Gegen peinliche Körpergeräusche: Soforthilfe bei Blähungen

Puhhh, Blähungen können einem (und anderen) das Leben ganz schön schwer machen
Blähungen sind nicht nur wegen ihrer Geräusche unangenehm - auch ihr Gestank kann peinlich werden

Obwohl Blähungen für viele Menschen ein echtes Problem sind, möchte niemand darüber reden. Wir sagen Ihnen, was hinter den fiesen Darmwinden steckt und was Sie dagegen tun können

In diesem Artikel:

Mitten in der Konferenz, beim Gewichte stemmen im Studio, Zuhause auf der Couch oder gar beim Date: Regelmäßig entweicht Ihnen der ein oder andere Pups und Sie würden am liebsten im Erdboden versinken? Damit sind Sie nicht allein. Die meisten Menschen werden hin und wieder von Blähungen heimgesucht. Klar, Blähungen oder Flatulenzen, wie die unliebsamen Darmwinde fachsprachlich heißen, sind peinlich. In den meisten Fällen sind die Ursachen dafür aber harmlos.

Was sind Blähungen?

Medizinisch gesehen, sind Blähungen eine völlig normale, gesundheitlich unbedenkliche Folge von Verdauungsvorgängen. Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße müssen vom Körper in ihre Einzelteile zerlegt werden, damit sie in den Blutkreislauf gelangen können. Dies geschieht vor allem im Magen und Dünndarm. Alles, was hier nicht vollständig zerlegt wird, gelangt weiter in den Dickdarm und somit in das Reich der Darmflora. Diese setzt sich aus unzähligen Mikroorganismen zusammen, die unseren Darm und unser Immunsystem in Balance halten. Die Bakterien ernähren sich von den Nahrungsresten und machen einiges davon noch verwertbar. Dabei entstehen Gase.

Wie viel Luft im Darm ist noch normal?

Beim Verdauen einer normalen Mahlzeit entstehen ca. 15 Liter Gas. Das meiste davon diffundiert über die Darmwand ins Blut und wird über die Lunge abgeatmet. Der Rest verlässt den Körper als Flatus – oder, wie die meisten sagen, als Pups. Ein einzelner Pups besteht aus 40 ml Gas. Oder genauer: Aus 60 Prozent Stickstoff, 15 Prozent Kohlendioxid, 20 Prozent Wasserstoff und 5 Prozent Sauerstoff. Durchschnittlich entweichen Männern 12,7 Furze pro Tag – dem einen mehr, dem anderen weniger. Solange Sie die übermäßige Gasbildung ohne Schmerzen auf natürlichem Wege loswerden können, müssen Sie sich (zumindest gesundheitlich) keine Sorgen machen. Sollte sich Ihr Bauch aber stark aufblähen oder gar schmerzen, ist das ein Zeichen dafür, dass die Gase nicht ausreichend nach außen entweichen können. Möglicherweise leiden Sie an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einer entzündlichen Magen- oder Darmerkrankung. In diesem Fall sollten Sie medizinischen Rat einholen.

Theoretisch sind die oben genannten Gase allesamt geruchlos. Doch selbst dem kleinsten Pups reichen winzige Spuren von Schwefelverbindungen, meist Schwefelwasserstoff, um sich in eine übelriechende Version seiner selbst zu verwandeln. Das Tückische: Schwefel mischt im Darm fast immer mit, denn das Element steckt in zahlreichen Aminosäuren. Aber auch der Genuss von schwefelhaltigen Lebensmitteln wie Kohl oder Lauchgemüse, trägt zum unangenehmen Geruch von Blähungen bei. Stinkende Blähungen sind aus medizinischer Sicht also ebenso unbedenklich wie ihre geruchlosen Verwandten. Doch eines haben beide gemein: Sie sind überaus unangenehm, wenn nicht sogar peinlich. Grund genug, sich einmal vor Augen zu führen, wodurch Blähungen eigentlich entstehen.

