Sterilisation: Alles was Mann über die Vasektomie wissen muss

Bei der Vasektomie handelt es sich um eine permanente Verhütungsmethode
Doch noch Kinderwunsch und schon die "Enter-Taste" gedrückt? Eine Sterilisation beim Mann ist umkehrbar

Sie spielen mit dem Gedanken sich sterilisieren zu lassen? Dann sollten Sie diese Fakten zum Thema Vasektomie kennen

Kleiner Schnitt, große Wirkung: Was Sie über das Thema Vasektomie wissen sollten

Verhütung ist längst keine reine Frauensache mehr! In einer gleichberechtigten Beziehung entscheiden verantwortungsbewusste Kerle mit, wie verhütet wird. Wer mit der Familienplanung abgeschlossen hat oder definitiv weiß, dass er keine eigenen Kinder möchte, für den könnte eine Vasektomie, also die Sterilisation des Mannes, infrage kommen. Wir haben hier für Sie alle Fakten und wichtigen Informationen zum Thema Vasektomie gesammelt.

In diesem Artikel erfahren Sie:

Was genau bedeutet eigentlich eine Vasektomie?

Die Sterilisation des Mannes ist eine äußerst sichere Verhütungsmethode: In einer kurzen Operation, der sogenannten Vasektomie, werden die Samenleiter durchtrennt. Die Produktion der Spermien geht danach im Hoden zwar weiter, jedoch gelangen keine Spermien mehr ins Ejakulat – also in die Samenflüssigkeit. Somit kann durch eine Vasektomie eine Schwangerschaft vermieden werden.

Im Vergleich zur Sterilisation bei Frauen – der sogenannten Tubenligatur, bei der die Eileiter abgeschnitten beziehungsweise abgebunden werden – ist die Sterilisation bei Männern weitaus unkomplizierter und risikoärmer, da die Samenleiter in einer ambulanten Operation durchtrennt werden. Bei Frauen wird der Eingriff hingegen unter Vollnarkose durchgeführt und erfordert eine komplexe Bauch-Operation.

Die Vasektomie ermöglicht Ihnen und Ihrer Partnerin also unbeschwerten Sex und bietet eine schnelle, wirksame und dauerhafte Art der Geburtenkontrolle. Auf die Sexualität selbst hat die Vasektomie keinerlei Einfluss, das Gefühl bei der Ejakulation bleibt voll erhalten. Jedoch sollte man nach der OP eine Schonzeit von einem Monat einplanen. Grundsätzlich ist die Durchführung der Vasektomie mit traditionellem Skalpellschnitt, mit Laser oder ganz ohne Skalpell möglich:

Gewöhnliche Vasektomie mit Skalpell oder Laser

Bei der klassischen Vasektomie handelt es sich um eine ambulante Operation, die in 10 bis 20 Minuten abgeschlossen ist. Zunächst werden der Leistenring sowie der Hodensack lokal betäubt, eine Vollnarkose ist ebenfalls möglich. Der Samenleiter wird dann durch einen kleinen Einschnitt in den Hodensack hervorgeholt. Ein Teil des Samenleiters, ca. ein Zentimeter, wird nun entfernt, die beiden Enden werden verödet und verbunden. Die verödeten Samenleiter werden nun in verschiedene Höhlen des Hodensacks gelagert, sodass sie nicht spontan wieder zusammenwachsen können. Selbstauflösende Fäden verbinden den Schnitt.

Non-Skalpell-Vasektomie

Hierbei handelt es sich um dieselbe Methode. Der Schnitt ist dabei jedoch so klein, dass keine Nähte verwendet werden. Hier genügt ein einfaches Pflaster als Verband und es bleiben nur minimale Einschnittsnarben erhalten.
Eine neue Art der Sterilisation könnte allerdings beide OP-Varianten schon bald überflüssig machen: Per Ultraschall wird in einer neuen Methode der Samenleiter erhitzt und zusammengeschmolzen. Entwickelt hat das Verfahren, das noch nicht einmal von einem Chirurgen ausgeführt werden muss, der Amerikaner Nathaniel Fried zusammen mit seinen Kollegen von der John-Hopkins-Schule für Medizin in Baltimore.

Mit dieser einfachen und schnellen Methode der Ultraschall-Sterilisation möchte Fried mehr Männer animieren, die Verhütung selbst in die Hand zu nehmen. Außerdem wäre „die Ultraschall-Sterilisation besonders in Entwicklungsländern nützlich, wo nicht immer ein Chirurg und ein Krankenhaus in der Nähe sind", sagt Fried.

Bei dieser Technik erfühlt der Arzt die Samenleiter im Hodensack und hält sie mit einer Klammer fest. In die Klammer ist ein Ultraschall-Leiter eingebaut, der die Wellen durch die Haut des Hodensacks auf den Samenleiter fokussiert. Innerhalb von 20 bis 50 Sekunden erhitzen die Schallwellen den Leiter auf 50 Grad Celsius und schmelzen so die Zellen zusammen. An der Oberfläche wird die Klammer währenddessen durch einen Wasserballon gekühlt.

