Keine Chance für Diabetes & Co.: Steinzeit-Diät schützt vor Krankheiten

Gesunde Ernährung wie in der Steinzeit wirkt sich positiv auf den gesamten Körper aus
Mit der Steinzeit-Diät halten Sie nicht nur Ihr Gehirn fit, sondern auch Ihren ganzen Körper

Zivilisationskrankheiten wie Diabetes kannten die Menschen vor rund 10 000 Jahren nicht. Wir sagen Ihnen, wie der heutige Lebensstil der Gesundheit schaden kann

ZIVILISATIONSKRANKHEITEN AUF DEM VORMARSCH

Wohlstand und das damit verbundene Überangebot an Lebensmitteln fordern ihren Tribut. „Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen kannten die Menschen vor rund 10 000 Jahren nicht“, sagt Westphal. „Wenn ihre Gesundheit bedroht war, dann etwa durch Verletzungen, die sie meist bei der Jagd erlitten.“ Wie der heutige Lebensstil der Gesundheit schaden kann, beschreibt Ernährungswissenschaftler Worm in seinem aktuellen Buch: „Menschenstopfleber – die verharmloste Volkskrankheit Fettleber“ (Systemed, um 20 Euro). Bei Lebererkrankungen denkt man zuerst an Alkohol, aber das ist häufig falsch. „Eine Fettleber entsteht in erster Linie durch Bewegungsmangel, gepaart mit einem dauerhaften Überschuss an Kohlenhydraten“, stellt Worm fest. Schuld daran sind vor allem einfache Kohlenhydrate aus raffinierten Lebensmitteln, etwa Zucker oder Weißmehl, denn diese haben den stärksten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. In Deutschland liegt der Zuckerkonsum pro Jahr und Kopf bei ungefähr 35 Kilogramm.

Mit den Auswirkungen solcher industriell hergestellten Nahrungsmittel hatten unsere Vorfahren gar nicht zu kämpfen. „Natürliche Lebensmittel wie Früchte, Beeren, Pilze und Nüsse liefern neben Kohlenhydraten gleichzeitig Ballaststoffe“ erklärt Worm. Sie verlangsamen die Aufnahme der Kohlenhydrate ins  Blut. Der Blutzuckerspiegel schießt nicht so sehr in die Höhe, und die Bauchspeicheldrüse muss weniger Insulin produzieren, um Zucker in die Zellen zu transportieren. „Das bedeutet ein geringeres Risiko, übergewichtig zu werden und an Diabetes zu erkranken“, sagt Worm. „Für den Erhalt der Gesundheit sollten Sie an Stelle von industriell verarbeiteten Produkten mehr naturbelassene Lebensmittel wählen.“

FETTES FLEISCH STÄRKT DAS HERZ

In der Steinzeit war Fleisch Energielieferant Nummer eins. Als die Menschen an die Küsten zogen, kam Fisch dazu. Die Jäger favorisierten  große Tiere: Bären, Elche oder Wildpferde. „Größere Tiere haben einen höheren Körperfettanteil als kleine“, sagt Worm, „Betrachtet man das Verhältnis von Aufwand für die Jagd und Nutzen als Energielieferant, so schneidet fettes Fleisch im Vergleich zu magerem Fleisch oder zu pflanzlicher Nahrung am besten ab.“ Kleintiere wie Kaninchen oder Eichhörnchen brachten im Gegensatz zu großen Tieren nur mageres Fleisch. Zu viele Proteine machten Steinzeitmenschen sogar krank – Kaninchenhunger nennt man dieses Phänomen: Wenn der Mensch mehr als 200 bis 300 Gramm reine Proteine pro Tag aufnimmt, dann überfordert er seine Leber. Die Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit. Schon aus diesem Grund konnten sich Steinzeitmenschen nicht nur von magerem Muskelfleisch ernähren.

