Schlafforschung: So zähmen Sie Ihre Träume

So kriegen Sie Ihre Träume in den Griff
Im REM-Schlaf erlebt ein Mensch besonders intensive Träume, an die er sich morgens besser erinnern kann

Bisher waren Sie dem Inhalt Ihrer Träume hilflos ausgeliefert. Wird Zeit, dass Sie die Regie übernehmen

Angenommen, Sie bekämen für jeden Traum einen Euro. Dann hätten Sie am Ende Ihres Lebens ungefähr 150.000 Euro im Schlaf verdient. Verdienen Ihre Träumedeswegen nicht auch etwas mehr Aufmerksamkeit? Und wenn Sie schon nichts daran verdienen, dann bestimmen Sie ab sofort wenigstens den Inhalt. So werden Sie nächtens nie wieder von Albträumen und Seelenmüll belästigt.

»Ich träume von der neuen Saison, Alemannia Aachen gegen die Bayern. Ein Elfer in der 90. Plötzlich wache ich auf, muss pinkeln. Wie geht es danach weiter?«
Möglichst das Licht auslassen, schnell pinkeln und sich nach der Spielunterbrechung in bester Einschlafposition ins Bett legen. Rufen Sie sich das Ende des Traumes vor Ihr geistiges Auge. Was wäre ohne die nervige Unterbrechung passiert? Genau, Ivica Grlic hätte das Ding sicher verwandelt. Hören Sie den frenetischen Jubel des Publikums?

»Wenn der Wecker alle Torchancen zunichte gemacht hat: Kann man einen Traum in der darauf folgenden Nacht zu Ende träumen?«
Mit viel Übung ja. Der verstorbene Experte Paul Tholey fand in seinen Studien heraus, dass sich Träume mit wiederkehrenden Inhalten dafür am besten eignen. Denken Sie am folgenden Tag immer wieder mal an eben die Traumsequenz, aus der Sie herausgerissen wurden. Schauen Sie sich am Abend ein Fußballspiel im Fernsehen an und gehen Sie mit dem Gedanken ins Bett, dass Bachirou Salou in dieser Nacht das Tor des Jahres schießt. Falls es nicht sofort klappt: Bis zur Meisterschaft sind es ja noch einige Träume hin.

»Meine Sex-Träume sind echt super. Aber was kann ich tun, damit ich mir nicht den Pyjama versaue?«
Vergegenwärtigen Sie sich vor dem Einschlafen den Wunsch aufzuwachen, ehe Sie kommen. Bauen Sie gedanklich vorm Höhepunkt eine ruhige Szene ein, beispielsweise einen Blick aufs Meer. Traumdeuter Paul Tholey stellte fest, dass Geübte mit dieser Methode innerhalb von zehn Sekunden aufwachen.

»Was ist der Grund dafür, dass ich niemals träume?«
Die Frage ist eher: Warum erinnern Sie sich nicht an Träume? Jeder Mensch träumt. Männer erinnern sich aber seltener daran. "Das kann daran liegen, dass Frauen im Schnitt eine Stunde länger schlafen und deswegen länger die REM-Phase erleben", sagt Dr. Brigitte Holzinger vom Institut für Bewusstseins- und Traumforschung in Österreich (www.traum.ac.at). Im REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movements) erlebt ein Mensch besonders intensive Träume, an die er sich morgens besser erinnern kann als an Tiefschlaf-Träume.

Besonders in der Einschlafphase haben Menschen sehr lebhafte Träume
Besonders in der Einschlafphase haben Menschen sehr lebhafte Träume

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»Ich habe mal gelesen, dass Männer nur in Schwarzweiß träumen. Aber letzte Nacht
habe ich Kate Moss in einem grünen Bikini gesehen!«

Das mit den farblosen Träumen ist ein Ammenmärchen. "Im Zuge einer großen Studie über Schlafstörungen gab es lediglich das Ergebnis, dass in Männerträumen verstärkt die Farbe Grün auftritt und bei Frauen Blau", erklärt Brigitte Holzinger.

