Interview: Sportlern fehlt Jod

"Man muss nicht unbedingt Pillen nehmen"
Wagner schrieb das Buch „Essen, trinken, gewinnen“

Günter Wagner ist Ernährungswissenschaftler am Institut für Sporternährung in Bad Nauheim und Buchautor

Müssen Sportler Vitamin- oder Mineralstoffpillen nehmen? Normalerweise nicht, denn das Risiko eines Mangels ist bei Sportlern eher geringer, weil sie mehr essen dürfen ohne dick zu werden. Was sie an zusätzlichen Nährstoffen bekommen, gleicht den größeren Bedarf in der Regel aus.

Was ist, wenn man trainiert und zugleich weniger isst um abzunehmen? Dann steigt in der Tat das Risiko eines Mangels. Man muss dann nicht unbedingt Pillen nehmen, der Bedarf lässt sich weiter durch die normale Nahrung decken. Doch je weniger man isst, desto bewusster muss man auswählen, um alle Nährstoffe zu bekommen.

Kann man mit Vitamin- und Mineralstoffpillen seine Leistung steigern? Eine Unterversorgung mit einem oder mehreren Nährstoffen verschlechtert die Leistung auf jeden Fall. Dann können Vitamin- und Mineralstoffpillen eine effektive Hilfe sein. Wenn der Bedarf jedoch gedeckt ist, steigern zusätzliche Nährstoffe die Leistung nicht.

Was fehlt Sportlern am häufigsten?Jod. Es ist ohnehin schwierig, genug davon zu bekommen, aber Sportler verlieren es auch noch über den Schweiß.

Sollte jeder Sportler Jod einnehmen? Nein, aber er sollte unbedingt Jodsalz verwenden und öfter Fisch essen. Jodmangel kann man durch Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut feststellen. Ein Defizit wirkt sich auf den gesamten Stoffwechsel und natürlich auch die sportliche Leistung aus. Anfangs zeigt sich Jodmangel aber nur durch Allerweltssymptome wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.

Viele Sportler nehmen Zink, um bei hoher Trainingsbelastung einem Infekt vorzubeugen. Ist das sinnvoll? Das ist umstritten. Wenn man es nehmen will, dann kurmäßig. Das gilt für viele hoch dosierte Monopräparate, die man wie ein Medikament gezielt einsetzt, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. So minimiert man das Risiko von Nebenwirkungen und vermeidet, dass der Körper sich an die hohe Dosis gewöhnt. Beim Zink hat sich eine Ergänzung mit täglich 30 bis 50 mg Zinkaspartat über 4 Wochen bewährt.

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