So schützen Sie sich vor Hämorrhoiden

So schützen Sie sich vor Hämorrhoiden
Fast 75 Prozent der Menschen müssen sich im Laufe ihres Lebens mit Hämorrhoiden rumschlagen.

Die meisten Betroffenen sind peinlich berührt, wenn Hämorrhoiden Probleme bereiten. Wir verraten, wie Sie rechtzeitig Symptome erkennen, die Beschwerden lindern und vor allem, wie Sie sich schützen

In diesem Artikel

Die Szene weiter unten kommt Ihnen bekannt vor? Nein, nicht der Film. Wir meinen den Akt des Rumhockens auf der Toilette. Wer weiß dieses kurze Innehalten im hektischen Alltag nicht zu schätzen: Man hat seine Ruhe, solange wie man möchte. Und überhaupt, wenn man schon sitzt, kann man auch sitzenbleiben. 


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Problem 1: Zu langes Herumsitzen und Pressen während des Stuhlgangs kann zu einer Vergrößerung Ihrer Hämorrhoiden führen.

Problem 2: Kaum jemand spricht dann über das, was folgt, weil der Analbereich eines der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft ist. Dabei werden etwa 75 Prozent der Menschen in ihrem Leben von Problemen durch Hämorrhoiden betroffen sein, prognostiziert eine Untersuchung des U.S. Department of Health and Human Services. Doch das Schamgefühl hält Betroffene oft von einem dringenden oder hilfreichen Arztbesuch ab.

Unsere beiden Experten, Dr. med. Bert Halve, Proktologe in der Coloproktologischen Praxis in Bogenhausen (München) und Oberarzt im Klinikum Garmisch-Partenkirchen, sowie Dr. med. Philipp Holch vom Enddarmzentrum Eppendorf erklären Ihnen:

  • was Sie unternehmen könnten, um von der weit verbreiteten Krankheit verschont zu bleiben 

  • worauf Sie achten sollten, um eine Vergrößerung der Hämorrhoiden zu erkennen  

  • wie sich Sie verhalten sollten, wenn Ihnen einige der typischen Symptome auffallen

Was sind Hämorrhoiden – und wie entstehen sie?

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Überrascht? Nicht, wenn Sie wissen, welche Aufgabe diese Blutgefäße am Oberrand des Analkanals haben. Die kleinen Schwell­körper sitzen im Analkanal und helfen dabei, den Enddarm zu verschließen. Wie? Indem sie sich mit Blut füllen und so wie Schwämme den Ausgang abdichten. Erst wenn diese Funktion durch eine Vergrößerung der Hämorrhoiden gestört ist, sprechen Experten von einem so genannten Hämorrhoidalleiden. Dann kann es zu Fehlfunktionen des Stuhlgangs kommen. Anders gesagt: Es kann zu Stuhl-Inkontinenz führen. Fester oder flüssiger Darminhalt und Schleimabsonderungen können unkontrolliert nach außen, sprich, in die Hose gelangen. Mögliche Folgen: Jucken und Brennen. Um das zu vermeiden, sollten Sie auf folgende Symptome achten.

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Typische Symptome – Wie erkenne ich Hämorrhoiden?

Wenn es in der Hose juckt, genauer, wenn öfter ein analer Juckreiz auftritt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie unter einer krankhaften Vergrößerung der Hämorrhoiden leiden.

Zu den 3 Haupt-Symptomen gehören neben dem Jucken:  

  1. Ein Brennen, das durch ein anales Nässen ausgelöst wird. 
  2. Blutungen beim Stuhlgang oder Blutspuren auf dem Toilettenpapier.
  3. Druckgefühle, die dann aber einen vergeblichen Stuhldrang auslösen können.

Das ist alles kein Grund zur Panik, sofern Sie jetzt einen Proktologen aufsuchen. So können eventuelle Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, damit die Beschwerden sich nicht weiter verschlimmern. Denn gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung lauert die Stuhl-Inkontinenz!

Die 4 Stadien des Hämorrhoidalleidens
Die 4 Stadien des Hämorrhoidalleidens

Diagnose und Zeitpunkt erkennen – Wann genau soll ich zum Arzt gehen?