In der Natur galt und gilt noch immer: Je fetter, desto energiereicher, desto besser. Eine Studie aus dem Jahr 1978, die den Gesundheitszustand von Inuit auf Grönland untersuchte, ergab, dass von 2600 Teilnehmern kein einziger einen Herzinfarkt erlitten hatte. Auch wurde bei niemandem eine chronische Herzerkrankung festgestellt – und das bei einer Ernährung, die überwiegend aus Fleisch besteht. Die weitverbreitete Annahme, dass Fett im Fleisch schlecht sei, stimmt keineswegs. „Der Anteil der ,guten‘, also der ungesättigten Fettsäuren am Fettsäurengehalt insgesamt beträgt bei Rindfleisch etwa 50, bei Schweinefleisch rund 60 und bei Geflügelfleisch um die 70 Prozent“, sagt Ernährungswissenschaftler Worm. Darüber hinaus ist Fleisch auch eine hervorragende Quelle von Zink und Eisen.

Aber Achtung: Frittierte Chicken-Wings und fettige Salami standen früher nicht auf dem Speiseplan! Industriell produzierte Fertignahrung wie diese hat mit dem puren Fleisch, das unsere Vorfahren aßen, so gut wie nichts gemein. Salami etwa wird gepökelt. Bei dieser Art des Konservierens wird dem Fleisch Nitrat zugefügt. Zu viel davon kann der Gesundheit in erheblichem Maße schaden. Zum Frittieren werden feste Fette benutzt. Diese haben den Vorteil, dass man sie besonders hoch erhitzen kann. Nachteil der Fette: Sie enthalten einen großen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Zwar sind diese nicht grundsätzlich schlecht. Allerdings sollten Sie darauf Acht geben, nicht nur gesättigte, sondern auch ungesättigte Fettsäuren in ausreichendem Maße aufzunehmen. Perfekt dafür: Rapsöl, fetter Fisch und Nüsse.

In vielen Punkten schneidet die Steinzeiternährung besser ab als moderne Essgewohnheiten. Und auch in Sachen Bewegung haben die Vorfahren uns locker abgehängt. Da drängt sich die Frage auf: Müssen wir wie einst mit Speeren bewaffnet durch die Wälder ziehen und eigenhändig Wild erlegen, um gesund zu essen und einen Caveman-Body zu kriegen? Nein, denn eines dürfen wir nicht vergessen: Unsere Vorfahren in der Steinzeit wurden nur halb so alt wie wir.

Es hat auch seine Vorteile, Lebensmittel zu verarbeiten. „Verfahren wie Kochen, Garen oder Haltbarmachen erweitern die Nahrungsvielfalt und helfen, bestimmte Nährstoffe besser aufzunehmen“, so Expertin Schramm. Wer sich gesund ernähren will, der sollte auf diese Verfahren nicht verzichten. Manche Befürworter einer paläolithischen Ernährung empfehlen, bestimmte Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen, weil sie roh ungenießbar sind (Hülsenfrüchte) oder weil sie in der Altsteinzeit weitgehend unbekannt waren (Milch, Weizenmehl). „Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist das nicht sinnvoll“, warnt Ökotrophologin Schramm. „Milch und Milchprodukte sind wichtige Lieferanten von Calcium, Hülsenfrüchte enthalten wertvolles pflanzliches Eiweiß.“ Wenn Sie sich zudem für die richtigen Getreideprodukte entscheiden – also etwa Vollkorn- statt Weißbrot und Müsli an Stelle von süßen Frühstücksflakes –, liefern diese wichtige B-Vitamine und Ballaststoffe. Im Grunde sind wir noch immer Steinzeitmenschen, nur in einer anderen Umwelt: mit anderer Kleidung, vielen technischen Geräten und leicht zu ergatternder, im Überfluss vorhandener Nahrung. Wir sollten dennoch stets die Nahrung wählen, die uns am meisten Nutzen bringt. Das Überleben unserer Vorfahren war eine Frage ausreichender Kalorienmengen. Wir dagegen müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel davon aufnehmen.

Also, fangen Sie wieder an zu jagen! Sie wissen jetzt ja, wonach.

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