10 Ursachen für Blähungen

Blähungen können mitunter ziemlich schmerzhaft sein - © Shutterstock

Neben bestimmten Lebensmitteln oder ganzen Lebensmittelgruppen, sorgen auch Verhaltensweisen für eine starke Gasbildung. Hier sind die gängigsten Auslöser für Blähungen:

  1. Laktose: Jeder fünfte Deutsche verträgt den Milchzucker schlecht oder gar nicht. Nach dem Verzehr von Milch(-produkten) werden Betroffene von Blähungen, Bauchkrämpfen oder Durchfall heimgesucht. Mehr Informationen zur sogenannten Laktose-Intoleranz finden Sie hier.  
  2. Kohlensäure: Obwohl diese meist durch Rülpsen entsorgt wird, kann sie bei manchen Menschen zu Blähungen führen. 
  3. Zuckeraustauschstoffe: Xylit, Sorbit, Maltit oder Isomalt können bakteriell verwertet werden, wodurch Gase entstehen. 
  4. Fruchtzucker: Ähnlich wie Milchzucker kann auch Fructose (Fruchtzucker) zu starken und schmerzhaften Blähungen führen. Doch auch gesunde Menschen, die nicht an einer Fructoseintoleranz leiden, werden bei einem erhöhten Fructose-Konsum (Fructose steckt neben Obst auch in vielen Getränken, Süßigkeiten oder Süßstoffen) von Darmbeschwerden heimgesucht.  
  5. Ballaststoffe: Obwohl diese pflanzlichen Nahrungsbestandteile sehr gesund und wichtig für eine normale Verdauung sind, können sie in größeren Mengen zu Verstopfungen und Blähungen führen. Insbesondere Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen, sind für ihre blähende Wirkung bekannt. 
  6. Fettreiche Mahlzeiten: Fett wird nur langsam vom Körper verarbeitet. Die Folge: Fettreiches Essen verweilt lange im Verdauungstrakt und bläht so. 
  7. Antibiotika: Tötet neben den „bösen“ leider auch die guten Bakterien. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht in der Darmflora, das die Gasproduktion steigert. 
  8. Kaugummi: Das ständige Kauen führt dazu, dass Sie vermehrt Luft schlucken, was wiederum einen Blähbauch fördert. • Stress: Schlingen Sie Ihre Mahlzeiten zwischen Tür und Angel hinunter, führt dies ebenso wie Kaugummi kauen zu einer erhöhten Aufnahme von Luft. Außerdem kauen Sie jeden Bissen nicht richtig und die Nahrung wird nur unzureichend verdaut.  
  9. Bier: Auch wenn niemand weiß, wieso – Bier fördert nachweislich für Blähungen. Und zwar für die fies stinkenden. 
  10. Höhe: Normalerweise geht der größte Teil der Darmwinde über die Darmwand ins Blut über. Doch ab 3500 Metern Höhe dreht sich der Spieß um und die Gase wandern in den Darm.

10 Lebensmittel, die Blähungen verursachen können

Chili con Carne ist zwar lecker, aber auch riskant: Die Kidneybohnen können fiese Blähungen auslösen – © Robyn Mackenzie/ Shutterstock.com

  1. Milch
    Viele können den Milchzucker Lactose nicht abbauen, weil sie zu wenig Laktase (Enzym) bilden. Alternativen: Fermentierte Milchprodukte (Quark, Buttermilch, Joghurt), darin ist Lactose fast ganz abgebaut. Sojamilch-Produkte sind ganz laktosefrei. Achtung: Dimeticon, ein Mittel gegen Blähungen, enthält Lactose.
  2. Mineralwasser
    Kohlensäure wird meistens durch Rülpsen entsorgt, bei manchem wirkt es aber auch blähend. Alternative: Lieber stilles Wasser trinken!
  3. Süßstoff
    Xylit, Sorbit, Maltit oder Isomalt erhöhen das Bläh-Risiko (können von Darmbakterien verwertet werden). Alternative: Aspartam, Saccharin oder Acesulfam.
  4. Bonbons
    Enthalten oft Fruktose, die manche Menschen nicht gut verdauen können. 
  5. Süßigkeiten
    Zucker "füttert" Hefepilze im Darm, was Blähungen verursachen kann. Alternative: Süßes nicht mit Ballaststoffreichem zusammen essen. Also: kein Dessert nach dem Chili, kein Nutella aufs Vollkornbrot. 
  6. Kaugummi
    Ewiges Kauen fördert das Schlucken von Luft, die einen Pupsbauch verursachen kann.
  7. Bier
    Bier erhöht zwar nicht die Zahl der Blähungen, dafür deren Gestank. Wieso ist unbekannt.
  8. Sahne
    Aufgeschlagenes enthält viel Luft, die auch in den Darm gelangt (betrifft auch sehr viele Light-Produkte, die so auf mehr Volumen getrimmt werden). 
  9. Hülsenfrüchte
    Hülsenfrüchte enthalten viele Ballaststoffe, die eine gesunde Darmflora fördern, aber auch Blähungen verursachen können. Alternative
    Lange einweichen. Getrocknete Hülsenfrüchte waschen, mit siedendem Wasser übergießen und zwölf Stunden lang einweichen. Zum Kochen wieder frisches Wasser nehmen.
  10. Vollkornbrot
    Die Ballaststoffe sorgen für Pupserei. Alternative: Fein gemahlenes Vollkornmehl verträgt man oft besser. Ernährung langsam auf ballaststoffreicheres Brot umstellen. Die Darmflora passt sich dem veränderten Angebot an. 

