Büro-Terror: So gehen Sie mit nervenden Kollegen um

Kollegen: der richtige Umgang
Kollegen: der richtige Umgang

Wer sich über den Arbeitskollegen ärgert, muss nicht gleich ausrasten. Tipps für den korrekten Umgang

In diesem Artikel

 

Lösungen für 4 Probleme mit den Kollegen

Fall 1: Über den Kollegen wird gelästert.
Wann sie etwas sagen: Nicht bei jeder Kleinigkeit. "Informieren Sie Betroffene nur, wenn die Lästerei Mobbing-Charakter bekommt", sagt Gabriele Schlegel vom Beratungsunternehmen Business Behaviour in Bonn. Dann sollte das Opfer entscheiden, ob es sich darüber beim Chef beschwert.

Fall 2:Der Kollege arbeitet zu langsam.
Wann sie etwas sagen: Nur dann, wenn Sie persönlich der Leid Tragende sind und mehr arbeiten müssen. Dann jedoch sollten Sie das Problem direkt ansprechen – etwa so: "Wir müssen mal unsere Arbeitsverteilung besprechen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich mehr arbeite als du."

Fall 3: Der Kollege fällt unangenehm auf.
Wann sie etwas sagen:
 Sprechen Sie lediglich Probleme an, die direkt beseitigt werden können, also etwa ein offener Reißverschluss oder etwas zwischen den Zähnen. Zu den guten Umgangsformen gehört auch Courage. "Einen Fleck auf dem Oberhemd sollten Sie übersehen", sagt die Expertin. Mehr Infos unterwww.business-behaviour.de

Fall 4: Der Kollege wird bald gekündigt.
Wann sie etwas sagen: Es ist nicht Ihre Aufgabe, eine bevorstehende Kündigung anzusprechen. Der Kollege wird nur unter schlaflosen Nächten leiden und vielleicht in Panik zum Chef rennen. Ausnahme: Der Betroffene ist Ihr Freund und die Quelle zuverlässig. Legen Sie in einer ruhigen Minute die Karten auf den Tisch. Ihr Ass im Ärmel: Sie helfen ihm bei der Suche nach Alternativen.

Was tun gegen fiesen Kollegen?
Die Meinungen über kollegiales Verhalten gehen manchmal auseinander: Aber warten Sie niemals, bis Sie regelrecht explodieren

Anti-Stress-Plan bei schwierigen Kollegen

Der Psychologe Gerald Mackenthun schlägt für den Umgang mit schwierigen Kollegen einen 4-Stufen-Plan vor, um die Lage zu entspannen:

  1. „Warten Sie niemals, bis Sie regelrecht explodieren. Suchen Sie das kollegiale Gespräch und erklären Sie darin ganz sachlich, was Sie stört.
  2. Überlegen Sie sich Änderungsvorschläge und formulieren Sie diese positiv. Sollte sich Ihr Gegenüber nicht an die Absprachen halten, sollten Sie die Lösung des Problems an den Vorgesetzten weitergeben.
  3. Wenn das alles nichts hilft, muss in unerträglichen Situationen ein Arbeitsplatzwechsel in Betracht gezogen werden.
  4. Auf keinen Fall sollten Sie sich auf einen langen und unergiebigen Kampf einlassen. Das kann zum Burn-out führen.“

Hier finden Sie weitere Tipps, wie Sie auf nörgelnde Kollegen reagieren.

Typen von nervigen Kollegen

Der Blender

Standardsatz: „Da musste ich mal wieder die Kohlen aus dem Feuer holen.“

Strategie: Der Blender ist ein Karrierist und Ehrgeizling. „Er nutzt die Fassade, um auf Kosten der Kollegen schneller voranzukommen“, sagt der Berliner Psychologe Dr. Gerald Mackenthun (www.psychaxx.de). „Genau betrachtet ist der Blender ein armes Würstchen.“

Nachteil: „Blender sind Meister der Intrige, machen sich gerne groß, indem sie andere verkleinern. Oft sind sie für fieses Getuschel über Kollegen verantwortlich“, sagt Mackenthun, der Büroklatsch nicht grundsätzlich schlecht einschätzt. Aber: „Indiskutabel wird es, wenn die Integrität der Kollegen verletzt wird.“ Häufig fahren Blender auch die Ellenbogen aus, ohne Rücksicht auf Verluste.

Vorteil: „Die große Eigenliebe des Blenders ist nicht nur negativ. Diese Menschen sind oft sehr zielstrebig“, so Experte Mackenthun. Davon können auch die Kollegen profitieren.

So werden Sie den Blender los: Sachlichkeit ist das Lösungswort, denn die vermiest dem Blender die Tour. Je nüchterner Sie auf seine Prahlereien reagieren, desto mehr verdeutlichen Sie dem Kollegen, wie lächerlich er sich macht. „Reduzieren Sie den Kontakt auf ein Minimum, strafen Sie seine Wichtigtuereien mit Nichtachtung“, rät der Psychologe. Die direkte Konfrontation zu suchen ist dagegen wenig sinnvoll: „Das löst lediglich Widerstand aus, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht.“ Zum Feind wollen Sie ihn nicht.

