Kampfsport im Test: So funktioniert türkisches Ölringen

Türkisches Ölringen
Das Olivenöl macht Türkisches Ringen besonders schwer

Beim Türkischen Ringen sind die Kontrahenten von Kopf bis Fuß mit Olivenöl eingerieben. Warum das als härteste Sportart der Welt gilt? Wir verraten's Ihnen!

Die beiden Männer stehen sich in Lauerstellung gegenüber. Starren sich an. Urplötzlich macht der einer einen explosiven Schritt nach vorn und versucht, den anderen zu packen. Es bleibt bei einem Versuch, denn er rutscht an den Oberarmen ab, als wären sie eingeölt. Stopp! Daran könnte es liegen: Die beiden Männer sind wirklich von Kopf bis Fuß mit Olivenöl eingerieben. Willkommen beim türkischen Ölringen, einer der ältesten und härtesten Sportarten der Welt!

Kampfsport-Coach Steve Maxwell hat gerade seine erste Erfahrung beim Ölringen gemacht: Er wurde von seinem eigenen Schwung zu Boden geschleudert, kauert jetzt etwas unbeholfen auf dem Rasen - und wirkt ob seiner Unterlegenheit überrascht, ja fast geschockt. Denn Maxwell - nur auf den ersten Block ein hageres Männlein - ist ehemaliger Weltklasse-Ringer, Weltmeister im Jiu-Jitsu und durchtrainiert, Körperfettanteil: unter 5 Prozent. Der US-Amerikaner gilt als einer der weltbesten Fitness-Coaches, Spitzname: Fitness-Hunter, weil er seit 10 jahren um die Welt reist, stets auf der Jagd nach den exotischsten und härtesten Sportarten. Ob Russland, Iran, Österreich oder Australien: Um die außergewöhnlichsten Fitness-Kulturen aufzuspüren, ist Maxwell kein Weg zu weit. Er ist unser Testringer.

Für sein neuestes Abenteuer ist Kampfsport-Coach Steve Maxwell in die Türkei gereist, nach Edirne, in die westlichste Großstadt des Landes. Hier, in der ehemaligen Hauptstadt des Osmanischen Reiches, findet seit 1925 jedes Jahr der traditionsreiche Wettkampf im Ölringen (türkisch: Yağlı güreş) statt. In der Türkei ist Yağlı güreş Nationalsport, und da es seinen Ursprung bereits im Jahr 1361 hat, gilt Ölringen als eine der ältesten Sportarten überhaupt.

Der Hauptunterschied zum klassischen Ringen: Die Kontrahenten sind nur mit einer knielangen Lederhose, der so genannten Kispet, bekleidet. Die entspricht der islamischen Minimal-Bedeckungsvorschrift für Männer, also vom Bauchnabel bis zum Knie. Die Ringer schmieren sich vor dem Kampf komplett mit Olivenöl ein. Das macht diesen Sport so hart, denn das Öl erschwert jeden Einsatz von Griffen und Hebeln extrem. Yağlı güreş gilt als eine der schwierigsten und technisch anspruchsvollsten Ringsport-Varianten. Den Beleg dafür lieferten die Olympischen Spiele 1960 in Rom: Da nahmen einige türksiche Ölringer teil und räumten so ziemlich alle Medaillen im Bereich Bodenkampfsport ab. Ölerprobt hatten sie in der trockenen olympischen Variante keinerlei Probleme mit den Gegnern und bewiesen ihre Ausnahmestellung.

Seite 2 von 7

Sponsored SectionAnzeige