Was Sie gegen Blähungen tun können

Oh doch: Jetzt sagen Sie den Blähungen den Kampf an! - © Luca Montevecci / Shutterstock.com

Auf den ersten Blick scheint ein Leben frei von Blähungen ziemlich schwierig – doch das täuscht. Beherzigen Sie unsere nachfolgenden Tipps, können Sie den unliebsamen Darmwinden ein für alle Mal ein Ende setzen.

  • Ernährungstagebuch führen
    Schreiben Sie eine Woche lang täglich genau auf, was Sie zu sich nehmen und wann Sie unter Blähungen leiden. So können Sie die Täter entlarven und gegebenenfalls ein Muster erkennen. Treten Blähungen beispielsweise immer nach dem Konsum von Milch auf, könnte das ein Anzeichen für eine Laktoseintoleranz sein. Lassen Sie sich beim Arzt testen. 
  • Wärme: Hat es Sie mal wieder erwischt, hilft Wärme. Einfach ein Körnerkissen oder eine Wärmflasche auf den Bauch legen und entspannen. Auch gut: Ein warmes Vollbad nehmen. 
  • Bauchmassage: Massieren Sie Ihren Bauch mit sanftem Druck im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel herum. Das lockert die Gase.  
  • Kümmel, Anis, Fenchel & Co: Egal, ob als Tee, Tropfen oder in Kapselform – Gewürze und Kräuter regen die Verdauung an und lindern Blähungen und Bauchschmerzen. 
  • Bewegung: Joggen, Radfahren, leichtes Bauchmuskeltraining oder einfach nur ein kleiner Spaziergang um den Block – Bewegung bringt den Darm in Schwung, sodass die Nahrung nicht unnötig lange im Verdauungstrakt verweilt.  
  • Entspannung: Kommen Sie erst einmal runter, bevor Sie Ihre Mahlzeiten zu sich nehmen. Langsames Essen mit bewusstem Kauen (jeden Bissen mindestens 20-mal kauen) führt dazu, dass Sie weniger Luft schlucken und die Verdauung Ihres Essens erleichtern. 

    >>> Weitere Tipps gegen Blähungen und Blähbauch

    Fazit: Blähungen sind kein Schicksalsschlag

    Blähungen sind in den meisten Fällen harmlos und treten bei Jedem mal auf. Doch mit ein paar einfachen Tipps lassen sie sich leicht vermeiden. Klar, ganz verhindern können Sie die Gasbildung nicht. Gerade Menschen mit einem sensiblen Verdauungstrakt neigen einfach schneller zu Blähungen und einem Blähbauch. Doch mit der richtigen Lebensmittelauswahl, ausreichend Bewegung und bewussten, langsamen Mahlzeiten können Sie schon viel für eine flache Mitte und einen ruhigen Darm tun. Ganz wichtig: Entlarven Sie die für Sie individuell problematischen Lebensmittel, denn allgemeine Empfehlungen sind oft zu schwammig, um wirklich dauerhaft Ruhe vor Darmwinden zu haben. Und wenn es Sie dann doch erwischt, wissen Sie nun, was Sie zu tun haben: Bauchmassagen, Wärme oder Fencheltee bringen schnell und einfach Entlastung. Unangenehme Pupse gehören für Sie ab heute der Vergangenheit an. 

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