Die Zellen im Samenleiter sterben ab und verstopfen den Durchgang für die Samen. An Hunden hat Fried seine Methode schon ausprobiert. Aber bevor auch Männer damit ihrer Fruchtbarkeit ein Ende setzen können, muss er noch beweisen, dass die Methode 100 Prozent sicher ist und dass bei der Anwendung durch die hohe Temperatur kein Schaden an der Haut des Hodensacks entsteht.

Welche Folgen bzw. Vor- und Nachteile bringt eine Vasektomie mit sich?

Die Sterilisation zählt zu den sichersten Verhütungsmethoden, die ein Mann anwenden kann. Sie hat einen Pearl Index von 0,1 – das bedeutet, dass nach einer Vasektomie pro Jahr nur eine von 1000 Frauen ungewollt schwanger wird. Somit ist die Vasektomie sogar eine sicherere Methode zur Verhütung als die Pille, denn diese weist einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9 auf. Nach der Operation kann es allerdings noch mehrere Monate dauern, bis der Mann wirklich unfruchtbar ist, denn nach einer Vasektomie befinden sich noch viele Spermien im den oberen Abschnitten des Samenleiters. In jedem Fall sollte eine Nachkontrolle beim Arzt durchgeführt werden.

Dieser kann dann ermitteln, ob alle Spermien ausgeschieden wurden oder ob eine Rekanalisierung, also eine spontane Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit, stattgefunden hat. Dies ist allerdings bei nur bei einem von 1000 Männern der Fall.

Tipp: Verhüten Sie unbedingt mindestens drei Monate lang nach der Vasektomie mit Kondomen, um eine mögliche Schwangerschaft auszuschließen und warten Sie ab, was die Nachkontrolle ergibt.

Nebenwirkungen nach einer Vasektomie sind sehr selten. „Sie werden weder dick, noch geht Ihre Lust zurück", erklärt der Hamburger Professor für Männergesundheit Frank Sommer. Seine Empfehlung: Wer sich für eine Vasektomie entscheidet, sollte sich per Skalpell operieren lassen. „Bei der Non-Scalpel-Vasektomie riskieren Sie Hautrisse im Hoden", so Sommer. Nur ganz selten kommt es nach einer Vasektomie zu einer psychisch bedingten Potenzstörung.

„Mancher fühlt sich nach dem Eingriff nicht mehr als vollwertiger Mann", berichtet der Hamburger Urologe Professor Hartmut Porst. Wie bei jedem anderen chirurgischen Eingriff bleibt auch bei der Vasektomie ein kleines Restrisiko: In ein bis zwei Prozent der Fälle kommt es zu Blutungen oder Infektionen. Etwa fünf Prozent der Männer klagen nach der Operation längerfristig über Folgeschmerzen an den entscheidenden Stellen.

Was ist bei der Vasektomie unbedingt zu beachten?

Wer mit dem Gedanken spielt, sich sterilisieren zu lassen, sollte sich umfassend informieren und die Vor- und Nachteile der Vasektomie gut gegeneinander abwägen. Denn eine Umkehrung des Eingriffs ist zwar grundsätzlich möglich, aber teuer und aufwendig. In diesem Fall wird eine erneute Operation erforderlich. „Bei der End-zu-End-Anastomose werden die zwei freien Enden Ihrer Samenleiter wieder zusammengenäht", erklärt Haydar Karatepe, Sexualmediziner aus Frankfurt am Main.

Wenn Ihr oberer Samenleiterabschnitt lang genug ist, um ihn zum Nebenhoden hinunterzuführen, kommt für Sie noch eine zweite Operationsmethode infrage: Der Urologe erstellt dann eine direkte Verbindung zwischen Samenleiter und Nebenhoden. „Ob die OP erfolgreich war, wird drei Monate später durch ein Spermiogramm geprüft. Ihre Erfolgschancen liegen zwischen 80 und 92 Prozent", erklärt der Berliner Urologe Mark Schrader. Entscheidend ist vor allem, wann die Vasektomie stattgefunden hat: Liegt die „Verschlusszeit“ erst etwa drei Jahre zurück, sind nach der Umkehrungs-OP bis zu 97 Prozent der Männer wieder zeugungsfähig und in 76 von 100 Fällen werden ihre Partnerinnen schwanger.

Wird die Refertilisierung nach acht Jahren durchgeführt, sind etwa 88 Prozent wieder fruchtbar, wovon 53 Prozent ein Kind zeugen. Generell ist dieser Eingriff mit wenigen Komplikationen verbunden und der natürliche Fruchtbarkeitsstatus kann in hohem Maße wiederhergestellt werden. Eine Geld-zurück-Garantie gibt’s aber natürlich trotzdem nicht! Überraschend: Relativ viele Männer bereuen ihre Vasektomie. „Bis zu zehn Prozent der sterilisierten Männer haben den Wunsch, diesen Eingriff wieder rückgängig zu machen", sagt Dr. Johan Denil, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Erektionsstörungen nach Vasektomie?