Hämorrhoiden "entstehen" also nicht, sondern sind immer da. Was entsteht, ist das Hämorrhoidalleiden. Experten teilen dieses "Vergrößern" der Blutknoten in 4 Stadien ein:  

Stadium 1: Bei Hämorrhoiden 1. Grades sind die Blutschwämme noch relativ klein und nur durch eine proktologische Untersuchung festzustellen. Oft kommt es aber bereits jetzt zu einem schmerzhaften Jucken auf der Analhaut, was durch erste vergrößerte Hämorrhoiden ausgelöst wird. Weitere Symptome: hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier. Noch sind die vergrößerten Hämorrhoiden voll reversibel. Aber es gibt Betroffene, die bereits bei Grad 1 massive Beschwerden haben. Es kann Feuchtigkeit durchkommen und die Haut stark reizen. Das kann sehr unangenehm sein. Also: Ab zum Proktologen! Eine Ernährungs- und Verhaltensumstellung könnte Abhilfe schaffen. Ebenso kann eine Verödung helfen.   

Stadium 2: Bei Hämorrhoiden 2. Grades treten die Blut-Knoten durch das Pressen während des Stuhlgangs in den Analkanal vor. Aber: In diesem Stadium ziehen sie sich noch wieder von selbst zurück. Allerdings: Bereits jetzt besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihren Stuhlgang nicht mehr 100% selbst steuern können. Zudem kann es zu schmerzhaften Einrissen an der Analhaut kommen. Mögliche Behandlung: Verödung und Gummibandligatur, dabei werden die Knoten durch ein Gummiband abgeklemmt. Die Hämorrhoiden sterben und fallen dann ab.

Stadium 3: Bei Hämorrhoiden 3. Grades raten einige Experten bereits zu einer Operation. Auch hier fallen die Knoten durch das Pressen hinaus, sie ziehen sich aber nicht mehr von selbst zurück. Der Betroffene kann die Hämorrhoiden nur noch manuell mit den Fingern zurück in den Analkanal schieben ("reponieren"). Im Stadium 3 kann es zur so genannten Inkarzeration, also einer Einklemmung der Polster durch den Schließmuskel, kommen und zu Blutungen.    

Stadium 4: Bei Hämorrhoiden 4. Grades sprechen Experten von einem "Analprolaps", also einem Tiefertreten der Blut-Knoten. Hier können Sie noch so fingerfertig sein, ein manuelles Zurückschieben ist nicht mehr möglich. Behandlung: Eine Operation liegt nahe. Generell aber sind die Grenzen, ab wann Operiert werden sollte, sehr individuell.  

Nicht verwechseln! Unsere Experten warnen: Ein Hämorrhoidalleiden kann verwechselt werden mit der Anal-Thrombose. Der Unterschied: Ersteres ist ein chronisches Leiden, das heißt, es besteht schon länger. Bei einer Thrombose dagegen gerinnt spontan fließendes Blut, das sich im Gewebe festsetzt. Im Analbereich gilt eine Thrombose als ungefährlich.

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Alles andere als Ballast – Ballaststoffreiche Lebensmittel
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Vorbeugen – 6 Dinge, um das Risiko vergrößerter Hämorrhoiden zu vermindern

Gernen würden wir Ihnen sagen: Tun Sie XY und vor allem Z und sie werden niemals unter vergrößerten Hämorrhoiden leiden! Tatsache ist: Die Entwicklung und Ursachen vergrößerter Hämorrhoiden ist zu einem großen Teil Veranlagung und in der Regel liege kein Fehlverhalten vor, sagen unsere Experten.

Mit diesen wissenschaftlich fundierten Tipps vermindern Sie die Risikofaktoren:

1. Ballaststoffreich essen

Ballaststoffe binden Wasser und quellen im Darm auf. Sie helfen auf diese Weise bei der Darmentleerung. So vermeiden Sie Verstopfungen und zu harten Stuhl. Eine Verstopfung kann dazu verleiten, zu hart zu pressen während des Toilettenganges. Was wiederum zu einem verstärkten Druck auf die Hämorrhoiden führt. Negative Folge: Das rektale Bindegewebe wird gereizt und unnötig strapaziert. Aber nur ein gesundes und flexibles Bindegewebe senkt das Risiko eines Hämorrhoidalleidens. Plus: Durch zu harten Stuhl können Hämorrhoiden verletzt werden, wodurch sie sich vergrößern können.   