Der Besserwisser

Standardsatz: „Das hätte ich dir auch gleich sagen können.“

Strategie: „Diese Menschen können anderen nicht zuhören und bremsen Mitarbeiter aus“, erklärt der Experte. Ideen ersticken sie auf diese Weise im Keim – und zwar in erster Linie, weil sie nicht von ihnen selbst sind.

Nachteil: Besonders als Vorgesetzter ist dieser Mensch sehr schwierig, weil ihm ein Instrument der Mitarbeiterführung fehlt: die Fähigkeit zu motivieren. Er fordert alles, gibt aber kein positives Feedback. Die Folge: Seine Umgebung fühlt sich schnell ausgepowert und verliert den Spaß an der Arbeit.

Vorteil: Ein kleiner Teil im Grunddenken des Besserwissers ist sehr gut: ständig etwas verbessern zu wollen. „Aber die praktische Umsetzung ist auf Dauer zum Scheitern verurteilt, weil der Besserwisser prinzipiell mit dem Erreichten niemals zufrieden ist“, sagt Mackenthun. Die Anmerkungen des Nörglers haben zwar häufig Substanz, setzen sich jedoch über höfliche Umgangsformen hinweg.

So werden Sie den Besserwisser los: Kein Scherz: Loben Sie ihn! „Die natürliche Reaktion auf den Besserwisser ist häufig Abwehr. Kollegen sind genervt und meiden diese Person“, weiß Mackenthun. Er empfiehlt die gegenteilige Strategie, um die anstrengenden Züge des Kollegen oder Chefs zu mildern: „Fragen Sie den Besserwisser um Rat und erkennen Sie seine Hilfe an – auch wenn die Gefahr besteht, dass er sich dadurch in seinem Verhalten bestätigt fühlt. Damit leben Sie aber ein positives Bild vor, das die Person adaptieren kann.“ Nicht selten steckt hinter der Besserwisserei der Wunsch nach Anerkennung. Spürt der Besserwisser die Akzeptanz, wird er zumeist verträglicher.

Der Erbsenzähler

Standardsatz: „Die elfte Stelle nach dem Komma ist falsch gerundet.“

Strategie: „In der Psychologie zählen diese Menschen zu den Zwangscharakteren“, so Mackenthun. „Sie sind der Schrecken aller Mitarbeiter und Chefs.“

Nachteil: Er ist ein echter Aufschieber. Er zögert Entscheidungen endlos hinaus, weil er sich zuvor immer wieder absichern muss. „Der Pedant ist umständlich, wenig spontan und kaum zu begeistern. Ein echter Zwangsgestörter ist sogar ein Fall für den Therapeuten“, erklärt Psychologe Mackenthun.

Vorteil: „Zwanghafte haben das Bedürfnis, für sich und andere Ordnung im Büro und am Arbeitsplatz zu schaffen. Ihre Umwelt profitiert davon, da eine geregelte Übersicht Raum für Kreativität schafft“, so der Experte. Aufräumen darf der Erbsenzähler also gerne.

So werden Sie den Erbsenzähler los: Lieber gar nicht. Auch wenn es Ihnen schwer fällt, „akzeptieren Sie diesen Menschen mit seiner Eigenart. Er braucht zwar ein strenges Reglement, reißt allerdings auch unliebsame Arbeiten an sich“, weiß Gerald Mackenthun.

Der Dulder

Standardsatz: „Da ist nichts zu machen.“

Strategie: Eigeninitiative gehört nicht zu seinen Stärken. Er werkelt vor sich hin und reagiert nur, wenn er angesprochen wird.

Nachteil: Er übt eine subtile Form des Terrors aus. „Er ist bevorzugtes Mobbing-Opfer, das Gegenteil eines dynamischen und belastbaren Mitarbeiters. Seine Passivität, hinter der sich oft Faulheit verbirgt, strapaziert die Geduld der Kollegen und lähmt das Team.“

Vorteil: Wer so viel Zeit für seine Arbeit benötigt, ist zumindest sorgfältig und trifft keine unbedachten Entscheidungen.

So werden Sie den Dulder los: „Haben Sie Geduld. Genießen Sie den Dulder einfach als das zurückhaltende Pendant zu dem aufdringlichen Blender“, rät Mackenthun.

Die Zicke

Standardsatz „Wie soll ich das denn bitteschön verstehen?“

Strategie: „Die typische Zicke hält sich durch ihre unnahbare Art die Kollegen und Aufgaben vom Hals“, erklärt Mackenthun.

Nachteil: Kritisch ist sie besonders gegenüber anderen, bei eigenen Leistungen ist sie dagegen tolerant. Sie nimmt sich das Maximum an Pausen, klagt über den stressigen Job und ist in ihrer ganzen Art unkollegial.

Vorteil: Keiner. „Bleibt nur zu hoffen, dass sie fachlich sehr gut ist“, so der Psychologe.

So werden Sie die Zicke los: „Beschränken Sie den Kontakt auf das Nötigste“, rät Mackenthun. „Sofern sich die Zusammenarbeit nicht vermeiden lässt, achten Sie genau auf Sachlichkeit.“ Seien Sie freundlich, aber nicht vertraut, und weisen Sie die Zicke strikt in ihre Schranken, wenn sie patzig wird.

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