Zunächst einmal sollten Sie sich an einen Arzt wenden. Dieser kann dann feststellen, ob Ihr Problem psychisch oder organisch bedingt ist. Manche Männer fühlen sich nach einer Vasektomie nicht mehr wie ein "richtiger Mann". In der Regel gibt es jedoch keinen Zusammenhang zwischen einer Vasektomie und Erektionsproblemen.

"Trotzdem treten bei rund sieben Prozent der vasektomierten Männer nach dem Eingriff Erektionsschwäche auf", sagt Professor Dr. Frank Sommer, Universitäts-Professor für Männergesundheit am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der DGMG (Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit).

Fragen Sie, bevor Sie beim Arzt einen Termin machen, ob dieser eine sogenannte Doppler-Durex-Sonographie durchführt. "Dies ist eine entsprechende Ultraschalluntersuchung, die zeigt, wie gut die Durchblutung im Penis ist und wie gut das Blut im Penis gehalten wird.", so der Experte. Mittels einer Biothesiometrie können bei Bedarf auch die Nerven untersucht werden. Fragen Sie bitte auch hier bei Ihrem Arzt nach, bevor Sie den Termin vereinbaren.

Wie hoch sind die Kosten einer Vasektomie?

„Eine Sterilisation wird meistens ambulant vom Urologen, gelegentlich vom Chirurgen durchgeführt", weiß Professor Hartmut Porst, Facharzt für Urologie in Hamburg. „In der Regel unter lokaler Betäubung, auf Wunsch auch unter Kurznarkose.“ Da die Sterilisation meistens einen nicht-medizinischen Grund hat und damit eine persönliche Entscheidung des Patienten ist, sind die Kosten selbst zu tragen. Diese belaufen sich in der Regel auf zwischen 400 und 500 Euro.

Die Beratung, Nachkontrolle sowie Spermiogramm-Kontrollen sind im Preis mitenthalten. Auch die Umkehr einer Sterilisation ist möglich – dieser Eingriff wird auch Vasovasostomie oder Refertilisierung genannt. Diese Operation erfolgt immer unter Vollnarkose, dauert zwischen zwei und vier Stunden und kostet zwischen 2.000 und 5000 Euro, da dieser Eingriff wesentlich aufwendiger als die Vasektomie selbst ist.

Für wen ist eine Vasektomie interessant?

Auch wenn die Vasektomie grundsätzlich umkehrbar ist, sollte die Entscheidung für eine Sterilisation endgültig getroffen werden. Dieser Eingriff kommt deshalb insbesondere für all diejenigen infrage, die keine weiteren Kinder mehr wollen oder sich hundertprozentig sicher sind, auch unter anderen Lebensumständen oder mit einer neuen Partnerin keinen Nachwuchs zu wünschen. Wichtig: Der Patient sollte nicht nur körperlich, sondern auch psychisch für eine Vasektomie bereit sein. Denn es kommt immer wieder vor, dass Männer darunter leiden, dass sie nach der Operation zeugungsunfähig sind – selbst wenn die Entscheidung dafür bewusst getroffen wurde.

Männer, die eine Vasektomie durchführen lassen, sind meist über 30 Jahre alt, seit Längerem in einer festen Partnerschaft oder Ehe und bereits Vater von einem oder mehreren Kindern. In einigen Fällen gibt es auch medizinische Gründe, die für eine Vasektomie sprechen, beispielsweise wenn genetische Erkrankungen vorliegen. Lassen Sie sich in jedem Fall vor dem Eingriff umfassend von einem Facharzt beraten.

Quelle: vasektomie.de

Sehr sicher, aber (beinahe) endgültig

Die Entscheidung für eine Vasektomie sollte wohlüberlegt sein. Sie können danach keine Kinder mehr zeugen – dessen sollten Sie sich bewusst sein. Dennoch kann es Lebensumstände geben, in denen eine Vasektomie die richtige Entscheidung ist: Vielleicht weil Sie nach drei Kids wissen, dass keine weiteren mehr dazukommen sollen, weil Sie sich zu alt für (weitere) Kinder fühlen oder weil eigene Kinder für Sie grundsätzlich nicht infrage kommen – etwa, weil die Gefahr eines Gendefekts zu hoch ist oder eine Schwangerschaft für Ihre Partnerin ein zu großes Risiko darstellen würde.

Eine Vasektomie kann dann die beste Lösung für Sie sein: Die Sterilisation des Mannes ist die sicherste aller Verhütungsmethoden und dazu noch wunderbar unkompliziert, weil Sie weder an das Besorgen von Kondomen denken müssen, noch die Einnahme der Pille im Blick haben müssen. Und: Auf längere Sicht ist die Sterilisation im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden sogar relativ günstig.

Eine Verhütungsalternative sind und bleiben natürlich Kondome.

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