der Arbeit auf. Wie konnte das passieren?

Tinder greift auf Ihre Facebook-Daten zurück und lässt sich auch mit dem Instagram-Account verknüpfen. Über Ihr Profilbild kann deshalb jeder mit einer einfachen Bilder-Suche im Netz ihr Facebook-Profil finden und so weiter persönliche Informationen über Sie sammeln. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Facebook-Profil nicht zu viel verrät und stellen Sie die Privatsphäre-Einstellungen so ein, dass so wenig Informationen wie möglich öffentlich sichtbar sind. Oder sie verknüften ihr Tinderprofil nicht mit Facebook und benutzen dort andere Fotos als auf Ihren anderen Social Media Profilen.

Ratgeber-Autorin Victoria Schwartz („Wie meine Internetliebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen Realfakes“, Blanvalet, 13 Euro) hilft mit Opfern von Fakes im Internet. „Auf Tinder sind viele sogenannte Scammer unterwegs“, sagt sie. Die Betrüger bringen ihre Opfer dazu, Ihnen hohe Geldsummen zu überweisen, indem sie wochenlang mit ihnen chatten und eine emotionale Bindung aufbauen. „Dann bitten sie ihr Opfer plötzlich, ihnen Geld zu leihen. Leider oft mit Erfolg“, sagt Schwartz.

Wie erkennt man Fake-Profile?

 „Realfakes nutzen oft Plattformen, auf denen sich Nutzer langsamer kennenlernen und versuchen, eine emotionale Verbindung zu ihrem Opfer aufzubauen“, sagt Schwartz. Das gibt den Fakes Sicherheit, da ihr Betrug nicht so schnell aufzufliegen droht. Der wichtigste Tipp, egal ob Sie auf Tinder die große Liebe oder nur ein One-Night-Stand suchen: „Treffen Sie ihr Match möglichst schnell im 'Reallife'“, sagt Schwartz. „Lassen Sie sich nicht auf andere Plattformen lotsen und in endlose Chats verwickeln. Wenn ein Treffen aus nachvollziehbaren Gründen nicht sofort möglich ist, bestehen Sie auf einen Vidochat.“

Wer ein Treffen immer wieder absagt, hat wahrscheinlich etwas zu verbergen. Zu den häufigsten Ausreden von Internetfakes gehören laut Schwartz Unfälle, ein plötzlicher Todesfall in der Familie oder plötzliche schwere Erkrankungen mit Krankenhausaufenthalten. Fallen Sie auf so etwas nicht herein!

Um ein Fake-Profil zu erkennen, schauen Sie sich die Bilder genau an. Wirkt alles ein kleines bisschen zu perfekt? Dann ist die Frau wahrscheinlich nicht echt. „So schön es auch wäre, aber Topmodels sind meist nicht auf Tinder unterwegs“, sagt Schwartz. Wenn Sie sich nicht sicher sind, hilft die Google-Bildersuche: Dort können Sie das Profilbild ihrer neuen Flamme hochladen und das Netz nach ihr durchsuchen. Denn: „Viele Fakes bedienen sich im Netz hemmungslos an den Bildern anderer“, erklärt Schwartz.

Warum erstellen Menschen Fake-Accounts?

Die Motive hinter Fake-Accounts sind unterschiedlich. Manche erlauben sich einfach einen Spaß, andere leiden unter einer komplexen Persönlichkeitsstörung. „Diese Menschen haben häufig ein sehr niedriges Selbstwertgefühl. Es fällt Ihnen leichter mit anderen in Kontakt zu treten, wenn sie in eine andere Haut schlüpfen.“, sagt Schwartz. Oft merken sie, dass sie mit ihrem optimierten, digitalen Ich leichter Anerkennung bekommen und verstricken sich so immer mehr in ihrer Lüge. Schwartz: „Andere genießen es, Kontrolle über jemanden zu haben und versuchen, ihr Opfer mehr und mehr von seinem sozialen Umfeld zu isolieren.“

Über 30 Prozent der Opfer von Realfakes, die sich an Victoria Schwartz wenden, sind Männer. Auch unter den Tätern sind nur rund 30 Prozent Männer: „Dahinter stecken dann meist sexuelle Motive. Sie fordern von Ihren Opfern häufig Nacktfotos“, erklärt Schwartz.

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