Schmerz lass nach: Soforthilfe bei Sportverletzungen

Erste Hilfe bei Sportunfällen
Bitte nicht mehr weiterfahren

Aufhören und Arzt rufen oder Spucke drauf und weitermachen? Wie Sie klassische Verletzungen beim Sport richtig behandeln

Muskelfaserriss Gleich neben der langweiligen Ski-Autobahn lachen Sie diese wunderbaren Bodenwellen an, auf denen es sich herrlich springen lässt. Also raus aus der Spur Sprung und ... Landung. Der stechende Schmerz im Oberschenkel erinnert Sie an Ihre grauen Theoriekenntnisse "Muskelfaserriss. "Ans Weiterfahren sollte man gar nicht denken", warnt Dr. Kay-Uwe Hoffmann vom Krankenhaus für Sportverletzte in Hellersen.
Sofortmaßnahme Der Muskelfaserriss sollte sofort versorgt werden. Denn je mehr Blut in die Muskellücke strömt, desto länger dauert die Heilung. Eine frühzeitige Versorgung zahlt sich aus: "Pro unversorgter Stunde verlängert sich die Heilungszeit um einen Tag", so Müller-Hörner. Zuerst lagern Sie das betroffene Bein hoch. Danach legen Sie einen Druckverband an – auch wenn's wehtut – und kühlen mit Eiswasser, um die Schwellung zu verringern (siehe hier). Und Finger weg von Eissprays. Wer sie falsch anwendet, riskiert schwerste, verbrennungsähnliche Gewebeschäden. Später beim Sportmediziner wird der Bluterguss in der Muskellücke abgesaugt, und Sie bekommen einen Cocktail aus Vitaminen und Enzymen verabreicht.

Platzwunde Sonntagmorgen auf dem Bolzplatz. Sie und Ihre Kollegen gegen eine Auswahl der Hausmeister der Umgebung. Als Sie im Strafraum zum Kopfball ansetzen, verpasst Ihnen Blockwart Wuttke eine Kopfnuss: Sie bluten wie eine abgestochene Sau.
Sofortmaßnahme Ehrlich gesagt: Aufgeben und in die Klinik fahren wäre jetzt das Allerbeste. Aber natürlich wollen Sie Ihr Team nicht im Stich lassen. Die gute Nachricht: Auch eine starke Blutung stoppt irgendwann, wenn man Druck ausübt (siehe hier). Fürs Rückspiel packen Sie ein paar Steri-Strips ein. Mit diesen chirurgischen Klebestreifen lassen sich die Ränder einer Wunde zusammenheften. Danach geht’s jedenfalls gleich zum Arzt. "Wird eine Platzwunde nicht penibel versorgt, verzögert sich die Heilung und die Narbe wird viel größer", warnt Müller-Hörner.

Schürfwunde Für Ihren ersten Triathlon ist die Zeit nach dem Schwimmen gar nicht übel. Schade, dass Radfahren nicht Ihre Stärke ist und Sie schon in der ersten Kurve mit dem Oberschenkel über den Asphalt schrabbeln.
Sofortmaßnahme: Das Wichtigste ist jetzt Sauberkeit. Bevor Sie wieder auf den Sattel steigen, müssen Sie die Wunde mit einem Verband oder zumindest einem sauberen Tuch vor Keimen schützen.

Beim nächsten Stopp spülen Sie die Abschürfung zur Sicherheit noch einmal mit Wasser aus. Feuchte Wunden wollen feucht behandelt werden. Im Klartext: Pflasterverbot! Schürfungen heilen nach spätestens sieben Tagen – meist sogar, ohne Narben zu hinterlassen. "Mucokehl-Tropfen beschleunigen die Wundheilung", sagt Dr. Rainer Müller-Hörner, Sportmediziner in Fürth und Ex-Profi-Triathlet. Das Naturheilmittel aus der Apotheke müssen Sie dreimal täglich auftragen. Gut geeignet ist auch der Gitternetzverband Adaptic. Er haftet nicht am Wundgrund, funktioniert somit auch bei Brandwunden. "Als Outdoor-Sportler sollte man immer eine Gürteltasche mit solchen Utensilien dabeihaben", rät der Experte. Auch wenn Schürfwunden vergleichsweise harmlos sind (Desinfizieren nicht nötig): Wer keine Tetanusimpfung hat, sollte das gleich nachholen.

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