»Im Traum war ich sehr roh zu meiner Freundin. Dabei bin ich gar nicht aggressiv. Was hat das zu bedeuten?«
Vielleicht schlummern in Ihnen ja unterdrückte Aggressionen. Auch Partnerschaftsprobleme sind möglich. Oder ganz anders: Frauen stehen im männlichen Traum oft für die eigene sanfte Seite. "Und wenn ein Mann diese Seite stark vernachlässigt, kann ein Traum dies durch Übergriffe auf eine Frau symbolisch zum Ausdruck bringen", so Traum-Experte Stephan Schumann (www.traumentschluesselung.de).

»Im Traum renne ich um mein Leben, komme aber nicht voran. Warum?«
Besonders in der Einschlafphase haben Menschen sehr lebhafte Träume. Könnte der schlafende Mensch seinem Bewegungsdrang nachgeben, würde er sich möglicherweise verletzen. Aus diesem Grund legt das Gehirn sein Bewegungszentrum lahm. Diese erzwungene Bewegungslosigkeit kann dann durchaus in seinem Traum vorkommen.

»Was kann man dafür tun schöne Träume zu haben?«
Sport steigert die Zufriedenheit und baut Aggressionen ab. Auf diese Weise entledigen Sie sich jener Dinge, die Sie im Schlaf belasten könnten. Aber sporteln Sie nicht spät abends, das regt Ihren Kreislauf an, Sie schlafen schwerer ein. Ihre letzte Mahlzeit sollten Sie mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen zu sich nehmen. Optimal sind fettarme Snacks, Salat und Obst. "Auch Geräusche können Träume beeinflussen", sagt Psychologin Dr. Kristin Müller-Popkes. "Das Unterbewusstsein nimmt eine akustische Veränderung wahr und baut diese oft in den Traum ein." Klima und Bettzeug entscheiden ebenfalls über den Traum-Output. Die beste Raumtemperatur liegt bei 16 Grad, die Luftfeuchtigkeit sollte idealerweise 50 Prozent betragen. Entscheiden Sie sich für atmungsaktive, leichte Kissen und Decken.

»Ich werde häufig von Albträumen gequält. Wieso?«
"Haben Sie etwa einen Albtraum pro Monat, ist das normal", sagt Professor Dieter Riemann von der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Freiburg. Wer über einen längeren Zeitraum hinweg häufiger von belastenden Träumen geplagt wird, sollte einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen. Die Ursachen können Stress, aber auch Depressionen sein. Besonders nach schockierenden Ereignissen, zum Beispiel Unglücken oder Überfällen, kann es zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) kommen. Verhaltenstherapien, kurzfristig auch Antidepressiva, können helfen.

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"Die in Träumen auftauchenden Symbole lassen sich nicht auf jeden Menschen pauschal übertragen", erklärt Experte Stefan Schumann. "Kommt bei zwei Personen ein reißender Wasserfall im Traum vor, kann das ganz verschiedene Bedeutungen haben." Zur Entschlüsselung empfiehlt der Therapeut folgende Technik.

  • Verdeutlichen Sie sich den Traum, indem Sie ihn Revue passieren lassen. Schreiben Sie den Trauminhalt am besten auf, um ihn zu visualisieren, Details herauszuarbeiten.
  • Unterstreichen Sie einzelne Symbole. Finden Sie heraus, was diese für Sie persönlich bedeuten. Welche Eigenschaften fallen Ihnen ganz spontan zu den Symbolen ein?
  • Vertiefen Sie das Ganze, abstrahieren Sie von den Bildern. Dazu dieses Beispiel: In einem Traum verbrennt Ihre alte LP-Sammlung. Vielleicht bedeutet es einfach nur, dass Sie mal den Dachbodenspeicher entrümpeln sollten. Möglicherweise stehen die gesammelten Vinyl-Scheiben aber auch für Ihre Lebensfreude, die durch zu viel Stress in Gefahr ist. Denken Sie bei Feuer an Auflösung, könnte das ein Hinweis darauf sein, sich von etwas zu trennen.
  • Deuten Sie diese Lösungswege, setzen Sie die Strategien im alltäglichen Leben um. Dann hat es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeträumt.
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