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2. Viel Trinken

Gerne mindestens etwa 2 Liter Wasser pro Tag – ausreichend Flüssigkeit ist die Basis für eine aktive und geschmeidige Darmtätigkeit. Zudem: Nur mit ausreichend Flüssigkeit quellen Ballaststoffe dort richtig auf.    

3. Viel Bewegung

Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob Menschen, die an Übergewicht leiden oder einer sitzenden Tätigkeit nachgehen (etwa Büroarbeit, LKW-Fahrer) einem größeren Risiko ausgesetzt sind, an einem Hämorrhoidalleiden zu erkranken oder nicht. Allerdings ist bekannt: Viel Sport hält den Darm fit und beugt Übergewicht vor – und zu viele Kilos sind bekannterweise ein Gesundheitsrisiko. Ein zu hohes Körpergewicht übt zudem über die Schwerkraft vermehrt Druck auf den Darm aus.

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4. Keine Lesestunde

Wer auf der Toilette routinemäßig die Zeitung studiert, der sollte zukünftig einen kurzen Comic-Strip vorziehen. Denn zu langes Herumsitzen belastet und reizt das rektale Bindegewebe.

5. Kein Pressen

Lassen Sie sich lieber etwas Zeit. Durch starkes Pressen beim Stuhlgang werden die Venen im After belastet und schwellen dadurch an.

Übrigens: Auch Gewichtheben kann starken Druck auf den Analbereich ausüben. Sie müssen jetzt nicht sofort alle Hanteln fallenlassen. Aber sollten Symptome wiederholt auftauchen, ist es ratsam, die Gewichte zunächst etwas zu reduzieren, bis Sie einen Arzt aufsuchen.


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6. Das richtige Papier

Nutzen Sie zur Reinigung kein parfümiertes oder gefärbtes Toilettenpapier. Auch eine zu harte Perforierung kann sich auf den Analausgang und die Hämorrhoiden auswirken. Besser: warmes Seifenwasser und Einmalwaschlappen oder nicht-alkoholische Reinigungstücher.

Behandlung und Beschwerden lindern – was hilft wirklich gegen Hämorrhoiden?  

Medikamente: Salben und Zäpfchen mit Hamamelis­-Extrakt. Die klassischen Salben aus der Apotheke führen zwar nicht zu einem Rückgang vergrößerter Hämorrhoiden, aber sie lindern zumindest die Beschwerden. Die Stiftung Warentest befand 2 rezept­freie Wirk­stoffe als wirksam, örtlich zu betäuben: Lidokain und Quinisokain. Symptome wie Juckreiz und Brennen werden so eine Zeitlang ausgeschaltet.

Mit Kamille in die Wanne: Bei akuten Hämorrhoiden zweimal täglich für 15 bis 20 Minuten in die Badewanne. Kamille wirkt entzündungshemmend und das warme Wasser lindert den Schmerz und verbessert die Durchblutung. Die Schwellungen klingen so schneller ab. Aber: Um einen Gang zum Arzt sollten Sie sich nicht drücken, egal wie angenehm sich das Baden anfühlt.

Fazit

Probleme mit den Hämorrhoiden geht einer Bindegewebsschwäche voraus. Wenn es in Ihrer Familie also Fälle von Bindegewebsschwäche gibt, dann sollten unsere 6 Tipps zur Vorbeugung von Hämorrhoiden beachten.  Werden Sie nicht panisch, sobald Sie Blut auf dem Toilettenpapier entdecken. Es kann sich auch lediglich um ein Analekzem handeln, das entstehen kann, wenn Sie es beim Reinigen mit trockenem Papier mal übertrieben haben. Sind die Beschwerden aber zu stark und nehmen gar zu, ist ein Termin bei einem Proktologen unumgänglich, raten unsere Experten.

Gerade Männer unter unter 30 Jahren mit Erektionsproblemen sollten aufhorchen: Hämorrhoiden könnten Schuld an einer mangelnden Standfestigkeit sein. Laut einer Studie im International Journal of Andrology leiden 25 Prozent der Männer Mitte 20 mit häufigem Hänger an diesen krampfadrigen Venen. Es besteht also eine Wechselwirkung. Hintergrund: Hämorrhoiden sitzen nahe der Nervenbahnen, die für die Erektion wichtig sind. Sind sie krankhaft vergrößert, stören sie dort ganz offensichtlich den Aufstand der Männlichkeit.

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