So reinigen Sie Ihre Ohren endlich richtig

So reinigen Sie Ihre Ohren richtig
Stop: Mit Watterstäbchen stopfen Sie den Großteil des Ohrenschmalzes wieder ins Innenohr zurück

Finger weg von Wattestäbchen und Ohrenkerzen! Wer seine Ohren gefahrlos und gründlich selbst reinigen will, sollte unbedingt diese Tipps beachten

Es gehört schon zur alltäglichen Badezimmer-Routine: nach dem Duschen noch kurz die Ohren säubern. STOP! Lassen Sie das. Wirklich. Warum? Halten Sie sich fest: Unser Ohr hat tatsächlich einen Selbstreinigungsmechanismus eingebaut.

Was ist Ohrenschmalz und wie funktioniert es?

Ohrenschmalz ist vollkommen natürlich und absolut notwendig. Denn Ihr Ohr verfügt über einen Selbstreinigungsmechanismus: Talgdrüsen im Gehörgang produzieren Ohrenschmalz. Dieser hält Ihren Gehörgang geschmeidig und schützt vor Infektionen. Die gelb-bräunlich und fettige Körperflüssigkeit ist auch dazu da, um Schmutz und abgestorbene Zellen aus dem Gehörgang abzutransportieren – und zwar selbstständig. Durch Kaubewegungen während des Essens wandert das Ohrenschmalz vom Innenohr über den nur 1,5 Zentimeter kurzen Gehörgang nach draußen. Und zwar so "schnell" wie Ihre Fingernägel wachsen.

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Finger weg vom Q-Tip oder Wattestäbchen!

Wenn Sie sich ein Wattestäbchen in den Gehörgang schieben, arbeiten Sie dem Selbstreinigungsmechanismus Ihres Ohres entgegen. Es bleibt zwar etwas Ohrwachs an der Baumwollspitze hängen. Das ist aber nur ein Bruchteil. Den Großteil des Ohrenschmalzes stopfen Sie wieder ins Innenohr zurück. Problem: Kurz bevor das Trommelfell beginnt gibt es eine kleine Einkerbung im Gehörgang. "Dort pfropft sich das Ohrenschmalz letztendlich fest", sagt unser Experte, Dr. Adrian Münscher vom HNO-Universitätsklinikum Hamburg. Das kann zu Verstopfungen und Schwerhörigkeit führen. Dann hilft nur noch eine professionelle Ohrreinigung. Also, Q-Tips haben im Gehörgang schlicht nichts zu suchen. Auch nicht ein bisschen!

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So wenden Sie Q-Tips sicher an

Nur in einem Fall gibt unser Experte für ihre Anwendung im Ohr Entwarnung: Wenn Sie mit den Wattestäbchen lediglich und vorsichtig die Ohrmuscheln reinigen. Wer weiterhin seinem Reinlichkeitsgefühl im Ohr nachkommen möchte, für den gibt es Alternativen. Zum Beispiel Hausmittel.

Kann ich mit Hausmitteln die Ohren reinigen?

Ja. Sie können etwa Wasserstoffperoxid (3 % Lösung) benutzen. Auch Salzlösungen oder hochwertige Öle wie Mandelöl funktionieren. Alle verfolgen dasselbe Ziel: Sie weichen das Ohrenschmalz auf. Träufeln Sie einfach 1 bis 2 Tropfen Wasserstoffperoxid ins Ohr. Dann lassen Sie es 10 Minuten einwirken. Danach fließt das Ohrenschmalz einfach heraus. 1-Mal im Monat ist die Anwendung in Ordnung.

Wer Geld sparen will: Ohrenschmalz ist wasserlöslich. Tipp: Lassen Sie ein Dampfbad in einen Topf ein. Gerne auch mit etwas Kamille, das wirkt beruhigend. Halten Sie Ihr Ohr für ein paar Minuten über den Dampf. Das Ohrenschmalz wird dadurch jetzt flüssig. Dann wischen Sie mit einem feuchten Waschlappen einmal durch Ihre Lauscher.    


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Wer keine Lust hat seinen Kopf fünf Minuten schräg über einer Schüssel zu halten, für den gibt es Alternativen:

  • Ohrendusche mit Tropfen: Die Ohrendusche gibt es in der Apotheke meistens in einer Kombi-Packung: Ohrendusche aus Plastik (beugt Verletzungen des Gehörgangs vor) und dazu Tropfen, um das Ohrenschmalz aufzuweichen. Einfach warmes Wasser in die Dusche und das Ohr vorsichtig damit ausspülen. Der genaue Ablauf steht auf der Packungsbeilage. Das geht zwar schneller als ein Dampfbad. Aber übertreiben Sie es nicht mit dem Spülen. Wischen Sie lieber einmal mehr nur mit dem Waschlappen durch. Kosten: um 8 Euro.

  • Ohrensprays: 1 bis 2 Sprühstöße in jedes Ohr. Dann den Kopf neigen, damit die Flüssigkeit das Ohrenschmalz aufweicht. Das Spray ist aber nicht unumstritten. HNO-Ärzte warnen: Hat man durch falsche Behandlung mit Q-Tips schon zu viel Ohrenschmalz im Ohr, kann das Spray nur die ersten Schichten des Ohrenschmalzes aufweichen. Das eigentliche Problem löst Ohrenspray in so einem Fall also nicht. Es kann dann sogar zu Verklebungen kommen und das Problem verschlimmern. Letzter Ausweg: professionelle Ohrreinigung. Kosten fürs Ohrenspray: um 8 Euro.

