Fahrdynamik-Test: Sportwagen im Handling-Vergleich

Die zehn Testautos sammeln sich
Die zehn Testautos sammeln sich 43 Bilder

Beschleunigen, Wedeln und Bremsen – Die Kollegen von auto motor und sport haben Testwagen nur auf ihre Schnelligkeit getestet. So schlagen sich Audi TT RS, BMW 1er Coupé, KTM X-Bow R und Porsche Cayman R

Auf dem Niveau der beiden Exoten Lotus Evora S und Artega GT bewegen sich auch die Rundenzeiten des BMW 1er M Coupé und des Audi TT RS, unter dessen Coupé-Kleid das aufwendigste Technikpaket steckt: Allradantrieb, Fünfzylinder-Turbomotor und Doppelkupplungsgetriebe.

Audi TT RS anstandslos aber ohne Emotion
Dazu kommen noch tolle, aber unverschämt teure (2.855 Euro) Schalensitze sowie ein kleines, mit Schaltwippen garniertes Lenkrad - perfekte Arbeitsbedingungen für den Fahrer also. Der Lohn: fabelhafte Ergebnisse in allen Wertungsprüfungen, die weitgehend stressfrei eingefahren werden. Lastwechsel? Nie. Untersteuern? Manchmal ein bisschen. Traktion? Immer. DSG? Im Sportmodus perfekt. Nur der emotionale Funke mag dabei einfach nicht überspringen. Daran können weder die tiefe Sitzposition noch der rau brabbelnde Fünfzylinder-Klang etwas ändern.

Beim BMW 1er M Coupé stehen dagegen die üppigen Rundungen der Karosserie in hartem Gegensatz zu den spitzen Ecken und Kanten seines Charakters. Knapp über der Leerlaufdrehzahl bricht in den sechs Brennräumen des Turbomotors ein heiser brüllender Sturm los, dessen mit 450 Newtonmetern gespickte Drehmoment-Keule zuerst auf das bis zu 100 Prozent sperrbare Hinterachsdifferenzial einschlägt, um danach die 265 Millimeter breiten Reifen auf mehr als nur Betriebstemperatur zu bringen. Selbst das ausgefuchste Stabilitätsprogramm mit den drei Modi "nie", "ein bisschen" und "nur quer" ist jedoch überfordert, die Leistung in genügend Traktion umzuwandeln, um an den Audi TT RS heranzukommen.

Präzise Lenkung des BMW 1er M Coupé
Immerhin: Den Slalom beherrscht das BMW 1er M Coupé hervorragend, da er schnell hohen Grip an der Vorderachse aufbaut und seine Lenkung sich derart präzise mitteilt, wie es Politiker wohl nie mehr lernen werden - und das Sparen auch nicht.

KTM beherrscht das wiederum perfekt. Der österreichische Motorradspezialist lässt am X-Bow R eigentlich alles weg, was Autos auszeichnet. Nur vier Räder und ein Lenkrad blieben übrig. Also einfädeln in die Sitznische, per Hebel die Pedalerie justieren, Helm auf, tief Luft holen und los. Bereits beim Warmfahren der spärlich profilierten Sportreifen registriert der Magen mehr Querbeschleunigung als in jedem der anderen Testkandidaten. Im Heck rumort der TFSI-Motor noch dröger als in VW Golf R und Seat León Cupra R, schließlich fehlt das Dämmmaterial.

300 PS für 859 Kilogramm KTM X-Bow R
Da er nur 859 Kilogramm X-Bow R bewegen muss, leistet er vorsichtshalber 300 PS. Von Beschleunigen kann hier keine Rede sein, eher von Abfeuern, obwohl der Carbon-Sportwagen den Technik-Guru Audi TT RS beim Sprint nicht abhängen kann. Und die Rundenzeit von 1,31.6 Minuten blitzt nur dann im Display auf, wenn die Reifen des KTM X-Bow R Optimaltemperatur haben und der Fahrer zuverlässig den Bremspunkt trifft.

Unter uns, liebe KTM-Ingenieure: So ein ABS-System gehört nicht zu den überflüssigsten Erfindungen des letzten Jahrtausends. Über das fehlende ESP wird nicht gemeckert. Obwohl: Der Porsche Cayman R beweist mit sensationell schnellen 145,6 km/h in der ISO-Wedelgasse, wie hilfreich ein paar ordentlich dressierte Bits und Bytes sein können.

Porsche Cayman R und KTM X-Bow R als Referenzen
Warum muss der Porsche Cayman R überhaupt gegen den KTM X-Bow R antreten? Beide dienen als Referenz für das gesamte Teilnehmerfeld. Der KTM X-Bow R übernimmt hierbei die Rolle des radikalen Extremsportlers, während der Porsche Cayman R sich selbst spielt, sozusagen die Mutter aller Sportwagen. Und da muss auch nicht zwangsläufig 911 draufstehen. Nahezu paritätische Gewichtsverteilung, ein Sportfahrwerk mit optimierten Spur- und Sturzwerten, ein hemmungslos drehender Boxer-Mittelmotor, dazu lediglich 1.360 Kilogramm Gesamtgewicht - 9.. wie viel noch gleich?

Der Porsche Cayman R bindet seinen Fahrer nicht nur tief und mittig ein, er vermittelt ungeachtet seines Antriebslayouts auch viel Sicherheit auf dem Weg zur Bestzeit. Das 3,4-Liter-Triebwerk sägt, schreit und rotzt gelegentlich auch auf die Fahrbahn, wenn Gangwechsel kurz seinen Tatendrang einbremsen. Mehr subjektive Dynamik - durch fabelhafte Testergebnisse in ein objektives Licht gerückt - steht derzeit in keiner Preisliste, erst recht nicht für rund 70.000 Euro. Darin enthalten: mehr Alltagstauglichkeit als erwartet. Doch deren Bewertung ist ja dem Rotstift zum Opfer gefallen.

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