Gym-Mitgliedschaft: So kündigen Sie Ihren Vertrag im Fitnessstudio

Unzufriedenheit mit dem Gym ist kein Kündigungsgrund

Aus einem Fitnessstudio-Vertrag herauszukommen, kann mitunter schwerer sein als das härteste Workout. Wir geben Expertentipps, mit denen Sie es dennoch schaffen können

„Ich hab keine Lust mehr“, „Im anderen Fitnessstudio sind die Geräte viel besser“ und „Der Bodypump-Kurs wurde aus dem Plan genommen!“. All das sind keine gültigen Begründungen für eine vorzeitige Kündigung des Vertrags in Ihrem Fitnessstudio. Seit Mai 2016 gilt nicht einmal ein Umzug mehr als Kündigungsgrund. So kommen Sie trotzdem aus Ihrem Fitnessstudio-Vertrag raus.

Wann kann ich meinen Vertrag kündigen?

Die meisten Verträge haben eine Laufzeit von 12 oder 24 Monaten. Sind diese vergangen, können Sie Ihren Vertrag ganz normal kündigen (eine so genannte ordentliche Kündigung). Achtung: Vergewissern Sie sich rechtzeitig, ob eine Kündigungsfrist in Ihrem Vertrag festgeschrieben ist! Ansonsten ist der Vertrag schneller automatisch verlängert als Sie die Hantel schwingen können.

Wichtig bei ordentlichen Kündigungen: immer schriftlich per Einschreiben mit Rückschein kündigen. „Damit können Sie später genau den Eingang der Kündigung im Fitnessstudio und den Zeitpunkt des Eingangs nachweisen“, erklärt Thomas Hollweck, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Verbraucherrecht aus Berlin (www.kanzlei-hollweck.de). Solche Rückscheine sind im Rechtsstreit wichtig: „Kommt es später zum Streit vor Gericht, haben Sie einen eindeutigen Nachweis in Händen.“

Wie kann ich meinen Vertrag vorzeitig kündigen?

Grundsätzlich ist eine außerordentliche Kündigung schwierig. Zwar besagt das Gesetz, dass eine Kündigung möglich ist, „wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände […] und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses […] nicht zugemutet werden kann.“ [§ 314 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)] Ab wann eine Fortsetzung unzumutbar ist, ist allerdings nicht genau definiert. Aber keine Sorge: Es gibt dennoch bestimmte Fälle, in denen Ihr Fitnessstudio-Betreiber eine außerordentliche Kündigung akzeptieren muss:

Umbauarbeiten in der Umkleide sind ein Kündigungsgrund
Langfristige Umbaumaßnahmen in der Umkleide müssen Sie nicht dulden
  1. Änderungen von Vertragsleistungen: Finden in Ihrem Studio umfassende Veränderungen statt, welche die im Vertrag stehenden Leistungen stark beeinflussen, dürfen sie unverzüglich kündigen. Beispiele hierfür sind eine Preiserhöhung, das Wegfallen des Kursangebots oder der Sauna. Auch Umbauarbeiten im Dusch-, Sauna- und Umkleidebereich von unangemessener Länge können ein legitimer Grund für eine Kündigung sein. „Man spricht in diesem Fall von sogenannten Nebenpflichten. Diese hat das Fitnessstudio zu leisten. Erstrecken sich Umbaumaßnahmen über mehrere Wochen, muss man dies nicht dulden“, sagt Verbraucherrechtler Hollweck. Dazu müssen Sie dem Studio allerdings zunächst eine Frist setzen, bis wann die Arbeiten beendet sein müssen. Erfolgt dies nicht zum Ablauf der Frist, können Sie kündigen. Dieses Prozedere gilt auch bei der Änderung von Öffnungszeiten. Für viele Trainierende sind die Öffnungszeiten ein relevanter Aspekt zur Wahl des Fitnessstudios aufgrund ihrer Arbeits- und Familiensituation. Fordern Sie den Betreiber des Studios also auf, die alten Öffnungszeiten wiederherzustellen. Tut er dies nicht, dürfen Sie kündigen.
  2. Langfristige Sportunfähigkeit: Schwere Erkrankungen undVerletzungen, die es Ihnen langfristig nicht ermöglichen die Leistungen des Studios zu nutzen, werden als Grund für eine Kündigung anerkannt. Hierfür benötigen Sie lediglich ein Attest, das Ihre Sportunfähigkeit bescheinigt. Die genaue Art der Erkrankung muss nicht angegeben werden. Wichtig: Die Dauer der Erkrankung/Verletzung muss über die Vertragslaufzeit hinausgehen.

