Der schnellste Mann der Welt: So will Usain Bolt noch schneller werden

Trainieren wie Usain Bolt
Trainieren wie Usain Bolt 7 Bilder

Top-Sprinter Usain Bolt erzählt, was er von Fast Food hält und wie sein tägliches Tempotraining aussieht

Seine karibische Lässigkeit nimmt allerdings bisweilen überhand: So hielt es Bolt vor den Olympischen Spielen in Peking oder vor der Weltmeisterschaft in Berlin nicht so genau mit Ernährung, Schlaf und allgemeiner Wettkampfvorbereitung. Als Athlet kokettierte er vor Pressevertretern mit seinem Konsum von frittiertem Hähnchenfleisch, wärmte sich vor den Finalläufen kaum auf und ging die Nacht zuvor schon mal sehr spät ins Bett. Mittlerweile merkt Bolt aber, dass er auf Dauer nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbeisprinten kann: "Ich mag Fast Food, konnte es früher aber besser verarbeiten. Heute denke ich um. Seit letztem Jahr habe ich einen Koch an meiner Seite. Der überzeugt mich immer wieder davon, dass es gut ist, leicht zu essen, mehr und regelmäßig Früchte und Gemüse. Künftig will ich versuchen, das auch zu großen Events auf den Punkt hinzubekommen."

Spätestens seit dem letzten Jahr, als ihm eine Blessur im unteren Rückenbereich die Saison verhagelte und eine Niederlage gegen Tyson Gay einbrachte, steht zudem das ungeliebte Krafttraining bei Bolt hoch im Kurs. Der Rumpf bedarf besonderer Zuwendung, da beim Sprinten enorme Kräfte wirken. Bolt: "Ich tue jetzt sehr viel für die Körpermitte. Wir arbeiten mit verschiedenen Methoden, so etwa auch mit Schwerpunkt-Monaten: In einem fokussieren wir uns beispielsweise auf Maximalkraft, im nächsten auf Explosivität." Jeder Tag ist für Bolt ein Trainingstag. Er steht gegen 9.30 Uhr auf und geht dann zum Krafttraining ins Studio. Nach ein bis anderthalb Stunden zieht’s ihn wieder nach Hause. Ausruhen, einen Happen essen. Danach hat er 3 Stunden Lauftraining. 3 Stunden laufen? Einer, dem schon 10 Sekunden zu viel sind? Tatsächlich besteht die meiste Zeit von Bolts Lauftraining aus Pausen, denn damit hochintensive Sprintläufe optimale Wirksamkeit entfalten können, muss sich zwischendurch der Körper immer wieder vollständig erholen.

Gelaufen wird also in kleinen Häppchen: "Auf der Laufbahn machen wir Tempotraining mit 60-, 110- oder 150-Meter-Einheiten. Die längste Strecke im Training sind 350 Meter. Das ist dann meine Ausdauereinheit", sagt Bolt, der zu Highschool-Zeiten auch einmal am jamaikanischen Reggae-Marathon teilgenommen hat. "Natürlich nur über die Halbmarathon-Distanz und das auch nur wegen der guten Stimmung am Rande. Außerdem bin ich die meiste Zeit nur gegangen oder habe getanzt", fügt der Fan von Hip-Hop-Klängen hinzu.

Schnell wie Usain Bolt
Jeder Tag ist für Bolt ein Trainingstag

Usain Bolt hat ein grosses Ziel: er will (noch) schneller werden

Was gibt’s für den schnellsten Mann der Welt überhaupt zu verbessern? "Ich komme oft zu lahm aus dem Startblock. Da will ich beständig besser werden. Auch die ersten 40 Meter sind ausbaufähig – ich möchte einfach noch schneller Höchstgeschwindigkeit erreichen. Der Rest läuft schon ganz gut", meint Bolt. Wenn also alles stimmt, die Ernährung, das Training, die ersten 40 Meter: Welche Zeiten sind in Zukunft noch machbar? Wie schnell kann Usain Bolt, kann ein Mensch laufen? Seit es 100-Meter-Wettkämpfe gibt, werden Prognosen abgegeben, wo die Schallgrenze menschlicher Leistungsfähigkeit liegen mag. Viele davon sind heute Schall und Rauch: Vor 80 Jahren wähnten Sportwissenschaftler die Grenze des Machbaren bei 10,1 Sekunden, vor 3 Jahren noch sagten Forscher ein Ende der Rekordjagd bei 9,726 voraus. Dann kam Bolt. Heute pendeln sich einige Studien im Bereich von 9,50 Sekunden ein. Sportmediziner der Southern Methodist University in Dallas wiederum erklärten, ein Mensch könne theoretisch schneller als 60 km/h laufen, wäre so locker unter 9 Sekunden im Ziel.

Wieder andere sagen: Es gibt kein Limit. Und was sagt der schnellste Mann der Welt dazu? "Keine Ahnung. Ich kann mir vorstellen, eine 9,40er-Zeit zu laufen. Aber vielleicht laufe ich auch nie wieder so schnell wie damals in Berlin." Weltrekorde, beteuert Bolt immer wieder, seien ihm nicht wichtig. Für sein eigentliches sportliches Ziel sind sie aber auch nicht hinderlich: "Ich will eine Sportlegende werden", brummt es mit tiefer Überzeugung aus ihm heraus. Und seine Augen glänzen in diesem Moment ein bisschen mehr als sonst. "Dazu reicht ein Olympiasieg nicht, dafür muss ich auch die kommenden Jahre Champion sein."

Und was passiert, wenn seine Laufbahn auf derselben vorbei ist? "Da will ich mehr Fußball spielen. Ich liebe es, aber mein Trainer sieht es nicht gerne, wegen der Verletzungsgefahr. Vielleicht schnuppere ich auch einmal beim Weitsprung rein." Einige Sekunden vergehen, dann setzt seine relaxte Bass-Stimme neu an, der Glanz in seinen Augen nimmt zu, und Bolt verkündet seine wahre Bestimmung: "Wenn ich meine Laufschuhe eines Tages an den Nagel hänge, möchte ich ein Restaurant auf Jamaika besitzen, direkt am Strand. Da schmeißen dann andere für mich den Laden, und ich kann endlich die Füße hochlegen."

Bolt auf einen Blick

  • Name: Usain St. Leo Bolt
  • Spitzname: Lighning Bolt, auf gut Deutsch: Blitzschlag-Bolt
  • Geboren am: 21. August 1986 in Sherwood Content, Jamaika
  • Größe: 1,95 Meter
  • Gewicht: 94 Kilo
  • Größte Erfolge: Olympia-Gold 2008 und Weltmeister 2009, jeweils über 100 Meter, 200 Meter und die 4x100-Meter-Staffel
  • Bestzeit über 100 Meter: 9,58 Sekunden (Weltrekord)
  • Bestzeit über 200 Meter: 19,19 Sekunden (Weltrekord)
Seite 3 von 3

Sponsored SectionAnzeige