Anzug ändern lassen: So kriegt Ihr Anzug Passform

Der Business-Anzug, ein Must-Have für jeden Mann
Wenn Sie Ihren Anzug ändern lassen, dürfen die Kosten nicht mehr als 20 Prozent des Kaufpreises des Anzugs ausmachen.

Irgendetwas ist immer nicht perfekt, wenn man einen neuen Anzug kauft. Die meisten Ungenauigkeiten lassen sich aber schnell beim Schneider anpassen

Passt ganz gut oder passt perfekt – darüber entscheiden bei einem Anzug oft nur ein paar Millimeter. Und wer die Passform nicht dem Zufall überlassen will, nimmt diese Millimeter ernst. Zu weit, zu eng, zu lang oder zu kurz, das ist aber nicht nur eine Frage des Aussehens, ein exakter Sitz hat auch viel mit Tragekomfort zu tun. Fünf Millimeter zu viel Weite am Hosenbund, und die Hose beginnt schon zu rutschen, wenn Sie nur den Schlüsselbund in die Tasche stecken. Fünf Millimeter zu wenig, und der Bund kann sich schon unangenehm bemerkbar machen – vor allem nach dem Essen. Solche Feinheiten werden zwar oft gar nicht bewusst wahrgenommen, sie führen aber dazu, dass ein Anzug häufiger als ein anderer im Schrank hängen bleibt. Das ist schade ums Geld und schade um den Anzug, denn mit ein paar Änderungen könnte auch er zu Ihren Favoriten gehören.

Die Konfektionsgröße

Ob und welche Änderungen nötig sind, müssen Sie selbst entscheiden. Verkäufer sind selten objektive Berater, denn die wollen vor allem Umsatz machen. Stellen Sie zuerst einmal sicher, dass Sie von der richtigen Konfektionsgröße ausgehen. Die wissen Sie entweder auswendig – schauen Sie notfalls vor dem Kauf noch mal in einem anderen Anzug im Schrank nach – oder Sie lassen sie abmessen.

Die alt bekannte Formel lautet: Brustumfang geteilt durch zwei ergibt die Konfektionsgröße, also zum Beispiel 108 : 2 = Größe 54.

Die Hose

Dann probieren Sie als Erstes die Hose. Am Bund sollte sie so eng sitzen, dass sie auch ohne Gürtel hält, und so locker, dass Sie sich nicht eingeengt fühlen. Um mehr als eine Größe sollte ein Kleidungsstück nie geändert werden. Denn dann stimmt die Position der Taschen nicht mehr, am Gesäß liegen sie zu dicht zusammen oder zu weit auseinander, an den Seiten zu weit vorne oder hinten.

Ganz wichtig für den Gesamtlook des Anzugs ist die Weite des Hosenbeins. Änderungen werden unten am Saum abgemessen, deshalb ist bei Arbeiten an der Beinweite oft von der so genannten Fußweite die Rede. Bei einer schmalen Röhrenhose ohne Bundfalten (Größe 50) beträgt die Fußweite etwa 19 bis 20 Zentimeter, bei einer Hose mit Bundfalten etwa 22 bis 25 Zentimeter. Achtung: Der Schneider legt das Maßband komplett um das Hosenbein, deshalb gibt er die Fußweite mit doppeltem Wert an.

Die Fußweite lassen Sie am besten zusammen mit der Gesamtlänge ändern bzw. wenn sie den Saum umnähen lassen – hochwertige Hosen sind unten eh noch nicht gefinished, wenn sie in den Verkauf kommen, damit die Länge exakt auf den Kunden abgestimmt werden kann. Falls Sie nicht sicher sind, ob Sie Umschläge wollen: Lieber erst mal mit Umschlag ordern, dann können Sie ihn später immer noch wegnehmen lassen.

Auf das so genannte Stoßband am Saum verzichten Sie am besten ganz, es sei denn, der Anzughersteller hat gleich ein weiches Stoffband in der passenden Farbe mitgeliefert. Wenn ja, findet es sich zusammen mit den Reserveknöpfen in der Gesäßtasche. Übrigens: Die meisten Hosenänderungen gehen schnell und kosten nicht viel.

Das Sakko

Beim Sakko muss der exakte Sitz in der Regel etwas teurer erkauft werden. Deshalb sollte die Jacke von vornherein so gut wie möglich passen. Vor allem die Gesamtlänge muss stimmen, weil die Position der Taschen und Knopflöcher in Relation zur Sakkolänge festgelegt wird. Würde man sie ändern, säßen Taschen und Knöpfe plötzlich zu hoch oder zu niedrig.

Checken Sie beim Sakko immer als Erstes die Passform an Kragen, Rücken und Schultern. Der Kragen sollte sich dicht an den Hals schmiegen. Wenn er das nicht tut, suchen Sie weiter. Alle Änderungen am Kragen sind nämlich kompliziert. Dieser Grundsatz gilt nur dann nicht, wenn es um die Entfernung der so genannten Nackenfalte geht. Gemeint ist, dass sich der Stoff unterhalb des Kragens waagerecht nach oben schiebt und eine Querfalte bildet. Dieses Problem tritt vergleichsweise häufig auf und lässt sich leicht beheben.