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Aufgepasst: Für Ohrensprays und auch für die Ohrendusche gilt: beides, wenn überhaupt, nur präventiv verwenden. Hat jemand bereits einen Ohrenpfropfen und führt dann eine Ohrendusche durch, kann es sehr gefährlich werden: Das Wasser gelangt hinter den Pfropfen und lässt diesen aufquellen. Der Gehörgang wird so noch stärker verschlossen. Sprechen Sie also vorher mit Ihrem Arzt. Zudem: Wer ein Loch im Trommelfell oder eine Ohr-OP hinter sich hat, sollte gar keine Art von Flüssigkeit benutzen. Die könnte dabei bis ins Innenohr fließen. Dort kann sie einen Schwindelanfall oder sogar einen Infekt auslösen.

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Was sollten Sie bei einer Ohrenreinigung auf keinen Fall tun?

Stifte, Nägel, Büroklammern – Finger weg! Spitze und scharfe Gegenständen haben im Ohr nichts zu suchen. Immerhin wühlen Sie mit den Geräten quasi blind im Ohr herum. Die Chance ist groß, dass Sie Ihre sehr empfindliche Gehörgangshaut verletzen. Ein kleiner Kratzer reicht oftmals schon aus. Dann dringen Bakterien ein. Folge: Es können sich Entzündungen festsetzen, die zu Infektionen führen. "Das ist super unangenehm und schmerzhaft", warnt Experte Dr. Münscher.


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Was sollten Sie stattdessen tun?

Dampfbäder sind nicht Ihr Ding? Dann reinigen Sie Ihre Ohren unter der Dusche. Aber spritzen Sie nicht direkt mit der Düse ins Ohr! Das kann zu Verletzungen des Trommelfells führen. Lassen Sie stattdessen einfach vorsichtig etwas warmes Wasser hineinlaufen. Dann trocknen Sie Ihr Ohr sachte mit einem Handtuch ab. Fertig.

Und wenn das Ohr mal wieder schrecklich juckt?

Stecken Sie sich einen Finger ins Ohr. Er ist dick genug, dass er nur bis an den Gehörgang reicht, aber nicht hinein. So bleibt Ihr Gehörgang unverletzt. Aber halten Sie Ihre Fingernägel kurz! Allerdings: Juckt es öfters im Ohr, sollten Sie zum Arzt gehen. Es kann auf eine Entzündung hindeuten. 



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Was ist von Ohrenkerzen und elektronischen Ohrenreinigern zu halten? 

  • Ohrenkerzen: Hohlkerzen bestehen etwa aus Bienenwachs. Durch die Wärmeentwicklung soll ein Unterdruck erzeugt werden. Dadurch soll das Ohrenschmalz aus dem Gehörgang herausgesaugt werden. Die Kerzen werden oftmals im Wellness-Bereich und in der Alternativmedizin angewendet. Unser Experte hält von den Kerzen zum Reinigen der Ohren wenig. Der Unterdruck sei viel zu gering, um das Ohrenschmalz wirklich heraus zu bekommen. Die US-Gesundheitsbehörde warnt sogar vor einem Gebrauch der Hohlkerzen: Es kann zu Verbrennungen und zu Trommelfellverletzungen durch tropfendes Kerzenwachs kommen. 
  • Elektronische Ohrenreiniger: Es gibt die kleinen Plastikgeräte zwar schon ab 6 Euro. Manche können Sie direkt mit farblich unterschiedlichen Silikonaufsätzen für die ganze Familie kaufen. Ähnlich wie bei der Hohlkerze soll durch Unterdruck das Ohrenschmalz herausgesaugt werden. Was sagt unser Experte? Sparen Sie sich das Geld.   

Gibt es Risikogruppen?

Ja. Es gibt tatsächlich 2 Risikogruppen, die besonders aufpassen sollten bei der Reinigung ihrer Ohren.

  • Wassersportler, wie (Kite-) Surfer, Taucher oder Schwimmer. Diese setzen ihr Ohr durch das Wasser nämlich einem sogenannten "Kälte-Reiz" aus. Dieser Reiz kann dazu führen, dass ein überflüssiges Knochenwachstum angeregt wird, erklärt Dr. Münscher. Ergebnis: eine Verengung des Gehörganges. Eine solche Exostose erschwert den Selbst-Abtransport des Ohrenschmalzes. Im Englischen spricht man auch vom Surfer’s Ear, weil Surfer besonders oft betroffen sind. Die Folge: eine Gehörgangsentzündung. In so einem Fall hilft kein Waschlappen. Die Ohren müssen dann professionell gereinigt werden.  

  • Träger von In-Ear-Kopfhörern und Hörgeräten: Damit stopfen Sie bei jedem Einsetzen das Ohrenschmalz ein bisschen weiter in den Gehörgang. Der Selbst-Abtransport durch den Körper wird dadurch behindert. Auch hier gilt: Betroffene sollten bei Veränderungen des Hörvermögens ihre Ohren beim Arzt säubern lassen.

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Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Sobald Sie Schmerzen haben. Oder, wenn Sie unter folgenden Symptomen leiden:

  • starkes Druckgefühl


  • Veränderung Ihrer Hörleistung. Etwa, wenn Sie nur noch dumpf hören, so als hätten Sie Watte im Ohr. Entweder haben Sie vorher den Q-Tip falsch benutzt. Es kann aber auch auf einen Hörsturz hindeuten. 


  • Schmerzen außen an der Ohrmuschel. Das kann ein Symptom für eine Entzündung im Ohr sein. 


  • ständiger Juckreiz (mit oder ohne eitrigem Ausfluss). Ebenfalls ein Hinweis auf eine Gehörgangsentzündung.

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Also: Sie brauchen keine Wattestäbchen, Pins oder Kerzen, um überschüssiges Ohrenschmalz zu entfernen. Es genügt, die Ohrmuschel mit einem sauberen Tuch oder Waschlappen zu reinigen.

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