Was sind keine Gründe für eine Kündigung?

  • Umzug: Im Mai 2016 entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass Umzüge des Kunden kein Grund mehr für eine Vertragskündigung sind. Die Begründung: Umzüge aus beruflichen oder privaten Gründen seien vom Kunden „beeinflussbar“.
  • Kurzfristige Sportunfähigkeit: Erkrankungen und Verletzungen gelten nicht als Kündigungsgrund, wenn eine Genesung von der Erkrankung/Verletzung vor Ende der Vertragslaufzeit absehbar ist. Stattdessen können Sie von der Vertragspflicht für die Dauer der Regeneration befreit werden. Die entsprechenden Wochen bzw. Monate werden dann an die ursprüngliche Laufzeit drangehängt.
  • Wegfallen einzelner Kurse oder Geräte: Schafft ihr Fitnessstudio einzelne Geräte oder Kurse ab, können Sie nicht direkt kündigen. Dies wäre nur möglich, wenn sie auf einen bestimmten Kurs oder ein bestimmtes Gerät aus gesundheitlichen Gründen angewiesen sind.
  • Arbeitslosigkeit: Ist im Normalfall kein Kündigungsgrund. Der ein oder andere Studio-Betreiber mag einem aus Kulanz entgegenkommen, eine Garantie gibt es dafür aber nicht.
Bei Vertragsschluss sollten Sie auf einige Details achten
Unterschreiben Sie einen Vertrag nicht direkt im Fitnessstudio

Was sollte ich bereits beim Vertragsschluss beachten?

Trotz der beschränkten Möglichkeiten einer Vertragskündigung, gibt es dennoch einige Schlupflöcher, durch die Sie doch noch aus Ihrem Vertrag flüchten können. Unsere Tipps:

  1. Vertragslaufzeit selbst wählen: Bedenken Sie bei dem Abschluss Ihres Vertrags mit dem Fitnessstudio die Planung Ihrer näheren Zukunft. Sind Standortwechsel in ihrem Beruf nichts Ungewöhnliches? Dann sollten Sie eher eine kurze Vertragslaufzeit wählen. Zwar sind längere Laufzeiten oft günstiger, dafür sind sie für diesen Zeitraum rechtlich an das Studio gebunden.
  2. Persönliche Bedingungen im Vertrag festhalten: Sprechen sie schon bei Vertragsschluss alle für Sie wichtigen Details mit dem Fitnessstudio ab. „Man sollte generell versuchen, alle Dinge die einem besonders wichtig sind, mit dem Fitnessstudio zu klären und im Vertrag schriftlich zu fixieren“, rät Hollweck. „Wenn man ein Fitnessstudio aufgrund einer vorhandenen Sauna wählt, sollte man sich eine Kündigungsberechtigung in den Vertrag schreiben, falls die Sauna irgendwann abgeschafft wird.“
  3. Mit dem Betreiber sprechen: Versuchen Sie auch bei Unklarheit über gewisse Lebensumstände mit ihrem Fitnessstudio-Betreiber zu sprechen. Vielleicht können Sie eine kürzere Vertragslaufzeit als üblich (z.B. drei oder sechs Monate) heraushandeln. Die meisten Studios sind sehr kundenfreundlich, da die Konkurrenzsituation groß und jedes potenzielle Mitglied wichtig ist.
  4. AGBs lesen: Keiner liest sie gerne, die AGBs. Allerdings sollten Sie besonders beim Abschluss ihres Fitnessstudio-Vertrags darauf achten, was im Kleingedruckten steht. Vor allem: Ist eine automatische Verlängerung des Vertrags bei nicht-fristgerechter Kündigung festgeschrieben?
  5. Zu Hause unterzeichnen: Unterschreiben Sie den Vertrag nicht direkt im Fitnessstudio. Sagen Sie, Sie würden gerne einen Fernabsatzvertrag (per Email, Internet oder Brief) abschließen. Wenn das Studio doch nicht ganz ihren Vorstellungen entspricht, haben Sie immerhin 14 Tage Widerrufsrecht.

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