Calisthenics im Video: Street-Workout-Experte im Interview

Street-Workout-Experte Dennis Ratano hat unsere 8 Kollegen bei der Perfektionierung ihrer Übungen unterstützt. Im Interview verrät der 25-Jährige, warum seine Art zu trainieren die beste ist – und weshalb der Workout-Trend noch wachsen wird
Die Street-Workout-Experten im Video-Interview

Street-Workout-Experte Dennis Ratano hat unsere 8 Kollegen bei der Perfektionierung ihrer Übungen unterstützt. Im Interview verrät der 25-Jährige, warum seine Art zu trainieren die beste ist – und weshalb der Workout-Trend noch wachsen wird

New York City, 2010: Maschinenbaustudent Dennis Ratano aus Offenburg sieht im Urlaub einen Typen, der an einer Ampel Klimmzüge macht. Der Turner lädt ihn spontan zu einem Workout ein – der Beginn von Calisthenics in Deutschland, denn Ratano nimmt die Idee mit über den Atlantik. Um ihn herum bildet sich eine kontinuierlich wachsende Szene, zu deren Botschafter er wird. Mittlerweile hat der 25-Jährige fast überall auf der Welt trainiert, etwa auf dem Times Square in New York,
im Dschungel von Costa Rica und in der Wüste Marokkos.

Es ist gar nicht mal so leicht, Sie zu erreichen, Herr Ratano. Momentan schwer beschäftigt?
Letztes Jahr hat alles Bisherige in den Schatten gestellt. So bin ich mit dem weltbekannten US-Team Barstarzz auf Workshop-Tour gegangen, habe in vielen Städten offene Trainingseinheiten organisiert und Video-Tutorials gedreht. Dazu kamen noch einige TV-Auftritte sowie diverse Veranstaltungen und Fotoshootings als Athlet. Der Höhepunkt war sicher der Street-Workout- World-Cup, der im Juli 2013 in meiner Heimatstadt Offenburg stattgefunden hat. Echt genial!

Klingt so, als wäre es ein riesiger Trend. Wie
viele Athleten gibt es derzeit in Deutschland?

In absoluten Zahlen lässt sich das leider nicht sagen, denn im Gegensatz zu Sportverbänden oder Fitness-Studios gibt es bei uns keinerlei offizielle Registrierungen. Das empfinde ich als großen Vorteil, weil so keiner ausgeschlossen wird. Zahlenmaterial bleibt da natürlich auf der Strecke. Dennoch bekomme ich die wachsende Begeisterung täglich mit, zum Beispiel in Form vieler Klicks auf Videos im Internet, aber auch dadurch, dass sich ständig neue Teams gründen.

Gibt’s für die wachsende Zahl an Aktiven denn auch ausreichend Trainingsmöglichkeiten?
Nein, und genau darin liegt in Deutschland das Problem. Viele Städte glauben weiterhin an die Trimm-dich-Pfade, die hier in den 1970er-Jahren gebaut worden sind. Der Grundgedanke dahinter war nicht verkehrt. Doch einige Anlagen fallen bald komplett auseinander. Darüber hinaus sind sie für viele Menschen schwer zu erreichen, weil sie oft etwas abgelegen in Waldgebieten liegen.

Interview mit Street-Workout-Experte Dennis Ratano
Dennis Ratano (Mitte) hat die Men’s-Health-Redaktion ins Street-Workout-Fieber versetzt

In den meisten deutschen Städten gibt es also noch keine Fitness-Parks, so wie in den USA?
Leider nicht. Auch darum versuche ich mich zu kümmern. Zurzeit entwerfe ich Konzepte, gehe auf Kommunen zu und versuche, diese von den Vorteilen des Neubaus zu überzeugen. Einige sind dafür offen, andere einfach nur stur. Doch mittlerweile haben wir diverse Arbeitsgruppen gegründet, die auf Kommunen Druck ausüben. Auch die starke Medienpräsenz zeigt zunehmend Wirkung. Im Süden Deutschlands sind 3 Parks – in Lahr, in Weil am Rhein sowie in der Nähe von Freiburg – sogar schon fast in der Bauphase.

Mal abgesehen von Kraft und Muskeln: Was sind die stärksten Argumente für den Bau?
Wir geben Menschen sämtlicher Altersklassen die Möglichkeit, gratis und trotzdem effektiv zu trainieren. Besonders attraktiv ist das natürlich für Jugendliche, denen das Geld für den Studiobeitrag fehlt. Mit dem Street-Workout bieten wir ihnen ein soziales Hobby – schließlich trainiert man im Park so gut wie nie allein. Und es ist ein Sport, bei dem Jungs Stress ab- und Muskeln aufbauen können. Gibt es da etwas Besseres?

Bevorzugen Calisthenics-Sportler eigentlich bestimmte Formen gesunder Ernährung?
Das bleibt jedem selbst überlassen. Einsteiger beginnen natürlich erst mal mit dem Workout. Grundsätzlich gilt allerdings: Je professioneller jemand den Sport betreibt, desto ernster nimmt er es auch, sich vernünftig zu ernähren. Um die eigene Leistung und sichtbare Ergebnisse am eigenen Körper zu spüren, gelten alle bekannten Grundsätze der Fitness-Küche. Das bedeutet vor allem, viel Eiweiß zu sich nehmen und wenig leere Kohlenhydrate. Ich setze darüber hinaus auf natürliche Produkte, also beispielsweise auf grüne Smoothies, aber auch auf Kokoswasser.

Das zeigt sich bestimmt auch vor dem Spiegel. Oder ist das für Bar-Athleten Nebensache?
Das hängt stark von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Street-Workout ist ja nur eine Überkategorie. So wie beim Krafttraining gibt es auch bei uns Sportler, die für ein beeindruckendes Spiegelbild trainieren – und das klappt! Für andere ist die Funktion wichtig. Unter denen, die ich persönlich kenne, sind beide Ziele gleichermaßen verbreitet.

Wo absolviert man sein Street-Workout, wenn es draußen mal lausig kalt ist oder regnet?
Mein Tipp: warm anziehen oder einfach nach drinnen gehen. Wir sind ja nicht Vertreter einer strengen Religion, die jegliches Indoor-Training verbietet. Interessanterweise fehlt aber in vielen Studios eine Klimmzugstange. Um das Problem zu umgehen, nehme ich immer meine Turnringe mit, um sie dort aufzuhängen. Hartgesottene trainieren natürlich auch bei Schnee und Eis. Das gilt insbesondere in Osteuropa als Zeichen von Härte. Einige von meinen Kumpels dort springen nach ihrer Einheit sogar noch ins eiskalte Wasser. Da gehe ich mit – aber nur bei Sommerhitze.

Mehr Infos unter www.baristi-workout.com.

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