Über dem Rücken muss der Stoff glatt anliegen, nur hinter den Armen sollte eine kleine Falte sichtbar sein: Es ist die Stoffreserve, ohne die man die Arme nicht nach vorne bewegen könnte, weshalb sie auch Bewegungsfalte genannt wird. Ansonsten darf sich das Sakko an der Rückseite nicht in Längsfalten legen, wenn doch, muss an der Rückenmittelnaht überschüssiger Stoff entfernt werden. Bei einfarbigen Anzügen geht das problemlos, Dessins können dagegen nach einer solchen Änderung unschön zusammenlaufen. Greifen Sie in solchen Fällen lieber zu einem anderen Schnitt. Das empfiehlt sich auch bei Schrägfalten unter den Achseln, sie deuten auf fallende Schultern hin.

Zum Schluss überprüfen Sie das Sakko in der Frontalansicht. Dazu schließen Sie es und zupfen leicht am Knopf. Wenn es zwei bis drei Zentimeter nach vorne schwingt, stimmt die Taillenweite, lässt es sich weiter nach vorne ziehen, ist es zu weit. Wenn Sie das ändern lassen wollen, wird an den Seitennähten etwas Stoff herausgenommen. Wenn Sie das Sakko mühelos schließen können und nicht den Eindruck haben, dass Sie irgendwie eingeengt sind, dann sitzt es richtig. Definitiv zu eng ist es, wenn es über dem Bauch spannt und die Seitenschlitze aufklaffen. Hier hilft nur eins: anderes Sakko kaufen.

Die Ärmel

Der letzte Programmpunkt des Passformchecks sind die Ärmel. Die richtige Ärmellänge ist eine wesentliche Voraussetzung für einen guten Gesamteindruck der Jacke. Enden die Ärmel an den Knöcheln, sieht das Sakko automatisch zu groß aus, sind sie zu kurz, wirkt es zu klein. Beim Durchschnittsanzug geht das Kürzen oder Längen ganz leicht, denn die Knöpfe am Handgelenk sind nur Attrappe. Der Änderungsschneider macht sie einfach ab, kürzt oder längt und näht sie an der neuen Stelle wieder an.

Bei Anzügen mit aufknöpfbaren Ärmeln geht das natürlich nicht, denn die Knopflöcher lassen sich nicht verschieben. Wenn Sie Glück haben, sind von vier Knopflöchern nur die unteren beiden echt, die anderen Attrappe – in diesem Fall lässt sich der Ärmel am Saum um bis zu drei Zentimeter verlängern und etwa 1,5 Zentimeter kürzen. Sonst wird der Ärmel komplett herausgenommen und an der Schulter gekürzt oder gelängt. Das geht aber nur bei einfarbigen oder längs gestreiften Stoffen und niemals bei Karodessins.

Zu den Änderungen des Ärmels gehört im weiteren Sinne auch die Änderung des Armlochs. Sie wird fällig, wenn das Sakko unter den Achseln kneift, es in allen anderen Punkten aber perfekt passt und deshalb der Griff zu einem anderen Modell oder einer anderen Größe nicht in Frage kommt. Als Erstes werden dafür die Ärmel herausgenommen und die Armlöcher vergrößert. Dann müssen die Ärmel passend zum neuen Armloch geändert und zum Schluss wieder ordentlich eingesetzt werden. So etwas können nur richtige Herrenschneider, und die lassen sich diese Operation auch entsprechend gut bezahlen.

Die Kosten

Wenn Sie den Anzug komplett gecheckt haben, lassen Sie sich vom Schneider ein Angebot machen. Auch hier ist Handeln erlaubt: Je mehr Arbeit, desto größer die Reduktion.
Wenn nur die Hosen umgenäht werden sollen, wird das nicht viel kosten. Wenn dagegen mehrere Detailverbesserungen anstehen, zum Beispiel Nackenfalte entfernen, an der Taille enger machen, Ärmel kürzen, Hose umnähen und Fußweite korrigieren, kann es ziemlich teuer werden.

Das Kosten die Änderungen im Schnitt
...wenn sie von erfahrenen und qualifizierten Schneidern ausgeführt werden

Hosenbund enger oder weiter machen7 bis 10 Euro
Fußweite ändern12 bis 20 Euro
Kragen steht vom Nacken ab (Halsring enger machen)20 bis 30 Euro
Nackenfalte entfernen15 bis 25 Euro
Rückenmittelnaht enger oder weiter machen7 bis 10 Euro
Rollfalte verkleinern12 bis 18 Euro
Taillenweite ändern10 bis 13 Euro
Armloch ausstechen (also vergrößern). Pro Armloch5 bis 8 Euro
Ärmellänge ändern bei Ärmeln ohne echte Knopflöcher. Pro Ärmeletwa 8 Euro
Ärmellänge ändern bei Ärmeln mit echten Knopflöchern. Pro Ärmel10 bis 15 Euro

Ob sich die Investition lohnt, lässt sich leicht prüfen: Änderungen dürfen nie mehr als 20 Prozent des Kaufpreises des Stückes ausmachen. Ausgangspunkt der Kalkulation ist dabei immer der reguläre Preis, das macht Änderungen an reduzierten Teilen relativ gesehen zwar teurer, gleichzeitig aber lohnender. Ein Beispiel. Ein Anzug kostet regulär 1000 Euro, im Sale 700 Euro. Wenn Sie nun 20 Prozent des regulären Preises (also 20 Prozent von 1000 Euro gleich 200 Euro) in Änderungen investieren, haben Sie für insgesamt 900 Euro einen perfekt sitzenden Anzug – und das 100 Euro unter Listenpreis.

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